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WM-Skandal 2006
Ermittler werfen Beckenbauer offenbar Falschaussage vor

WM-Affäre: die Protagonisten
WM-Affäre: die Protagonisten FOTO: dpa, pe_ae hpl gfh nic
Köln. Franz Beckenbauer gerät im Skandal um die Fußball-WM 2006 stärker unter Druck. Laut des Nachrichtenmagazins "Spiegel" (Samstagsausgabe) halten die Ermittler der Frankfurter Staatsanwaltschaft die Zeugenaussagen des früheren Organisationschefs des "Sommermärchens" für falsch.

Beckenbauers Einlassung, er habe von der dubiosen Zahlung von 6,7 Millionen Euro aus dem Jahr 2002 nichts gewusst, sei "widerlegt", schreibt das Magazin.

Diese Erkenntnis gehe aus einem Vermerk der Ermittler hervor, die Beckenbauers österreichische Bankunterlagen ausgewertet haben. Demnach habe der "Kaiser" einen Überweisungsauftrag zu der Zahlung, die am Ende bei Skandalfunktionär Mohamed bin Hammam in Katar gelandet war, per Fax bekommen, unterschrieben und an eine Bank zur Ausführung weitergeleitet. Beckenbauer habe "mitgewirkt" und "Kenntnisse zu den Auslandsüberweisungen" gehabt. Zu welchem Zweck das Geld geflossen war, ist bis heute unklar und die zentrale Frage in der WM-Affäre.

In seiner Vernehmung soll der Weltmeister-Teamchef von 1990 ausgesagt haben, nichts von den Überweisungen zu wissen und auch gar nicht faxen zu können. Abgewickelt worden seien die Überweisungen alleine von seinem Manager Robert Schwan, der im Juli 2002 verstarb.

Der Gesamtbetrag (10 Millionen Schweizer Franken) war über ein kompliziertes Konstrukt und am Ende als Darlehen des Ex-adidas-Chefs Robert Louis-Dreyfus nach Katar geflossen. Als 2005 die Rückzahlung fällig wurde, überwies das deutsche WM-Organisationskomitee das Geld verschleiert über den Weltverband FIFA an Dreyfus. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) stellte den Betrag als Betriebsausgabe in seine Bilanz ein und musste deswegen zuletzt 19,2 Millionen Euro Steuern nachzahlen.

(sid)
 
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