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WM-Starter Ägypten im Porträt
Erlösung nach 28 Jahren - Ägyptens Hoffnungen ruhen auf Salah

WM 2018: Ägypten im Porträt
Ägypten fährt erstmals seit 28 Jahren zur WM. FOTO: ap, NM FP
Kairo. Dank Nationalheld Salah ist Ägypten zum dritten Mal für eine Fußball-WM qualifiziert. Nach schrecklichen Tragödien kommt die erste Teilnahme seit 28 Jahren einer Erlösung gleich.

Auf dem Tahrir-Platz in der ägyptischen Hauptstadt Kairo gab es kein Halten mehr. Hundertausende Menschen strömten auf die Straßen, rot-weiß-schwarze Flaggen und ein überdimensionales Feuerwerk tauchten die Nacht in die Nationalfarben. Wieder einmal wurde auf dem "Platz der Befreiung" ein Kapitel ägyptischer Geschichte zelebriert.

1954 einte sich hier das Volk, nachdem zuvor die Monarchie gestürzt wurde. 2011 trieb es die Menschen auf den Tahrir-Platz, um gegen Machthaber Husni Mubarak zu demonstrieren. Diesmal waren die Menschen zusammengekommen, um ihrem "König" Mo Salah I. zu huldigen.

Nationalheld Mohamed Salah, den sie liebevoll den "ägyptischen Messi" nennen, hatte die Pharaonen in der fünften Minute der Nachspielzeit zur WM geschossen. 90.000 (!) Zuschauer verfolgten die Partie in der WM-Qualifikation gegen den Kongo im Nationalstadion Borg El Arab. Das Land stand kopf. Die Fans feierten bis in die Morgenstunden, sie tanzten, sie sangen.

"Ich bin 28 Jahre alt. Drei Monate, bevor sich Ägypten für die WM 1990 qualifiziert hatte, wurde ich geboren. Ich habe mir gewünscht, dass ich Ägypten bei einer WM spielen sehen kann, bevor ich sterbe", sagte Fan Ahmed Abdel Wahed auf dem Tahrir-Platz.

Außer ihrem "Messi", dem Premier-League-Star des FC Liverpool, hat das Land keine Stars. Ägypten fährt als krasser Außenseiter ins flächenmäßig größte Land der Welt. Das Abschneiden bei der Endrunde in Russland spielt ohnehin nur eine untergeordnete Rolle. Die Teilnahme soll die schrecklichen Tragödien der letzten Jahre vergessen machen.

Bei einer der schlimmsten Katastrophen der Fußball-Geschichte waren im Februar 2012 nach dem Duell zwischen Al-Masri und Al-Ahly Kairo in Port Said Anhänger der Gastgeber auf den Platz gestürmt. Sie hatten Steine und Flaschen geworfen und die Ränge mit Feuerwerkskörpern beschossen. Es entstand eine Massenpanik. 74 Menschen kamen ums Leben.

Todesstrafen wurden verhängt, die Liga ausgesetzt. Dennoch folgte nur drei Jahre später die nächste Tragödie: Bei gewalttätigen Ausschreitungen bei einem Erstliga-Spiel zwischen Zamalek Kairo und dem Lokalrivalen ENPPI Club starben 19 Menschen.

Die Auswirkungen der schrecklichen Ereignisse spürt das Land noch heute. Nach wie vor werden einige Ligaspiele aus Sicherheitsgründen unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgetragen. Die WM in Russland soll daher für Ägypten zur friedlichen Rehabilitationskur werden.

Dort will dann auch Torhüter Essam El-Hadary dabei sein, dessen WM-Traum im biblischen Fußballalter von 45 Jahren in Erfüllung gehen könnte. Anfang 2017 fuhr er als dritter Torhüter mit zum Afrika-Cup. Dann verletzten sich die Schlussmänner Nummer eins und zwei, und mit Rückkehrer El-Hadary zwischen den Pfosten zogen die Ägypter ins Finale ein. Seither ist El-Hadary, der derzeit bei Al-Taawoun in Saudi-Arabien kickt, die Nummer eins.

Sollte er zum Einsatz kommen, und davon ist auszugehen, löst er den Kolumbianer Faryd Mondragon als ältesten Spieler der WM-Geschichte ab. Der Ex-Kölner war bei der WM 2014 "nur" 43 Jahre und drei Tage alt.

(sid)
 
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