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Patrick Battiston wird 60
Der, der nicht an Schumacher denkt

Deutschland - Frankreich: die denkwürdigsten Duelle
Deutschland - Frankreich: die denkwürdigsten Duelle
Sevilla/Paris. Drei Weltmeisterschafts-Turniere, ein Europameister-Titel, fünfmal Landesmeister. Aber in der hochdekorierten Karriere von Patrick Battiston bleibt auch zu seinem 60. Geburtstag vor allem eine Szene in Erinnerung.

Patrick Battiston liegt bewusstlos auf dem Boden. Teamkollegen eilen zu ihm. Winken hektisch die Mediziner der französischen Fußball-Nationalmannschaft herbei. Sie sind in Sorge. Die Zuschauer im Stadion von Sevilla und vor den Fernsehgeräten sind entsetzt. Es ist der 8. Juli 1982, WM-Halbfinale gegen Deutschland. Es ist die 57. Minute. Es ist die brutale Attacke des deutschen Nationalkeepers Toni Schumacher.

Und es ist die Szene, die ewig mit dem Namen Battiston in Verbindung gebracht werden wird. "Die Leute erinnern sich dadurch ja heute noch an mich", sagte er im vergangenen Sommer in einem Interview der "Welt", bevor es zum K.o.-Duell zwischen Deutschland und Frankreich bei der Heim-EM der Equipe tricolore kam.

An diesem Sonntag wird Battiston 60 Jahre alt. Er bestritt 56 Länderspiele, drei Tore erzielte der Innenverteidiger. Bevor Schumacher ihn damals rammte, hatte Battiston versucht, einen genialen Pass von Michel Platini am herausstürmenden Schumacher vorbeizulegen. Der Ball ging vorbei. Schumacher traf Battiston. Mit voller Wucht.

Battiston erlitt eine Gehirnerschütterung, trug zwei angebrochene Halswirbel davon und verlor zwei Zähne. Er musste ins Krankenhaus gebracht werden, seine Mitspieler mussten in die Verlängerung, führten bereits 3:1, schieden aber nach Elfmeterschießen aus.

Der deutsche Keeper sagte einmal: "Für ich gab es eine wichtige Szene in dieser ganzen Battiston-Affäre, das war die, als ich mich bei ihm entschuldigt habe. Die Entschuldigung hat er angenommen und somit war das Thema für ihn und mich erledigt."

Nicht ganz, denn spätestens, wenn es zum immer wiederkehrenden Duell Deutschland gegen Frankreich kommt, werden die Bilder der Schumacher-Attacke und des auf dem Boden liegenden Franzosen präsent. Battiston selbst kann sich an die Sekunden nicht erinnern. "Ich hatte es zwar hautnah erlebt, war aber nicht anwesend", sagte er einmal. An Schumacher verschwendete er nach eigenen Angaben in all den Jahren auch keine Gedanken.

Battiston war fester Bestandteil der damals stets zur Weltklasse zählenden französischen Auswahl. Er bestritt drei Weltmeisterschaften (1978, 1982, 1986), er wurde 1984 mit Frankreich bei der Heim-EM Europameister. Battiston gewann mit drei Vereinen fünfmal die Landesmeisterschaft, spielte von 1973 bis 1980 beim FC Metz, anschließend für drei Jahre bei der AS Saint-Etienne. Von 1983 bis 1991 lief Battiston für Girondins Bordeaux auf - mit einer Unterbrechung (AS Monaco von 1987 - 1989). Und doch bringt ihn praktisch jeder mit diesen wenigen Sekunden in Sevilla in Verbindung.

(dpa)
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