| 11.54 Uhr

WM-Starter Marokko im Porträt
Marokko mit Bayern-Flop und "weißem Zauberer" wieder dabei

WM 2018: Marokko im Porträt
Nabil Dirar (l.) hat sich mit Marokko qualifiziert. FOTO: afp
Rabat. Nach 20 Jahren ist Marokko wieder bei einer WM dabei. Die Euphorie im nordafrikanischen Königreich könnte größer nicht sein.

Nach dem Ende der fast 20-jährigen Leidenszeit konnte auch Marokkos König seine Freude nicht zurückhalten. Noch als die Fußballer des Wüstenstaats auf dem Platz ausgelassen die WM-Qualifikation feierten, griff Mohammed VI. zum Telefon und beglückwünschte Nationaltrainer Herve Renard sowie Kapitän Medhi Benatia persönlich. Erstmals seit 1998 spielen die "Löwen vom Atlas" im kommenden Sommer wieder im Konzert der Großen mit und versetzen ein ganzes Land in Freudentaumel.

Während Zehntausende Menschen auf den Straßen von Rabat, Casablanca und Marrakesch tanzten und ihre Helden besangen, erklärte Abwehrchef Benatia im fernen Abidjan die Gemütslage der Nation. "Wir mussten die WM 20 Jahre lang am Fernseher schauen. Aber jetzt sind wir wieder dabei, und darauf können wir wirklich stolz sein", frohlockte er nach dem entscheidenden 2:0 bei der Elfenbeinküste.

Dieser Mann mit Freudentränen in den Augen ist jener Medhi Benatia, der einst bei Bayern München nach zweijährigem Missverständnis als Flop abgestempelt und 2016 an Juventus Turin abgegeben wurde. In Marokkos Nationalteam ist er hingegen unumstrittener Führungsspieler und Star der Mannschaft. Als "wundervollsten Moment" seiner Karriere beschrieb er daher die Qualifikation für Russland.

Der Anteil des 30-Jährigen an der fünften WM-Teilnahme der Nordafrikaner ist immens. Rund um Benatia hat Nationaltrainer Renard ein Defensivbollwerk errichtet, ohne ein einziges Gegentor marschierte Marokko durch die sechs Spiele seiner Qualifikationsgruppe. "Medhi ist der Kapitän, mein Vertrauter, das Vorbild der Spieler und der Trainer auf dem Feld", lobte der Coach daher seinen Abwehrchef auf dem Portal Le 360 Sport überschwänglich.

Vater des Erfolgs ist aber Renard - wie schon so oft auf dem schwarzen Kontinent. Sowohl mit Außenseiter Sambia (2012) als auch mit der Elfenbeinküste (2015) gewann er die Afrikameisterschaft. Aufgrund seiner Vorliebe für weiße italienische Designerhemden brachte ihm dies gar den Beinamen "weißer Zauberer" ein.

Auch im Königreich Marokko wirkte die Magie des Franzosen schnell. Binnen kürzester Zeit nach seinem Amtsantritt im Februar 2016 gelang es dem 49-Jährigen, aus einer Mannschaft von technisch versierten Individualisten eine verschworene Gemeinschaft mit defensiver Disziplin und gnadenlosem Pressing zu formen.

Zu diesem Team gehört seit Kurzem auch Amine Harit von Schalke 04. Nachdem der nahe Paris geborene Spielmacher die Junioren-Nationalmannschaften Frankreichs von der U18 bis zur U21 durchlaufen hatte, entschied er sich im September dieses Jahres für das Heimatland seiner Eltern.

Sein Wunschgegner bei der WM? Natürlich Frankreich. "Sie haben eines der besten Teams der Welt. Aber wir in Marokko haben auch eine sehr gute Mannschaft mit jungen, talentierten Spielern", sagte Harit und drückte das neue marokkanische Selbstbewusstsein aus: "Daher können wir auch gegen sie etwas erreichen."

Ganz Marokko fiebert dem Highlight in Russland entgegen - die bisherige Begeisterung im Land soll dabei nur das Aufwärmprogramm sein. So kündigte Kapitän Benatia bereits an: "In sechs Monaten wird es eine unglaubliche Party in Marokko geben. Denn es ist ein Land, das Fußball lebt."

(sid)
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

WM 2018: Marokko im Porträt


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.