Uefa-Boss Johansson malt ein düsteres Szenario: Zidane: "Mega-Ablösesummen sind lächerlich"
zuletzt aktualisiert: 22.08.2000 - 12:16Neuss (sid) Uefa-Boss Lennart Johansson malt ein düsteres Szenario. "Die Inflation bei Gehältern und Ablösesummen kann in einer Katastrophe enden, schließlich stehen schon viele europäische Spitzenklubs in den roten Zahlen", erklärte der schwedische Präsident der Europäischen Fußball-Union (Uefa).
Die Uefa denkt deshalb über ein europäisches Lizenzierungsverfahren nach, um Finanzhasardeuren an den Schaltstellen der Vereine das Handwerk zu legen. "Wir denken über ein System nach, dass nur Mannschaften zulässt, die eine positive oder zumindest ausgeglichene Bilanz vorlegen können", sagte der Uefa-Chef. Doch wie weit reichen die Sanktionen des Dach-Verbandes? Die Uefa selbst steht unter Druck. Klubs mit unsauberem wirtschaftlichen Gebaren, die keine Lizenz erhalten, könnten sich in einer "wilden" Konkurrenzliga organisieren.
Trotzdem dürfte Johansson mit seiner Einschätzung einem Uli Hoeneß aus der Seele gesprochen haben. "Wenn der FC Bayern so viel Schulden hätte wie Lazio Rom oder Real Madrid, könnte ich keine Minute mehr ruhig schlafen. Das ist ein Sammelsurium zusammengekaufter Spieler. Wenn das die Zukunft sein soll, ist das nicht mehr mein Geschäft", hatte der Manager des deutschen Rekordmeisters erklärt. Während der Doublegewinner aus Deutschland nach dem Grundsätz verfährt, nicht mehr Geld auszugeben als eingenommen wird, prassen andere Klubs, obwohl sie teilweise schon riesige Schuldenberge aufgehäuft haben.
Ein Paradebeispiel ist Champions-League-Sieger Real Madrid. Mit umgerechnet 430 Millionen Mark stehen die "Königlichen" in der Kreide, trotzdem leisteten sich die Madrilenen im Sommer in Luis Figo den teuersten Spieler der Welt. Der Portugiese wechselte für die Welt-Rekordablösesumme von 116 Millionen Mark vom FC Barcelona zu Real. Hoeneß sagt klipp und klar: "Schon Ablösen von 50 oder 60 Millionen Mark sind doch geisteskrank!"
Der selben Meinung ist auch Welt- und Europameister Zinedine Zidane: "Ehrlich gesagt: Das ist einfach lächerlich. Es gibt offenbar keine Grenzen mehr." Sogar Figo selbst gestand ein, dass er selbst für sich niemals soviel Geld auf den Tisch gelegt hätte, auch wenn er die Summe besessen hätte.
Aber auch die Gehälter der Stars sind seit dem Bosman-Urteil vom 15. Dezember 1995 förmlich explodiert. Auch hier sitzen die Vereine oft am kürzeren Hebel. So musste der FC Barcelona im Poker um den brasilianischen Ausnahmkönner Rivaldo klein beigeben, der nach dem Weggang von Figo eine deutliche Gehaltsaufstockung gefordert hatte.
11,6 Millionen Mark netto fließen künftig in die Taschen des Welt-Fußballer des Jahres. Noch etwas mehr - rund zwölf Millionen netto per annum - streichen Raul (Real Madrid), Gabriel Batistuta (AS Rom) und Alessandro Del Piero (Juventus Turin) ein. Im Vergleich dazu ist Bundesliga-Spitzenverdiener Stefan Effenberg (Bayern München/8,5 Millionen Mark brutto) nur ein "Waisenknabe".
Obwohl die Fernseheinnahmen in Spanien und Italien deutlich höher sind als in Deutschland, ist der Fußball auch in diesen Fußball-Hochburgen längst nicht mehr ohne Geld-Spritzen von außen finanzierbar. Vor allem in Italien sind es millionenschwere Präsidenten, die aus der Privatschatulle die Mega-Deals ermöglichen.
So ist Lazio Roms Präsident Sergio Cragnotti Besitzer eines großen Nahrungsmittelkonzerns und investierte 200 Millionen Mark in neue Spieler für die erst im Oktober beginnende Saison der Serie A, darunter allein 110 Millionen für den Argentinier Hernan Crespo. "Fußball ist in unserer heutigen Freizeitgesellschaft der Global Player Nummer eins in der Welt", lautet das Credo des 58 Jahre alte Multifunktionär. Das Double in der Saison 1999/2000 hatte Lazio mit Investitionen von insgesamt 369 Millionen Mark förmlich erkauft.
Lazio und AS Rom haben längst den Gang an die Börse gewagt. In Deutschland ist man in dieser Beziehung noch sehr zurückhaltend. Borussia Dortmund plant einen Börsengang, hat diesen aber nach der verkorksten vergangenen Saison erstmal zurückgestellt.
Bayern München will (noch) darauf verzichten. Ein Ende der Fahnenstange dürfte noch nicht erreicht sein. Die Gewinner stehen allerdings schon jetzt fest: die Spieler. Sie haben immer einen Weg gefunden, dass das Geld am Ende in ihren Taschen landet.
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