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WM 2018
Russlands Stadien: Wie ein postapokalyptischer Hollywood-Film

Bilder: So sehen Russlands Stadien drei Jahre vor der WM aus
Bilder: So sehen Russlands Stadien drei Jahre vor der WM aus FOTO: dpa, ss sam
In drei Jahren, am 15. Juli, soll in Moskau das Finale der WM 2018 steigen. Noch hat Russland aber mit teils enormen Problemen zu kämpfen - auf und neben den Baustellen.

Noch gleicht das Luschniki Stadion in Moskau eher dem Final-Schauplatz eines postapokalyptischen Hollywood-Films. Dicker Staub hängt in der Luft, unzählige Stahlstreben ragen ins Nirgendwo des riesigen Rohbaus, und dort, wo mal der Rasen liegen soll, liegt bislang nur Bauschutt. Bis zum Anpfiff des Finales der Fußball-WM 2018 in drei Jahren (15. Juli) hat Gastgeber Russland buchstäblich einen Haufen Arbeit vor sich, nicht nur auf den Baustellen.

Die Trennung von Nationaltrainer Fabio Capello (69) am Dienstag sorgt auch im sportlichen Bereich für weitere Unruhe. Das Selbstvertrauen beim WM-Gastgeber ist aber ungebrochen.

Zwar schweben die tiefe Fifa-Krise sowie die (west-)europäische Russland-Kritik auch bei der Bestandsaufnahme in den elf Austragungsorten und zwölf Stadien fünf Jahre nach der umstrittenen Vergabe über dem Milliarden-Turnier, die Vorbereitungen laufen dennoch davon unberührt auf Hochtouren. "Es gibt keine Bedrohung, die WM ist ein Juwel", sagte Sportminister Witali Mutko, in Fußball-Fragen die rechte Hand von Machthaber Wladimir Putin. In den kommenden drei Jahren muss viel passieren.

WM 2018: Die Austragungsorte FOTO: dpa

"Wir liegen sogar vor dem Zeitplan - und dann wird es eines der schönsten Stadien der Welt sein", sagte der für die Moskauer Stadtentwicklung zuständige Bürgermeister-Vize Marat Chusnullin über den Luschniki Komplex, der nach der 350 Millionen Euro teuren Renovierung bis Dezember 2016 81.000 Zuschauer fassen soll. 2000 Arbeiter schuften dafür im Schichtdienst, 24 Stunden am Tag. Auch das Eröffnungsspiel (14. Juni 2018) soll in der historisch bedeutendsten Arena Russlands stattfinden, ein Jahr zuvor Partien der Generalprobe beim Confed-Cup.

Wer jetzt schon in die Hauptstadt reist, findet in der 25 Kilometer entfernten Spartak Arena den Gegenentwurf zur Endzeitstimmung im Luschniki. Das Stadion des Traditionsklubs strahlt bereits in den Vereinsfarben weiß und rot. Spielt die Nationalmannschaft in Moskau, kommt für die Russland-Flagge noch blau dazu. Hier könnte die WM morgen beginnen, versichern die Stadtplaner. Gleiches gilt für andere große und bekannten Städte des Riesenreichs.

In Sotschi laufen anderthalb Jahre nach den Olympischen Winterspielen 2014 nur leichte Renovierungsarbeiten (Fischt Olympiastadion), in Kasan finden ohnehin schon regelmäßig große Turniere statt, aktuell wird alles für die Schwimm-WM (24. Juli bis zum 9. August) vorbereitet. Die wird einzigartig: Der Pool steht mitten in der Kasan Arena, das soll bereits jetzt der Beleg für die Nachhaltigkeit der WM 2018 sein.

Fotos: WM-Gastgeber Russland präsentiert offizielles Emblem FOTO: dpa, ss

"Gott weiß, wie sehr wir uns die WM gewünscht haben", sagte Sotschis Bürgermeister Waleri Schukow dem SID: "Wir tun alles dafür, dass das Turnier ein großartiger Erfolg wird." Wladimir Leonow, Sportminister der Region Tatarstan erzählt, er habe "geweint" als das bedeutendste Fußball-Turnier der Welt nach Russland vergeben wurde. "Dieser Sieg hat uns wirklich vereint", sagte er.

Von der ganz großen Fußball-Begeisterung ist in vielen Austragungsorten allerdings nicht viel zu spüren, andere Sportarten sind in Russland populärer - auch wenn ständig neue Umfragen das Gegenteil beweisen sollen. Im Durchschnitt fiebern demnach rund 75 Prozent der Russen dem Turnier entgegen. "Es ist ein neues Russland. Das ganze Land entwickelt sich", sagte Leonow.

In anderen WM-Städten ist das auch bitter nötig. In Nischni Nowgorod, Jekaterinburg oder Rostow am Don braucht es viel Vorstellungskraft auf den Baustellen. Hier wurde die Sitzplatz-Kapazität teilweise im Einklang mit der Fifa von 45.000 Plätzen auf 35.000 gekürzt.

Dass es um die Kosten geht, ist ein offenes Geheimnis. In Jekaterinburg, am Rande des Uralgebirges, wird die Reduzierung offiziell begrüßt - weil angeblich nur so die historischen Mauern des alten Stadions erhalten bleiben können. Dennoch: Die WM in Russland wird überschaubar. Richtig groß sind nur das Luschniki Stadion und die noch nicht fertige Arena in St. Petersburg (69.500 Plätze). Falls alles fertig wird.

(sid)
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