Zweitliga-Trainer Funkel tobt: "Der frühe Saisonstart ist scheiße!"
zuletzt aktualisiert: 15.06.2011 - 18:35Frankfurt/Main (RPO). Der frühe Saisonstart der 2. Fußball-Bundesliga stößt einigen Klubs noch immer sauer auf. Bereits am 15. Juli beginnt im Unterhaus die neue Spielzeit. Kaderplanung und Vorbereitung gestalten sich für die Vereine deshalb äußerst schwierig. Zudem drohen finanzielle Einbußen.
Unvollständige Kader, kaum Regeneration und massive wirtschaftliche Einbußen: Der früheste Saisonstart in der Geschichte der 2. Fußball-Bundesliga bringt vor allem die Trainer in Rage. "Der frühe Start ist scheiße! Ich habe mit einigen Kollegen gesprochen. Niemand kann das verstehen. Normalerweise braucht ein Spieler fünf Wochen Urlaub und sechs Wochen Vorbereitung. Wir haben jetzt drei Wochen Urlaub und vier Wochen Vorbereitung", sagte Bochums Trainer Friedhelm Funkel der "Sport Bild".
Rebelliert hat Fast-Aufsteiger Bochum, der erst in der Relegation gegen Borussia Mönchengladbach gescheitert war, bei der Abstimmung über den Start der am 15. Juli beginnenden Zweitliga-Saison aber kurioserweise nicht.
"Als über die Neuerung abgestimmt wurde, war der FSV Frankfurt der einzige Klub, der dagegen votiert hat. Da wundere ich mich schon", sagte FSV-Coach Hans-Jürgen Boysen.
Einbußen
Boysen unterstrich, dass den Zweitliga-Klubs wegen des frühen Saisonstarts Zuschauereinnahmen in beachtlicher Höhe fehlen werden. Denn je nach Bundesland liegen bis zu sechs Spieltage in den Sommerferien. "Die Liga startet mitten in den großen Ferien. Man muss kein Prophet sein, um zu wissen, dass das wirtschaftliche Einbußen für die Vereine zur Folge hat", sagte Boysen.
Ein weiteres Problem sind die Neuzugänge. Das spürt derzeit vor allem der Bundesliga-Absteiger Eintracht Frankfurt, dessen Vorbereitung durch die Frauen-WM (26. Juni bis 17. Juli) ohnehin gestört ist. Da die Spieler bei anderen Klubs noch bis 30. Juni unter Vertrag stehen, können einige Transfers frühestens zwei Wochen vor Saisonbeginn über die Bühne gehen. Außer, die Spieler erhalten vom abgebenden Verein eine vorzeitige Freigabe.
"Die große Problematik sind jetzt die Verträge. Wir sehen das rein sportlich. Demnach zahlen wir alle Spieler bis zum 30. Juni. Wer uns verlässt, bekommt trotzdem eine vorzeitige Freigabe", sagte Frankfurts Vorstandsboss Heribert Bruchhagen.
Eintracht-Trainer Armin Veh meinte: "Für mich ist das Unsinn. Ich denke nicht nur an die kurze Regenerationszeit. Der Termin macht die Kaderplanung nicht leichter. Wenn man einen Spieler aus der ersten Liga verpflichten will, haben die noch Urlaub und stehen länger nicht zur Verfügung."
Allerdings gibt es auch Befürworter der neuen Regelung. "Die 2. Liga hat dadurch die Möglichkeit, sich selbstständig zu profilieren. Das ist eine gute Sache", sagte Präsident Helmut Hack vom Zweitligisten SpVgg Greuther Fürth. Da die Bundesliga erst drei Wochen später startet, rückt die 2. Liga etwas mehr in den Vordergrund.
Funkel: "Das ist Hohn"
Weitere Vorteile für die Zweitligisten sieht Manager Andreas Rettig vom Bundesliga-Aufsteiger FC Augsburg. Nach Ansicht Rettigs haben die Teams durch den früheren Saisonstart größere Chancen, die erste Runde im DFB-Pokal zu überstehen und zusätzliche Einnahmen von rund 200.000 Euro für Neuzugänge zu generieren. "Der DFB-Pokal wird aufgewertet", sagte Rettig: "Da geht es um 200.000 Euro plus Werbe- und Zuschauereinnahmen."
Dass die 2. Liga durch den frühen Saisonstart mehr Aufmerksamkeit erhalten soll, bezeichnet zumindest VfL-Trainer Funkel als lächerlich. "Dass wir eine höhere Aufmerksamkeit bekommen, ist Hohn. An dem Wochenende, an dem wir starten, steht doch das Endspiel der Frauen-WM im Fokus", sagte Funkel.
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