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Quiz
Sind Sie ein WM-Ball-Experte?

Jabulani - der WM-Ball 2010 im Porträt
Jabulani - der WM-Ball 2010 im Porträt FOTO: AFP
Düsseldorf. Die Geschichte des Fußballs ist auch eine Geschichte der Fußbälle. Ein Bildband beschreibt die Entwicklung des runden Leders. Hier können Sie Ihr Bälle-Wissen testen. Von Tobias Jochheim
 

Seit Menschengedenken gehört es zu jedem großen Turnier, das allgemeine Gejammer von Spielern und Trainern darüber, dass sich der neue Ball völlig anders verhalte, unvorhersehbar geradezu. Der seinem Gegenstand entsprechend runde Bildband "Fußbälle" zeichnet einerseits nach, wie sehr sich das Spielgerät zumindest zwischen etwa 1870 und etwa 2004 tatsächlich weiterentwickelt hat (im vergangenen Jahrzehnt änderten sich vor allem die Aufdrucke). Andererseits versammelt er diverse nette Anekdoten. Zum Auftakt der EM 2004 beispielsweise hatten offenbar ausgerechnet Otto Rehhagels Griechen am Lautesten geklagt, die später sensationell den Titel holen sollten – wenn auch mit humorlosestem Torverhinderungsfußball, bei dem ihnen wiederum vermehrte Fehlschüsse der Gegner zugutegekommen sein mögen.

Über diese Kür wird die Pflicht nicht vernachlässigt: Hätten Sie gewusst, dass der offizielle Ball zur WM 1990 in Italien noch von Hand vernäht wurde, mit 1800 Knoten aus einem einzigen, 18 Meter langen Kunststofffaden?

Einige, nicht zu viele, Daten und Fakten dieser Art werden dem Leser gereicht wie Nüsschen, im Wechsel mit Süßigkeiten wie dem Fluch des brasilianischen Keepers Julio Césars zur WM 2010, statt des "Jabulani" hätte man doch besser "einfach irgendwo im Supermarkt einen ganz gewöhnlichen, billigen Ball" kaufen sollen. Der Faktencheck bestätigt: Der Ball sei mit nur 0,1 Prozent Abweichung von der perfekten Kugelform tatsächlich "zu rund" geraten und deshalb für alle Beteiligten schwer berechenbar. Aber irgendwie hat es dann ja doch geklappt mit dem Turnier.

Das Unmögliche, den Fotos vor allem der fast prähistorischen Echtlederbälle den Rang abzulaufen, gelingt diesen Texten nicht, als Ergänzung funktionieren sie aber wunderbar.

Kleider machen Leute, Bälle Fußballer

Da erfährt man von einem Herrn namens Gabriel Hanot, der nicht nur die heutige Champions League erfand, sondern sich in den Vierzigerjahren in seiner Doppelfunktion als Sportjournalist und Funktionär selbst zum Rücktritt aufforderte (und diese Aufforderung auch annahm). Man liest ungläubig von Tomasz Frankowski, dessen Karriere schon beendet schien, als ihm, beinahe 40-jährig, in der polnischen Ekstraklasa-Liga ein bestimmtes Ball-Modell zum Torschützen-Titel, Pokal- sowie Supercup-Sieg verhalf. Kleider machen Leute, denkt man, und Bälle Fußballer.

Und verneigt sich vor dem Recken Samuel Chedgzoy, der 1924 eine Ecke "direkt" verwandelte, indem er mit dem Ball am Fuß die halbe Abwehr natzte. Als Erster und wohl auch Letzter, weil daraufhin die Regel entsprechend angepasst wurde.

Fast ein eigenes Buch hätten die "Diebe" der WM-Finalbälle verdient, darunter Spieler, Masseure und Schiedsrichter. Sepp Herberger ließ das Exemplar von 1954 von seinen Spielern signieren, wobei er Schönschrift verlangte. Welches Modell hingegen 1938 zum Einsatz kam, weiß bis heute kein Mensch (eines mit zwölf, 13 oder 18 Paneelen?).  

Über die vermeidbaren Flüchtigkeitsfehler tröstet der angenehme Ton des Buchs hinweg, dessen Autor Tobias Friedrich sich etwa angemessen über den Marketing-Hype der vergangenen Jahre lustig macht, der ja Blüten trieb wie einen eigenen Twitter-Account für den "Brazuca" zur WM 2014 in Brasilien.

Die vielleicht beste Geschichte, jene vom Einfluss der Ball-Wahl auf den Verlauf der Halbzeiten des WM-Finalspiels 1930 in Uruguay zwischen dem Gastgeber und Argentinien, erzählen wir an dieser Stelle nicht.

Verstehen Sie es als 119. Argument für den Kauf dieses Buchs, neben den 118 bei Sammlern in aller Welt geschossenen Fotos, auf denen man die Bälle förmlich riechen kann und dem Drang kaum zu widerstehen vermag, sie berühren zu wollen, all die Pillen aus hart gewordenem, rissigen, vernarbten Leder und modernem Kunststoff, geschnürt, genäht und geklebt, in allen denkbaren Brauntönen, schwarz-weiß oder neongrün.

Péter Pesti und Tobias Friedrich: "Fußbälle" 128 Seiten, erhältlich als Hardcover in runder Form mit Fotos von 118 Bällen in Originalgröße Edel Books, Format: 29,9 x 29,9 cm, € 14,95 (D), ISBN 978-3-84190-459-1

Quelle: RP
 
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