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Kolumne Gegenpressing
Die wirksamste Fifa-Reform aller Zeiten

Katars  WM-Stadien 2022
Katars WM-Stadien 2022 FOTO: Entwurf: AS&P - Albert Speer & Partner GmbH
Katar will bei der WM 2022 Alkohol in den Stadien verbieten. Das stört Fifa-Sponsoren aus dem Brauerei-Fach. Vielleicht sollte Katar am besten gleich den ganzen Fußball-Weltverband übernehmen. Das erspart lästige Diskussionen. Von Robert Peters

Neues aus der Serie: Auch das noch. Nicht genug, dass die Kataris mit ihrer Fußball-Weltmeisterschaft 2022 die Vorweihnachtszeit verhunzen. Jetzt wollen sie auch nicht mal mehr Glühwein im Advent zulassen - allenfalls solchen ohne Alkohol. Unerhört!

Die WM-Stadien im Emirat werden alkoholfreie Zonen. Das haben die Organisatoren versprochen. Auf die Protestbewegung darf man schon jetzt gespannt sein. Sicher ist, dass zunächst ausnahmsweise Fans und Fifa auf derselben Seite der Barrikaden stehen, die sie alsbald erklimmen werden. Die Fans, weil sie sich Fußball und die zugehörigen Begegnungsstätten ohne die Gelegenheit, bei einem Bierchen alle Geheimnisse des Spiels zu entschlüsseln, nicht vorstellen können. Der Weltverband, weil er seit vielen Jahren an Sponsoren aus dem Brauereifach herrlich verdient.

Die Funktionäre, die sich ihrerseits in der Abgeschiedenheit teurer Bars in teuren Hotels ebenso wenig um das Alkoholverbot scheren werden wie Angehörige der katarischen Oberschicht, müssen nun darauf hoffen, dass die außergewöhnlichen Gastgeber dieser außergewöhnlichen Weltmeisterschaft ihren Beitrag zur Besänftigung des Weltverbands leisten. Am besten geht das, wenn die Kataris der Fifa die Taschen noch ein bisschen voller machen. Sollte also eine der Großbrauereien in Ermangelung ertragreicher Absatzmärkte in den Emiraten in den Sponsoren-Streik treten, müssten die Wüstensöhne einspringen. Das notwendige Kleingeld haben sie ja.

Sie könnten bei der Kundschaft für prima Öl und Gas aus eigener Herstellung werben. Davon haben sie schließlich ebenfalls genug. Seit Jahren arbeiten sie auch mit gutem Erfolg daran, ihre geradezu paradiesischen Trainingszentren vor allem in den Wintermonaten mit der Fußballprominenz von Bayern bis Schalke zu füllen. Die Anlagen vertragen zweifellos eine weit höhere Auslastung. Und Touristen sollen auch noch den Weg in den Osten finden.

Am besten unterschreiben die Kataris gleich alle Sponsorenverträge. Dann wird auch niemand mehr auf die abwegige Idee verfallen, die böse Fifa habe sich bei der Vergabe der Weltmeisterschaft in den Wüstenstaat kaufen lassen. Das wäre dann überhaupt nicht mehr notwendig, denn Katar hätte den Weltverband mit übernommen. Scheich Tamim bin Hamad Al Thani hätte bestimmt nichts dagegen, in seiner großzügig bemessenen Freizeit die Fifa als Präsident zu führen - ehrenamtlich, versteht sich.

Dann ist alles noch viel einfacher, lästige Rechtfertigungsprozesse und langatmige Diskussionen in der Öffentlichkeit würde sich der Verband endgültig sparen. Es wäre der schnellste Weg zu ganz schlanken Strukturen und deshalb die wirksamste Fifa-Reform aller Zeiten. Der Preis: ein paar Bierchen weniger. Prost!

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Quelle: RP
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