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Beleidigende Geste: DFB ermittelt gegen Provokateur Naki

zuletzt aktualisiert: 03.11.2009 - 14:00

Rostock (RPO). Als hätte das brisante Nordderby zwischen Hansa Rostock und dem FC St. Pauli nicht schon genügend Zündstoff enthalten, betätigte sich Deniz Naki auch noch als Provokateur. Nach seinem Treffer (84.) zum 2:0 (0:0)-Endstand für die Gäste lief der zuvor eingewechselte Stürmer sprichwörtlich Amok: Erst deutete Naki in Richtung der Rostocker Fans mit seiner rechten Hand das Abschneiden des Halses an, wenig später rammte er auch noch zum Zeichen des Triumphes provozierend eine St.-Pauli-Flagge in den Rasen.

Völlig grundlos heizte der U21-Nationalspieler damit die ohnehin angespannte Atmosphäre zwischen den verfeindeten Fanlagern auf und muss nun mit den Konsequenzen leben. Der Gegner stellte Naki an den Pranger, der eigene Klub verhängte eine Geldstrafe, und der Deutsche Fußball-Bund (DFB) leitete ein Ermittlungsverfahren wegen des dringenden Verdachts eines krass sportwidrigen Verhaltens ein.

"Wenn ich so einen Schnösel sehe, der kaum vier Spiele gemacht hat und dann so ein Verhalten an den Tag legt, dann...", sagte Hansa-Trainer Andreas Zachhuber, der den Satz lieber nicht beenden wollte. Stattdessen forderte er Strafen für den Provokateur: "Ich bin mir sicher, dass Stani die richtigen Maßnahmen ergreift."

Damit war Gäste-Coach Holger Stanislawski gemeint, und der war genauso geladen wie sein Rostocker Kollege: "So etwas geht gar nicht. Das wird intern Konsequenzen haben. Er ist ein junger Spieler, aber so etwas muss er schnell lernen. Ansonsten bekommt er mit mir Probleme."

Die drohen auch seitens des DFB-Kontrollausschusses, der Naki zu einer zeitnahen Stellungnahme aufforderte. Der Stürmer zeigte am Dienstagabend Reue: "Was ich da getan habe, war dumm. Es war unsportlich, respektlos und unangemessen. Ich war mir der Tragweite der Geste überhaupt nicht bewusst. Ich möchte mich in aller Deutlichkeit bei den Fans und dem Verein FC Hansa Rostock entschuldigen."

Kritik am Verhalten Nakis gab es auch von seinen Kollegen. "Man muss sich auch einmal nach innen freuen und nicht noch provozieren", meinte Torwart Mathias Hain, der auch einige Chaoten unter den eigenen Anhängern kritisierte: "Eine Frechheit, wie die sich verhalten haben. Da redet man vorher so viel und dann das."

Nach dem sehenswerten Freistoßtor zum 1:0 durch Matthias Lehmann (77.) wurden im Gäste-Block Feuerwerkskörper gezündet, woraufhin Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer (Herne) das Spiel für einige Minuten unterbrach. "Wir entschuldigen uns hiermit beim FC Hansa Rostock und seinen Fans für die Unannehmlichkeiten, insbesondere auch bei der durch ein Knalltrauma verletzten Ordnerin, der wir schnelle Genesung wünschen", sagte Paulis Präsident Crny Littmann.

Doch auch viele Rostocker Anhänger vergaßen am Montagabend ihre gute Kinderstube. Insgesamt wurden 27 Polizisten sowie ein Kameramann bei Ausschreitungen leicht verletzt; 23 Hansa-Fans wegen des Verdachts auf Landfriedensbruch vorübergehend in Gewahrsam genommen. Ermittlungen wurden eingeleitet.

Trotzdem zog die Polizei ein positives Fazit. "Unsere Strategie der strikten Fan-Trennung hat voll gegriffen", sagte Peter Mainka, Leiter der Polizeiinspektion Rostock: "Aber leider mussten wieder einmal die Beamten ihre Gesundheit und ihr Leben aufs Spiel setzen, weil einige Chaoten Lust auf Gewalt haben." Insgesamt waren rund 2000 Polizisten sowie 500 weitere Sicherheitskräfte im Stadion im Einsatz.

Dies rief auch die Politik auf den Plan. "Die Gesellschaft darf nicht zulassen, dass ein brutaler, gewalttätiger und damit krimineller Mob unter dem Deckmantel des Fußballs regelmäßig friedliche Bürger tyrannisiert, die Polizei angreift und die Justiz herausfordert", sagte Lorenz Caffier, Innenminister von Mecklenburg-Vorpommern, und forderte eine konsequente Bestrafung der Chaoten.

Quelle: SID/chk

 
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