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WM-Starter Costa Rica im Porträt
Costa Rica hofft auf neues WM-Märchen

WM 2018: Costa Rica im Porträt
Costa Rica will in Russland erneut überraschen. FOTO: ap, MC FP
San Jose. 2014 in Brasilien war Costa Rica die Sensation schlechthin und hätte um ein Haar das WM-Halbfinale erreicht. Bei ihrer fünften WM-Teilnahme wollen die Ticos wieder überraschen.

Die wundersame Reise der Ticos durch Brasilien ist unvergessen, aber sie soll keine Einmaligkeit bleiben. Wie bei der Fußball-WM vor bald vier Jahren, will Costa Rica auch 2018 in Russland für Furore sorgen. "Unser Ziel muss es sein, das gleiche Niveau wie in Brasilien zu erreichen. Und wenn es mehr wird, warum nicht?", sagt Trainer Oscar Ramirez sehr selbstbewusst.

Der 52-Jährige war 1990 bei der ersten WM-Teilnahme der Ticos als Spieler dabei und trägt nun erstmals als Coach die Verantwortung. Aber ob seine Mannschaft tatsächlich die Qualität für eine nochmalige Viertelfinal-Teilnahme besitzt, darf bezweifelt werden. Die jüngsten Tests sorgten jedenfalls für Ernüchterung. Beim 0:5 gegen Spanien gelang so gut wie nichts, beim 0:1 gegen Ungarn kaum mehr.

Verbandspräsident Rodolfo Villalobos hofft allerdings auf einen positiven Effekt und sieht die Pleiten als Wachrüttler. "In wenigen Wochen werden wir für diese schmerzhaften Niederlagen dankbar sein, denn sie haben uns aus der Komfortzone geholt", sagte er. Zudem hatten die Ticos zwei ihrer Schlüsselspieler nicht zur Verfügung: Torwart Keylor Navas (30) und Kapitän Bryan Ruiz (32).

In Brasilien waren Navas und Ruiz die Hauptfiguren auf dem Weg durch die Gruppenphase, als England und Italien gegen die Lateinamerikaner strauchelten, und in den K.o.-Duellen gegen Griechenland und die Niederlande. Letztlich scheiterte "Europa-Schreck" Costa Rica im Viertelfinale gegen Oranje erst im Elfmeterschießen auch durch den Torhüter-Wechseltrick Louis van Gaals.

Ruiz weiß aber genau, dass diese traumhaften Wochen bei der insgesamt fünften WM-Teilnahme kaum zu wiederholen sind. "Wir können nicht sagen, dass wir es besser machen. Denn in Brasilien haben wir Unglaubliches geleistet", sagt der Spielmacher, der bei Sporting Lissabon nicht zum Zug kommt und zeitweise sogar vom Trainingsbetrieb ausgeschlossen war.

Auch Nationalheld Navas, mit Real Madrid zweimaliger Champions-League-Sieger, ist bei den Königlichen nicht mehr unantastbar. Aber es ist deswegen nicht ausgeschlossen, dass er in eine Verfassung wie damals kommt, als Navas sich für die europäischen Großklubs empfahl. "Wenn einem eine kostbare Ming-Vase aus dem Fenster des zehnten Stocks fällt", schrieb die spanische Sportzeitung AS damals, "dann wünscht man sich unten auf der Straße Keylor Navas."

Costa Rica erlebte im der WM-Qualifikation des Kontinentalverbandes Concacaf ein Auf und Ab, die wechselhaften Leistungen reichten aber für Rang zwei und das direkte WM-Ticket. Nun werden die Ticos "sehr, sehr hart" (Ruiz) dafür arbeiten, ihren Landsleuten wieder unvergessene Erlebnisse zu schenken.

Als 2014 die WM-Euphorie ihren Höhepunkt erreicht hatte, gingen in der Hauptstadt San Jose die Männer im Trikot der "Ticos" ins Büro, Mütter schminkten ihren Kindern die Nationalflagge ins Gesicht - selbst die Bäume in den Straßen wurden rot-weiß-blau bemalt. "Es ist wie im Märchen", schrieben die Zeitungen. Mit der Kraft ihres Lebensmottos "Pura Vida" - dem puren Leben - soll dieses Märchen weitererzählt werden.

(sid)
 
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