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DFB-Präsident
Niersbach ins Fifa-Exko gewählt

Porträt: Niersbach: Vom Journalisten zum Macher im Fußball
Porträt: Niersbach: Vom Journalisten zum Macher im Fußball FOTO: RPO
Vom Journalisten in die Regierung des Weltfußballs: Wolfgang Niersbach hat einen bemerkenswerten Aufstieg hinter sich - der (vorerst) zu Ende sein soll.

Auf ein Erinnerungsstück in seinem Büro im ersten Stock der gläsernen DFB-Zentrale ist Wolfgang Niersbach besonders stolz. Weltmeister-Kapitän Philipp Lahm schickte dem Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) nach dem Triumph von Rio ein Foto von sich im Maracana-Stadion, dazu schrieb er ein paar persönliche Zeilen an seinen Chef. "Das ist schon etwas Besonderes", sagt Niersbach. Er meint das Andenken an den Zusammenhalt in Brasilien - und den Titelgewinn selbst.

Der goldene Pokal - im Erdgeschoss steht eine Kopie, im Niersbach-Büro hängt das Mannschaftsfoto des Finales - war für den 64-Jährigen der Höhepunkt einer Karriere, die so nie hätte geplant werden können. "Es ging Schritt für Schritt - auch wenn ich nie damit gerechnet habe, eines Tages als Präsident hier zu sitzen", sagte Niersbach, der am Dienstag ohne Gegenkandidat auch noch ins Exekutivkomitee des Weltverbands Fifa gewählt wurde, dem SID. Viel weiter nach oben geht es im Fußball nicht - auch, wenn es das für den DFB-Boss nicht einfacher macht.

"Vom Grundsatz ist das für eine Person kaum zu machen", sagt Niersbach, der seit 2013 bereits im höchsten Gremium der Europäischen Fußball-Union (Uefa) sitzt: "30 Tage im Jahr muss ich zusätzlich für die Termine der Fifa einplanen. Aber es gab in unserem Präsidium den klaren Wunsch, dass der DFB als mitgliederstärkster Verband durch mich in der Fifa repräsentiert wird." Im letzten Jahr war Niersbach rund 150 Tage nicht in Frankfurt, am 29. Mai tritt er seinen Dienst in Zürich an.

"Ich bin 64 - mein Ding ist der deutsche Fußball, und wenn ich meine internationalen Kontakte einbringen kann, mache ich das gerne", sagt er. Ligapräsident Reinhard Rauball kennt "keinen, der so gut vernetzt ist". Der Fifa kann das nur gut tun.

Der DFB war im Fifa-Hauptquartier auf dem Zürichberg in den vergangenen Jahren faktisch gar nicht vertreten. Mit dem früheren DFB-Präsidenten Theo Zwanziger, der von Niersbach abgelöst wird, verbindet den Verband und Niersbach selbst gegenseitige Abneigung. Der teils öffentliche Dauerstreit sorgte auch international für Kopfschütteln. "Peinlich" sei Zwanzigers Verhalten gewesen, urteilte Uefa-Generalsekretär Gianni Infantino. Für Niersbach ist inzwischen jedes Wort in der "Zwanziger-Affäre" zu viel.

Die richtigen zu finden, war früher sein Job. "Mein riesiger Vorteil war, dass es alles langsam ging. Ohne meine 15 Jahre beim SID, als Journalist, hätte ich nie die Rolle des Pressechefs (beim DFB, d. Red.) ausfüllen können", sagt Niersbach.

Ohne Termin kam er vor 40 Jahren zum Vorstellungsgespräch, um Journalist zu werden. Es folgten Stationen unter anderem als Mediendirektor des DFB und Generalsekretär des Verbandes. Jetzt gibt es auf der Karriereleiter eigentlich nur noch die Stufe des Uefa- oder Fifa-Präsidenten. Für Niersbach spielt das keine Rolle. Noch nicht?

(sid)
 
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