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WM-Starter Russland im Porträt
Russlands Fußball steckt mitten im Umbruch

WM 2018: Russland im Porträt
Den einen großen Star gibt es im russischen Nationalteam nicht. FOTO: ap, SG FP
Moskau. Russland tritt bei der WM im eigenen Land als Außenseiter an. Der Fußball im Riesenreich steckt mitten im Umbruch. Trainer Stanislaw Tschertschessow hofft deshalb auch auf "deutsche" Legionäre.

Stanislaw Tschertschessow hat im kommenden Sommer den schwersten Job der (Fußball-)Welt. Der Trainer der russischen Nationalmannschaft, schon zu Bundesliga-Zeiten für seinen dichten Oberlippenbart bekannt, soll den WM-Gastgeber zu neuem Ruhm führen - und bestenfalls ins Finale. Doch vom Titel sollten die russischen Fans nicht träumen, sondern eher das Vorrunden-Aus der Sbornaja fürchten. Daran können auch die "deutschen" Legionäre wenig ändern.

Bei den letzten Vorbereitungsspielen gegen Argentinien (0:1) und Spanien (3:3) standen erneut Konstantin Rausch und Roman Neustädter im Kader, die beide schon für den Deutschen Fußball-Bund (DFB) gespielt haben. Neustädter sogar für das A-Team von Bundestrainer Joachim Löw.

Für den früheren Bundesliga-Spieler (Mainz, Mönchengladbach, Schalke) ist die Endrunde im kommenden Jahr "ganz klar das Ziel", sagte Neustädter, der inzwischen in der Türkei bei Fenerbahce Istanbul unter Vertrag steht, zuletzt: "Aber dafür muss ich im Verein kontinuierlich meine Leistung bringen." Gleiches gilt für Rausch, der mit dem 1. FC Köln tief im Abstiegskampf steckt.

Beide sollen ihre Chance bekommen, sagte Tschertschessow, der nach dem Vorrunden-Aus bei der EM 2016 mit der schwierigen Aufgabe des Umbruchs betraut worden war, während der WM-Vorbereitung. "Wir haben keine Krise, nur ein paar Probleme, die zu lösen sind", sagte der Coach, der in den 1990er-Jahren das Tor von Dynamo Dresden gehütet hat.

Entsprechend attraktiv sollten die Testspiel-Gegner sein. Gegen die Argentinier wurde das imposante Luschniki-Stadion eingeweiht, gegen Spanien in der ebenso eindrucksvollen Arena in Sankt Petersburg gespielt. "Wir brauchen dringend diese Erfahrung gegen die ganz großen Gegner", sagte Tschertschessow, der dafür bis auf Neustädter und Rausch ausschließlich Spieler aus der heimischen Liga nominiert hatte.

Die Spanien-Partie (3:3) machte den Fans durchaus Hoffnung. Trotz eines 0:2- und dann 2:3-Rückstandes gingen die Russen am Ende immerhin nicht als Verlierer vom Feld.

Den einen großen Star gibt es in der Sbornaja nicht. Bekannt ist Torhüter Igor Akinfejew, Mittelfeldspieler Alexander Golowin (beide ZSKA Moskau) machte beim Confed Cup im vergangenen Sommer auf sich aufmerksam. Alexander Kokorin (Zenit St. Petersburg) und Fedor Smolow (Krasondar), der gegen Spanien zweimal erfolgreich war, sind in der Liga treffsicher.

Dazu kommen die Mirantschuk-Zwillinge Alexei und und Anton, die von Verbandspräsident Witali Mutko persönlich gelobt wurden. "Sie gehören zu der neuen Generation", sagte der Politiker: "Sie sind extrem motiviert und haben eine andere Einstellung zum Fußball. Das ist eine sehr professionelle Generation."

Bei der Generalprobe Confed Cup reichte es für Russland nur zu Platz drei in der Vorrunde (ein Sieg), entsprechend verhalten war die Stimmung auf den Zuschauerrängen. Tschertschessow soll das im kommenden Jahr ändern. Es könnte kaum schwerer sein.

(sid)
 
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