2. Bundesliga 17/18 2. Bundesliga
| 13.20 Uhr

Das Phänomen Marius Ebbers
"Ebbe" bald wieder in der Bundesliga

Das Phänomen Marius Ebbers: "Ebbe" bald wieder in der Bundesliga
Marius Ebbers traf für den FC St. Pauli. FOTO: rpo, Falk Janning
Düsseldorf (RPO). Zweitligisten aufgepasst, demnächst ist wahrscheinlich wieder ein waschechter Knipser auf dem Markt! Torjäger Marius Ebbers steht mit seinem FC St. Pauli pünktlich zum 100-jährigen Jubiläum vor dem Aufstieg in die Bundesliga. Zweimal bereits hat der "Commander" mit vielen wichtigen Toren zum Aufstieg seiner Klubs beigetragen, doch dann herrschte in der Bundesliga Ebbe und Ebbers verließ den Klub. Von Benjamin Tonn

In der 2. Bundesliga wird stets über ein mögliches Aufstiegsgeheimnis gerätselt. "Ebbe", neben "Commander", "Ebbelix" und "Ebbefant" ein Spitzname des Angreifers, kennt es. Mit dem 1. FC Köln (2004/05) und Alemannia Aachen (2005/06) ist dem 32-Jährigen zwei Jahre in Folge der Sprung ins Oberhaus gelungen. Mit neun bzw. 13 Toren hatte Ebbers daran auch gewissen Anteil.

Doch bei Ebbers ist es wie mit den Gezeiten: (Tor-)Flut und eben jene besagte Ebbe wechseln sich ab. Kölns Aufstieg 2005 ging der Abstieg in der Spielzeit davor voraus, in der Ebbers das Runde nur einmal im Eckigen unterbringen konnte. Auf Aachens Aufstieg folgte 2007 der direkte Gang zurück in Liga zwei. Zwei Ebbers-Tore waren zu wenig zum Klassenerhalt.

Sprungbrett Wattenscheid

Nun peilt Ebbers mit dem FC St. Pauli erstmals fern der Heimat seinen dritten Aufstieg an und kann am Montag im Gastspiel bei Fortuna Düsseldorf um 20.15 Uhr (Live-Ticker) einen weiteren Riesenschritt machen. Die Kicker vom Kiez stehen sechs Spieltage vor Saisonende mit 55 Zählern auf Aufstiegsplatz zwei, zwei Punkte vor Augsburg auf dem Relegationsplatz, bereits neun Punkte vor der viertplatzierten Fortuna.  

Der gebürtige Essener lernte das Fußballspielen mit sechs Jahren bei Preußen Steele. Sein (dreiminütiges) Profidebüt gab Ebbers mit 20 im November 1998 für den MSV Duisburg im kleinen Revierderby gegen den VfL Bochum. Nach einem weiteren Kurzeinsatz gegen Schalke endete die Bundesliga-Karriere vorerst.

Zur Saison 1999/2000 wechselte Ebbers zur SG Wattenscheid 09 in die Regionalliga, die damals dritthöchste Spielklasse, wo er in eineinhalb Jahren 38 Tore erzielte und sich wieder für die Zebras empfahl. Nach drei Jahren und 28 Zweitliga-Toren an der Wedau traute sich Ebbers im Sommer 2003 das Abenteuer Bundesliga mit Köln zu – mit bekanntem Ausgang.

Über Aachen ist dann Hamburg die Heimat des passionierten Pokerspielers geworden. Sein bester Kumpel im Team Florian Bruns, den er schon aus gemeinsamen Zeit bei der Alemannia kennt und mit dem er noch heute hin und wieder Squash spielen geht, soll der Sportlichen Leitung den entscheidenden Tipp gegeben haben. Obwohl sich Ebbers weiter als Kind des Ruhrgebiets sieht und ein Haus in seiner Geburtsstadt Essen weiter sein eigen nennt, fühlt sich der Blondschopf beim etwas anderen Verein aus dem Stadtteil St. Pauli pudelwohl.

Punk prägte Vergangenheit 

Als ehemaliges Mitglied einer Punkrock-Band namens Hunchback passt Ebbers einfach nach St. Pauli mit seiner politisch durchweg Links orientierten Fanschar. Mit Punk hat er heute nichts mehr am Hut, mit einem Sonnentattoo an seinem Ellbogen befindet sich aber noch ein Überbleibsel aus dieser Zeit auf seiner Haut.

St. Pauli mit seiner Reeperbahn ist auch die Stadt der Sünde. Gesündigt hat Ebbers zu seiner Aachener Zeit im Februar 2007 als er und sein damaliger Teamkollege und Beifahrer Jan Schlaudraff dessen Porsche auf einer Autobahn in Fahrtrichtung Lüttich schrotteten. Über 0,5 Promille im Blut, Aquaplaning und überhöhte Geschwindigkeit sind halt eine schlechte Kombination. Beide blieben unverletzt, aber der Lappen war erst einmal weg.

Privat lässt es der "Commander" weitaus weniger rasant angehen. Die Familie geht Ebbers über alles. Frau Sonja kennt er seit der Einschulung, ein Paar wurden sie aber nach Ende der Schulzeit. Im Jahr 2006 folgte die Hochzeit.

Bei Aufstieg Heldenstatus

Ebbers hat sich vorgenommen nur noch sportliche Schlagzeilen zu schreiben. Wie etwa im Aachener Aufstiegsjahr als er im März 2006 beim 4:2-Auswärtssieg bei den Offenbacher Kickers alle vier Tore für die Alemannia erzielte – in einer Halbzeit.

Pauli-Trainer Holger Stanislawski schätzt insbesondere das gute Auge, die Ruhe beim Abschluss und die Kopfballstärke des 32-Jährigen, mit denen er in der laufenden Spielzeit auf mittlerweile 15 Treffer gekommen ist. Mit dieser Ausbeute ist Ebbers mit dem Bundesliga-Aufstiegshelden Marcel Rath aus der Saison 2000/01 gleichgezogen.

Die Marke des torhungrigsten Paulianers in einer Zweitligasaison aus dem Aufstiegsjahr 1976/77, mit 27 Toren gehalten von "Schlangen-Franz" Gerber, ist allerdings noch in weiter Ferne. Wenn es am Saisonende auch mit weniger Saisontreffern zum Aufstieg reicht, dürfte es "Ebbe" recht sein. Denn dann fließt der Alkohol auf der Reeperbahn in Strömen.

 
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