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WM-Starter Nigeria im Porträt
Rohr bringt Super Eagles wieder zum Fliegen

WM 2018: Nigeria im Porträt
Nigera qualifizierte sich als erstes afrikanisches Team für die Endrunde in Russland. FOTO: ap, FP
Abuja. Nach der verpatzten Qualifikation für den Afrika-Cup hat Gernot Rohr den Fußball in Nigeria wieder auf Vordermann gebracht. Die Super Eagles qualifizierten sich souverän als erstes afrikanisches Team für die Endrunde in Russland.

Gernot Rohr wurde immer wieder in die Luft geworfen. Nach dem entscheidenden 1:0-Sieg gegen Sambia ließen seine Spieler den 64 Jahre alten Trainer hochleben. Mit einem breiten Lächeln im Gesicht und einer kleinen Nigeria-Flagge in der rechten Hand war Rohr glücklich beseelt über die Tartanbahn im Godswill Akpabio Stadion in Uyo gelaufen. Der Weltenbummler hatte den Olympiasieger von 1996 gerade zu seiner insgesamt sechsten WM-Teilnahme geführt.

Kein Wunder, dass sein Vertrag Ende November bis 2020 verlängert wurde. "Er hat seinen Job sehr gut gemacht und muss nun nicht in Unsicherheit über seine Zukunft in die WM gehen", sagte Verbandpräsident Amaju Pinnick.

Super Eagles sind WM-Dauergast

Die Super Eagles, die bei der WM in Brasilien im Achtelfinale an Frankreich (0:2) scheiterten, sind WM-Dauergast. Seit 1994 fehlten die Super Adler nur bei der Endrunde 2006 in Deutschland. Insgesamt dreimal schaffte es Nigeria ins Achtelfinale.

Doch dieser Erfolg war nicht abzusehen. Als Rohr im August 2016 sein viertes Engagement als Nationaltrainer in Afrika antrat (nach Gabun, Niger und Burkina Faso), hatte er einen großen Berg Arbeit vor sich. Fünf Monate zuvor hatte Nigeria als Champion 2013 überraschend die Qualifikation für den Afrika-Cup 2017 verpasst. Der ausgewiesene Afrika-Experte, der seinen Lebensmittelpunkt in Frankreich hat und in Lege-Cap-Ferret ein Hotel besitzt, musste neue Strukturen schaffen, eine passende Spielphilosophie etablieren und als Vermittler zwischen Verband, Sportministerium und den im Ausland tätigen Stars auftreten.

Rohr belohnte sich selbst mit seiner ersten WM-Teilnahme und ist, neben Bundestrainer Joachim Löw, der zweite deutsche Cheftrainer beim Turnier in Russland. Nigeria hatte sich als erstes afrikanisches Team souverän und ohne Niederlage für die WM qualifiziert. Überhaupt verlor Rohr von elf Spielen als nigerianischer Nationaltrainer erst eins: Das bereits sportlich unbedeutende letzte Spiel der verkorksten Afrika-Cup-Qualifikation gegen Südafrika (0:2).

Für Spielgestalter John Obi Mikel, der bereits in Brasilien dabei war und derzeit in China bei Tianjin Teda aktiv ist, ist das Turnier in Russland etwas Besonderes: "Ich bin stolz, Kapitän dieser Mannschaft zu sein. Meine Ehefrau ist Russin. Sie und unsere Kinder werden uns bei der WM vor Ort anfeuern." Neben Mikel sind die Offensivspieler Alex Iwobi (FC Arsenal), Kelechi Iheanacho (Manchester City) und Victor Moses (FC Chelsea) Leistungsträger. Der Mainzer Innenverteidiger Leon Balogun ist unter Rohr unumstrittener Stammspieler.

Afrikameister Kamerun wurde in der WM-Qualifikation 4:0 geschlagen. Mitte November drehte das Team um Kapitän Mikel, den ehemaligen Mittelfeldstar des FC Chelsea, im Testspiel gegen Vizeweltmeister Argentinien einen 0:2-Rückstand in einen 4:2-Sieg. Dabei liefen die Südamerikaner bis auf ihren fehlenden Superstar Lionel Messi in ihrer stärksten Besetzung auf.

Im Rahmen dieser Partie verkündete der nigerianische Fußball-Verband NFF die Einigung in der Diskussion um die fälligen Spielerprämien für die WM-Qualifikation. Bei der WM 2014 hatte es noch heftige Dissonanzen über die Prämienzahlungen gegeben. Diese gipfelten in einem Trainingsstreik der Spieler. Schließlich musste der nigerianische Sportminister nach Brasilien kommen und vier Millionen US-Dollar in bar unter den Spielern verteilen. Auf Drängen von Rohr wurde auch dieses Problem diesmal rechtzeitig aus der Welt geschafft. 2,4 Millionen Dollar wurden für die Qualifikation für Russland als Prämie festgelegt. Weitere Gelder sollen noch fließen.

(sid)
 
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