Nach Krawallspielen: Darf Rostock in die Bundesliga?
VON ROLAND LEROI - zuletzt aktualisiert: 02.05.2007 - 12:50Rostock (RPO). Hansa Rostock bekommt seine gewaltbereiten Anhänger nicht in den Griff. Nach dem Krawallspiel in Essen ermittelt der Deutsche Fußball-Bund (DFB) gegen den Zweitligisten. Auf Rostock wartet eine harte Strafe, die den Norddeutschen sogar den Aufstieg in die Bundesliga kosten könnte.
"Dass es sich hierbei um kein Bagatelldelikt handelt, hat jeder gesehen. Wir werden nun alle Erkenntnisse sorgfältig auswerten und danach das Verfahren einleiten", kündigte der DFB-Kontrollausschussvorsitzende Horst Hilpert an. Eine saftige Gelstrafe wäre dabei wohl noch das geringste Übel für Hansa. Es drohen sogar Geisterspiele, Punktabzüge und im härtesten Fall die Verbannung aus dem Profifußball.
In Rostock sind sich viele zumindest sicher, dass sie keine Lobby beim DFB haben. Der "Fall Asamoah", als der deutsche Nationalspieler Gerald Asamoah im September 2006 beim Pokalspiel Hansa II - Schalke 04 vom Publikum rassistisch beleidigt wurde, trug einen nachhaltigen Imageschaden mit sich. "Schon deshalb würde der DFB den Verein im Zweifelsfall gerne über die Klinge springen lassen", sagte ein Hansa-Insider nach den Krawallen in Essen.
Wegen eines durch Leuchtfeuer ausgelösten Brandes im Gäste-Fanblock unterbrach Schiedsrichter Jochen Drees am Montagabend in der 50. Minute die Partie RW Essen - Hansa Rostock (0:0) für eine Viertelstunde. Während Besucher, darunter auch Kinder, an die Zäune gedrückt wurden und eine Panik drohte, flogen von der Tribüne weitere Feuerwerkskörper auf den Rasen. Erst als eine Hundertschaft der Polizei den mit rund 1800 Fans gefüllten Block stürmte, die Brandkörper löschte und für Ruhe sorgte, wurde das Spiel fortgesetzt.
Wie die Polizei Essen erklärte, wurden 75 Personen vorübergehend in Gewahrsam genommen, elf müssen mit einem Strafverfahren rechnen. 14 Mal musste das Rote Kreuz Hilfe leisten. "Das war oberpeinlich und fällt auf uns zurück. Wer so etwas macht, muss für immer vom Fußball ausgeschlossen erden", meinte Hansa-Trainer Frank Pagelsdorf. der ergänzte: "Das waren Leute, die dem Club bewusst schaden wollten. Ich hoffe auf eine milde Strafe für den Verein."
Zudem gelten die Rostocker Anhänger als Wiederholungstäter. In dieser Saison kam es bereits bei Auswärtsspielen in Burghausen, Karlsruhe und Babelsberg (Pokal) zu Vorkommnissen, Hansa distanzierte sich im Februar von der Fan-Gruppe "Suptras" und entzog ihr Privilegien wie die Nutzung von Räumlichkeiten. "Ich hatte den Eindruck, dass die Krawalle in Essen geplant waren", sagte Hansa-Torwarttrainer Perry Bräutigam, der einen Racheakt vermutet.
Um die Randale in den Griff zu bekommen, wurde Axel Klingbeil vor einem knappen Jahr als Fanbeauftragter eingestellt, doch noch scheint der Verein überfordert. Auf die Fans konnte noch nicht ausreichend eingewirkt werden, zumindest wird nun eine Sonderkommission eingerichtet.
"Wir bitten alle Fangruppierungen und Anhänger des Klubs, uns bei den Aufklärungsmaßnahmen zu unterstützen", sagte Rainer Friedrich, der als Geschäftsführer der Ostseestadion GmbH der Kommission vorsitzt.
Bereits am Mittwoch seien laut Friedrich zahlreiche Hinweise auf mutmaßliche Täter beim Verein eingegangen. "Diese werden wir jetzt aufarbeiten und anschließend unsere Konsequenzen ziehen", erklärte Friedrich. Für jeden identifizierten Randalierer werde die Kommission sowohl beim DFB als auch bei Hansa Rostock ein Stadionverbot beantragen.
Möglicherweise kommt das aber zu spät. Etliche Menschen aus dem Westen der Republik haben sein geraumer Zeit "Bammel", wenn sie ein Fußballspiel im Osten und gerade in Rostock besuchen. Es kommt ein ungutes Gefühl auf, wenn Autos mit West-Nummernschildern schon auf der Anfahrt und dem Parkplatz besonders kritisch von Jugendlichen unter die Lupe genommen werden.
Der DFB wird diese Verhältnisse bei seinem Strafmaß wohl berücksichtigen. Es droht ein Spiel unter Ausschuss der Öffentlichkeit, beispielsweise am 34. Spieltag gegen Unterhaching (20. Mai). Oder kommmt es sogar zu einem Punktabzug, der dafür sorgen würde, dass Hansa nicht in die Bundesliga darf? Das würde wohl eine Klageflut auslösen und die Saison weit über den letzten Spieltag hinaus ausdehnen.
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