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WM-Kolumne
Holland hat die richtige Mischung gefunden
WM-Kolumne: Holland hat die richtige Mischung gefunden
Rainer Bonhof wurde 1974 mit Deutschland Weltmeister, 2010 schreibt er für unsere Redaktion eine tägliche Kolumne. FOTO: RPO, Kerstin de Haas
Düsseldorf (RP). Holland steht zum dritten Mal nach 1974 und 1978 in einem WM-Finale. Das freut mich natürlich, weil ich bis zum 17. Lebensjahr den holländischen Pass hatte, die Sprache noch immer gern spreche und – am wichtigsten – mich natürlich gut an unser Finale 1974 erinnere. Es war meine erste WM, und sie endete mit dem Titel. Das vergisst man nicht. Von Rainer Bonhof

Dass die Niederländer den Sprung ins Endspiel geschafft haben, kommt für mich nicht ganz unerwartet. Trainer Bert van Marwijk hat eine ziemlich gute Mischung hinbekommen. Er hat überragende Offensivspieler wie Robben, van Persie, Sneijder und Kuyt, aber er lässt sie viel kontrollierter spielen als früher. Vor van Marwijk haben die Holländer immer nur "lekker voetbal", schönen Fußball, spielen wollen. Das ging oft auf Kosten des Erfolgs. Jetzt denkt die ganze Mannschaft erfolgsorientierter, agiert oft nüchterner und wartet geduldig auf Chancen.

Die kommen natürlich, wenn man solche Einzelkönner hat wie die Niederländer. Auch wenn die Mannschaft im Turnier noch nicht überragend gespielt hat, steht sie verdient im Finale. Dabei war das Halbfinale gegen Uruguay eine echte Geduldsprobe und eine wirklich zähe Angelegenheit.

Die "Urus" haben sich mit Leibeskräften gewehrt, ohne unfair zu spielen. Sie haben unheimlich viel Laufarbeit investiert, die ganze Mannschaft hat sich gegen die holländische Übermacht gestemmt. Dadurch hatte es van Marwijks Team schwer. Und es wurde ja nicht leichter, nachdem sich Torwart Stekelenburg beim Ausgleich einen Schnitzer erlaubt hatte. Dass Forlán traf, war natürlich auch nicht überraschend, er hat wieder bestätigt, wie gefährlich er als Alleinunterhalter ist. Trotz aller Warnungen hatten die Holländer nicht aufgepasst. Das war fahrlässig.

Am Ende hat sich die höhere individuelle Klasse durchgesetzt, obwohl es in den Schlussminuten noch mal eng wurde. Das haben sich die Niederländer selbst zuzuschreiben. Sie hätten das 4:1 machen können, stattdessen haben sie sich noch den Anschlusstreffer eingefangen, weil sie am eigenen Strafraum nicht entschlossen zugepackt haben.

Uruguay hat dann noch mal alles gegeben, war aber fußballerisch einfach zu begrenzt – auch durch den Ausfall wichtiger Leute wie Suarez und Lugano. Das Team hat sich dennoch großen Respekt verdient. Es kam als Außenseiter und steht nun im kleinen Finale.

Quelle: RP
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