"Nie mehr zweite Liga": Das Lieblingslied
VON BERND BEMMANN - zuletzt aktualisiert: 17.05.2005 - 09:55Duisburg (RP). Darauf haben sie fünf Jahre gewartet. Eine verflixt lange Zeit. Und als sich Vereins-Chef, die Trainer, Betreuer und Kicker auf der Bühne vor der Osttribüne in die längst laufende Aufstiegsparty mischten, brachen bei den Fans alle Dämme. Nicht nur bei ihnen. Das Indianergeheul von Josef Ivanovic war bis zu den Städtischen Kliniken zu hören.
Andreas Voss, eigentlich einer der Stillen im Team, setzte wie schon in der Nacht von Montag auf Dienstag alles ein, was die Stimme zu bieten hatte. Norbert Meier, losgelöst vom Stress der letzten Wochen und Monate, schmetterte das Duisburger Lieblingslied dieser tollen Tage: "Nie mehr zweite Liga." Und Walter Hellmich stachelte die entrückte Menge an: "So ein Tag..." Mensch Meier, solch eine Fete haben die MSV-Anhänger lange nicht erlebt. Auch nicht ’96, als es zuletzt mit dem Aufstieg geklappt hatte.
In der Business-Lounge, bis auf den letzten Platz besetzt, gab’s auch kein Halten mehr. Auf den Monitoren flimmerte die draußen an Fahrt gewinnende Party herein in die gute Stube und wirkte heftig stimulierend. Das neue MSV-Liedchen füllte den Riesenraum. "Wir sind Zebras weiß-blau..." Die (wenigen) Nüchternen steckten schon mal die Köpfe zusammen und diskutierten das Morgen. Ob die bis jetzt verpflichteten neuen Zebras das Niveau der Mannschaft entscheidend nach vorne bringen können, damit die Erstklassigkeit als Neuling gefestigt werden kann demnächst? Skepsis eher, kaum Zustimmung.
Aber mit Pessimismus kann man nichts gewinnen. Mal sehen, wer noch kommt an neuer Besetzung. Dass Chef-Scout Dieter Mertens anmerkte, jede Position im Team müsse doppelt besetzt sein, macht natürlich Sinn. Nach Radzundara Tjikuzu, Markus Hausweiler, Tobias Willi und Kai Michalke waren es jetzt noch der vielseitig verwendbare Mike Rietpietsch (RWO) und Innenverteidiger Uwe Möhrle (Hansa Rostock). Mit Dynamo Dresden wird in dieser Woche über Klemen Lavric gesprochen, den die drei Sonntag-Treffer in Trier allerdings um einiges teurer machten. Die Dresdner Rede ist von einer Million Euro, weil Lavric noch Vertrag hat.
Dass der Ur-Bayer Stefan Reisinger bei München 60 wohl in der zweiten Liga bleibt, hat mit seinem Ursprung zu tun. Der Mann ist mit Leib und Seele ein Bajuware. Gesucht wird noch ein starker Innenverteidiger mit internationaler Ausrichtung. Walter Hellmich: "Wir lassen uns jetzt aber Zeit, brauchen nicht mehr so aufs Tempo drücken." Soll heißen: Die Auswahl soll sorgfältiger Art sein. Was zählte am Pfingstsonntag, war der Jubel über das von der Mannschaft Erreichte. Was weiter zählt, ist die Aussicht auf erstklassigen Fußball, dargeboten demnächst von Bayern München oder Werder Bremen, Schalke und Dortmund. Darauf freuen sich die Fans schon.
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