| 18.42 Uhr

WM-Starter Uruguay im Porträt
Uruguay ist "defensiv solide und kraftvoll im Angriff"

WM 2018: Uruguay im Porträt
FOTO: rtr
Montevideo. Die ganz großen Erfolge von Uruguay liegen lange zurück. Bei der WM 2018 wollen Suarez, Cavani und Co. die guten, alten Zeiten wieder aufleben lassen.

Es ist vergleichsweise ruhig geworden um Luis Suarez. Das war bei der WM 2014 in Brasilien noch ganz anders gewesen. Mit einer Beiß-Attacke gegen den Italiener Giorgio Chiellini in der Vorrunde hatte der Stürmer für einen riesigen Skandal und weltweites Aufsehen gesorgt. Für neun Spiele sperrte der Weltverband Fifa den "Vampir", Uruguay schied ohne seinen Torjäger im Achtelfinale aus.

Bei der Weltmeisterschaft im kommenden Jahr in Russland will der Star-Angreifer des FC Barcelona nur noch Tore sprechen lassen und zusammen mit Sturmpartner Edison Cavani von Paris St. Germain sportlich für Furore sorgen. Das Selbstvertrauen ist groß.

"Uruguay ist ein sehr harter Gegner für jede Mannschaft. Wir zeigen in jedem Spiel unseren Charakter, sind defensiv solide und kraftvoll im Angriff", sagte Kapitän Diego Godin von Atletico Madrid nach erfolgreicher Qualifikation.

Immerhin belegte Uruguay in den Eliminatorias hinter den souveränen Brasilianern überraschend Platz zwei - noch vor den wesentlich höher gehandelten Argentiniern um Superstar Lionel Messi, vor Kolumbien und vor Südamerika-Meister Chile, das die WM sogar verpasste.

Zum 13. Mal qualifizierten sich die Urus damit für eine WM, doch die ganz großen Erfolge liegen lange zurück: 1930 und 1950 wurde "La Celeste", die Himmelblauen, Weltmeister. Von 1978 bis 2006 war Uruguay dagegen fünfmal in der Qualifikation für die Endrunde gescheitert.

Erst Oscar Washington Tabarez, der 2006 das Amt des Nationaltrainers übernommen hatte, brachte die Urus wieder auf Kurs. 2010 in Südafrika gelang bereits ein beachtlicher vierter Rang, 2011 gewann er mit seinem Team die Copa America.

"El Maestro" genießt deshalb Kultstatus, bei den Stars gilt der 70-Jährige als Vaterfigur - vielleicht auch deshalb, weil sich der erfahrene Coach selbst nicht so wichtig nimmt. "Ich bin kein großer Trainer, nur die Spieler zählen", sagte er einmal.

Bei Länderspielen steht Tabarez kaum mehr an der Seitenlinie. Er leidet an einer Erkrankung des peripheren Nervensystems, geht auf Krücken oder muss sogar einen Rollstuhl benutzen.

Dies hindert Tabarez nicht an seiner erfolgreichen Arbeit. Er hat in den letzten Jahren immer wieder junge Spieler wie etwa Mittelfeldspieler Matias Vecino, der als Hoffnungsträger gilt, an das Team herangeführt und einen Umbruch eingeleitet. Bei nur rund 3,5 Millionen Einwohnern ist die Suche nach Talenten gar nicht so einfach.

"Zum Glück rücken neue Spieler nach, was fast einem Wunder gleicht", sagt Tabarez und fügt an: "Für jedes Talent, das wir entdecken, zieht Brasilien zwölf oder 14 aus dem Hut. Das Gleiche gilt für Argentinien. Wir müssen unseren Weg weiter gehen."

Und der war durchaus erfolgreich. Die erneute WM-Qualifikation bedeute "für den Fußball hier und für das Land viel", betonte Tabarez. Auch Abwehrspieler Godin unterstrich, dass dies "für Uruguay nicht nur das Erreichen einer WM-Endrunde ist, das ist viel mehr."

Deshalb feierte der im Volk beliebte Ex-Präsident Jose Mujica nach erfolgreicher Quali auch das Team: "Die Seleccion ist eine nationale Angelegenheit. Cavani und Suarez sind unsere Helden."

(sid)
 
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