2. Bundesliga 17/18 2. Bundesliga
| 16.48 Uhr

MSV Duisburg
"Das Spiel hätte auch 7:6 für uns ausgehen können"

Duisburg - Nürnberg: die Bilder des Spiels
Duisburg - Nürnberg: die Bilder des Spiels FOTO: dpa, rwe
Duisburg. Der MSV Duisburg konnte den erhofften Euphorie-Schub nach dem deutlich 4:0-Sieg bei Arminia Bielefeld nicht mitnehmen. Am 6. Spieltag verloren die Zebras vor heimischer Kulisse gegen den 1. FC Nürnberg mit 1:6 (0:2). Die Leistung stimmte, doch faktisch ist der MSV nur in der Inkonstanz konstant. Von Pascal Biedenweg

Nach 25 Minuten winkte Michael Köllner wütend ab. Der Trainer des 1. FC Nürnberg war mit der Leistung seiner Mannschaft nicht zufrieden. Eine nicht alltägliche Szene, denn seine Spieler hatten kurz vorher das 2:0 erzielt. Köllner drehte sich in Richtung eigener Bank und ließ seine Reservespieler zum Aufwärmen antraben. Eine Maßnahme die beweist: Trotz des hohen Sieges in Duisburg war nicht alles Gold was glänzte. Bis auf das Ergebnis konnte der 47-Jährige nicht viel Positives aus der gezeigten Leistung abgewinnen. "Auch wenn es sich blöd anhört, aber es war ein sehr enges Spiel", musste er nach der Partie zugeben.

Was paradox anmutet, kann so aber durchaus unterschrieben werden. Selten war eine 1:6-Klatsche so unverdient wie im Spiel des MSV gegen den FCN. Selbst über eine Niederlage hätte man sich bei den Franken nicht beschweren dürfen. "Das Spiel hätte auch 7:6 für uns ausgehen können. Die Niederlage ist einfach viel zu hoch ausgefallen", befand MSV-Sportdirektor Ivica Grlic. In der Tat bestimmten die Zebras über weite Strecken die Partie. Doch der Club bewies eine ganz andere Stärke – eine viel wichtigere: Die Nürnberger schlugen eiskalt zu. Da wäre vor allem die erste Hälfte zu nennen. Duisburg rannte an, vergab eine Möglichkeit nach der anderen. Nürnberg kam in der Offensive zweimal zur Geltung – und erzielte prompt zwei Treffer in Person von Mikael Ishak (10./25.). Es war ein Tag, den sich der FCN nicht besser hätte malen können, diese Effizienz war einzigartig. "Die Chancenverwertung war ausschlaggebend", analysierte MSV-Trainer Ilia Gruev anschließend zutreffend. "Nürnberg macht aus fünf Chancen sechs Tore. Das ist einfach brutal."

Auch im zweiten Durchgang versuchten die Zebras alles, wurden aber bereits nach wenigen Minuten auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Eduard Löwen schlenzte das Leder nach einem Freistoß unhaltbar in den Winkel – und mitten ins Herz des Großteils der insgesamt 17.788 Zuschauer. Doch selbst nach dieser kalten Dusche bewies Duisburg Kämpferherz, vergab auch anschließend eine Vielzahl von Chancen. Dieser Tag schien wie verhext. Die Clubberer beschränkten sich aufs Kontern und hatten nichts von ihrer Effizienz verloren. So stellten Ishak und Löwen alsbald auf 0:5 (74./76.). Bezeichnenderweise musste ein Handelfmeter für den Ehrentreffer herhalten – immerhin konnte Moritz Stoppelkamp diesen souverän verwandeln (82.). "Hätten wir den Elfmeter nicht bekommen, hätten wir wohl noch drei Stunden ohne Torerfolg weiterspielen können", sagte Grlic mit einer Prise Galgenhumor. Aber wie es ja an solchen Tagen häufig ist – es lief danach trotzdem weiter schief. Und so war es kaum verwunderlich, dass Cedric Teuchert in der Nachspielzeit den Spielstand auf 1:6 erhöhte. "Der MSV hat eine unheimliche Wucht in der Offensive und tolle Fans. Sie müssen den Kopf nicht in den Sand stecken", lobte Köllner trotz der deutlichen Packung den Gegner.

Für dieses Lob können sich die Duisburger freilich nichts kaufen. Am Ende zählen nur die nackten Fakten – und die sprechen eine deutliche Sprache. Die Zebras warten weiterhin auf den ersten Sieg in der heimischen Arena. Der klaren Sieg auf der Bielefelder Alm konnte gegen die Clubberer nicht vergoldet werden. Vor allem die Effizienz vor dem gegnerischen Tor ließ zu wünschen übrig – es wurden Großchancen vergeben, die normalerweise für drei Spiele reichen müssten. Doch für den MSV reichte es nicht einmal für dieses eine Spiel. Für diese wichtige Partie, in der es darum ging, sich bereits früh in der Saison ein gesundes Polster auf die Abstiegszone anzufuttern. Diese Chance vergaben die Zebras – genauso kläglich, wie die vielen Torchancen während der Begegnung. "Bei uns ging der Ball an den Pfosten, bei Nürnberg in den Winkel", brachte es Stoppelkamp auf den Punkt. 

Doch zwei Dinge wollten die Verantwortlichen nach der Niederlage dann doch noch herausstellen. Zum einen die großartige Unterstützung der Fans. "So etwas habe ich noch nie erlebt", schwärmte Gruev und ergänzte: "Wir wollen so schnell es geht den ersten Heimsieg in dieser Saison holen. Nicht nur für uns, sondern auch für unsere Fans." Zum anderen wäre da noch der Fakt, dass man über diese deftige Pleite nicht lange grübeln muss. "Jetzt heißt es Mund abputzen und weitermachen", gab Grlic die Richtung vor. Denn am Dienstag geht es bereits weiter. Im Zuge der Englischen Woche gastiert der MSV Duisburg beim Bundesliga-Absteiger FC Ingolstadt (19. September), bevor in Holstein Kiel ein Mit-Aufsteiger am kommenden Wochenende in Wedau gastiert (22. September).

 
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