Wettskandal: DFB gerät weiter unter Druck
zuletzt aktualisiert: 11.12.2009 - 14:26Oberhausen (RPO). Zweitligist Rot-Weiß Oberhausen hat im Zuge der Aufarbeitung des Wettskandals heftige Kritik am Deutschen Fußball-Bund (DFB) geübt. Rechtliche Schritte werden nach Angaben des Sportdirektors ebenfalls in Erwägung gezogen. Auch die Schutzsperre vom Schiedsrichter Thorben Siewer sorgt für weiteren Ärger.
"Es wird immer von Fairplay gesprochen. Aber gerade, was unser Spiel vom Sonntag angeht, wurde das Fairplay mit Füßen getreten. Das hat kein Verein, kein Spieler und kein Schiedsrichter verdient", sagte Oberhausens sportlicher Leiter Hans-Günter Bruns am Freitag: "Wir stehen als Betrüger da und das kann man so nicht stehen lassen."
Hintergrund der Kritik ist die Vorgehensweise des DFB vor dem Spiel von RWO gegen 1860 München (0:1) am vergangenen Sonntag. Vor der Partie hatte es nach DFB-Angaben verdächtige Wettbewegungen gegeben. Schiedsrichterbeobachter Hellmut Krug hatte daraufhin beide Mannschaften im Vorfeld der Partie informiert. Die Begegnung wurde durch ein Eigentor entschieden. RWO-Abwehrspieler Marinko Miletic verlängerte in der 63. Minute einen Freistoß von Alexander Ludwig ins eigene Tor.
"Frei erfunden"
Nach Informationen der Oberhausener sollen allerdings überhaupt keine Verdachtsmomente vorgelegen haben. "Dass es Wetten von 1,1 Millionen Euro auf das Spiel gegeben hat, ist frei erfunden. Der Verdacht resultierte aus Null", sagte Bruns, der in den vergangenen Tagen zumindest eine Entschuldigung seitens des DFB erwartet hätte: "Normalerweise müsste es vom DFB mal eine entsprechende Reaktion geben. Aber da kommt nichts."
Nach Angaben von Bruns behält sich RWO nun doch rechtliche Schritte gegen den DFB vor. Zunächst seien noch Gespräche mit dem Vereinsvorstand nötig.
Für DFB-Präsident Theo Zwanziger gab es indes keine andere Möglichkeit, als die Teams und die Schiedsrichter vor Spielbeginn auf die Informationen des Frühwarnsystems aufmerksam zu machen. "Man kann darüber streiten, ob das ganze etwas diskreter hätte ablaufen können. Allerdings - das möchte ich noch einmal klarstellen - wurde sie nicht vom DFB öffentlich gemacht. Ich kann die Reaktion der Oberhausener dennoch verstehen. Aber wir waren in Oberhausen gezwungen zu handeln, denn die Partie stand unseren Informationen nach unter akutem Manipulationsverdacht", sagte Zwanziger dem Sport-Informations-Dienst (SID).
"Das Vorgehen ist unsensibel"
Für großen Ärger sorgt weiterhin auch die Schutzsperre gegen den in den Fokus geratenen Schiedsrichter Siewer (Drolshagen). "Ich halte das DFB-Vorgehen für unsensibel. Die Karriere von Thorben Siewer ist gefährdet. Der Verband hätte sich vor ihn stellen müssen", sagte Andreas Hebbeker, Vorsitzender des Fußball-Kreises Olpe, dem Internetportal derwesten.de.
Hebbeker behauptet, dass der Name des 22 Jahre alten Referees nicht in den Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaft Bochum auftauche. Lediglich das von Siewer geleitete Regionalligaspiel am 10. Mai diesen Jahres zwischen Absteiger TSV Großbardorf und Meister 1. FC Heidenheim, das von den Gästen in der Schlussphase noch von 1:2 auf 4:2 gedreht wurde, steht nach Angaben von Hebbeker unter Manipulationsverdacht. Siewers Leistung soll vom Beobachter dagegen mit "gut" bewertet worden sein.
Bis zur kompletten Durchsicht der Akten liegt Siewer weiter auf Eis, nachdem er bereits am vergangenen Wochenende kurzfristig als Assistent vom Spiel der 3. Liga zwischen dem VfL Osnabrück und Wacker Burghausen abgezogen worden war. Nach DFB-Informationen soll Siewer namentlich in den Ermittlungsakten der Behörde zu möglichen Spielmanipulationen erwähnt sein.
Wie Hebbeker hat allerdings auch der zuständige Vorsitzende des Kreisschiedsrichterausschusses (KSA), Winfried Alterauge, andere Informationen. Da DFB und die Deutsche Fußball Liga (DFL) seit Donnerstag Akteneinsicht haben, verspricht sich Alterauge eine rasche Entlastung für den Schiedsrichter vom FC Schreibershof. "Zu 99,9 Prozent lege ich meine Hand für ihn ins Feuer", sagte Alterauge dem Sauerlandkurier und forderte vom Verband ebenfalls Abbitte: "Da muss ein Freispruch erster Klasse bei herauskommen."
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