St. Pauli - Fortuna 2:1: Fortuna verliert Verfolgerduell
VON BERND JOLITZ - zuletzt aktualisiert: 06.11.2009 - 20:58Hamburg (RP). In der nächsten Woche feiert der FC St. Pauli sein großes Abrissfest. Die Haupttribüne im Stadion am Millerntor, die den maroden Charme der 50er-Jahre verbreitet, kommt auf die Müllhalde der Fußball-Geschichte.
Zum Abschied erlebte das Bauwerk gestern noch einmal ein echtes Fest – das Zweitliga-Spitzenspiel zwischen den drittplatzierten Braun-Weißen und dem Fünften Fortuna Düsseldorf. Und natürlich war das Wilhelm-Koch-Stadion ausverkauft: Ein würdiger Rahmen für den nicht unverdienten 2:1-Sieg der Hamburger, die damit ihre Aufstiegsambitionen unterstrichen.
Vielleicht wäre es indes eine gute Idee des DFB gewesen, für die Partie in heißer Atmosphäre einen erfahrenen Schiedsrichter anzusetzen. Tobias Stieler ist das nicht. Gerade erst ist der 28-Jährige aus Obertshausen in die Zweite Liga aufgestiegen – und seine Pauli-Premiere überforderte ihn sichtlich.
Zwei Strafstöße hätte der Referee vor der Pause für Fortuna pfeifen müssen, aber ein klares Foul an Ranisav Jovanovic übersah er komplett, eines an Martin Harnik verlegte er aus dem Strafraum heraus.
Hallo, Herr Lambertz. Was sagen Sie zu diem Spiel? Eine unverdiente Niederlage?
Lambertz: Ja, so sege ich das. Das war brutal. Hier hätten wir was mitnehmen müssen. Wir haben das nicht clever genug angestellt, wir hatten bei Ballbesitz keine Geduld, wir haben das nicht zu Ende gespielt.
Hätten Sie nicht auch noch einen Elfer bekommen müssen?
Lambertz: Meiner Ansicht nach war das Foul an Jovanovic ein Elfmeter, aber so genau habe ich das nicht gesehen. Bitterer war, dass ich das 2:1 auf dem Fuß hatte, dann kriegen wir im Gegenzug das 1:2.
Kommen die gelben Trikots jetzt wieder in den Schrank?
Lambertz: Wieso? Wir haben doch gut gespielt. Die gelben Trikots behalten wir an.
Stattdessen zeigte er nach einer Szene auf den Punkt, die nun wirklich keinen Elfmeter wert war. Selbst der „gefoulte” Andreas Lambertz guckte ein wenig verdutzt drein, doch Innenverteidiger Jens Langeneke ließ sich nicht beeindrucken und verwandelte zum 1:1-Ausgleich. Es war der Lohn dafür, dass sich die Gäste nach dem schnellen Rückstand durch Max Kruse nur kurz schüttelten, sich dann aber beherzt dem offenen Kampf stellten.
Die Laufbereitschaft, der Einsatz und das hohe Tempo beider Teams machten den Reiz des Spiels aus. Technische Finessen blieben dabei auf der Strecke, aber die darf man bei einem Zweitliga-Gipfel unter Beteiligung St. Paulis auch nicht zwingend erwarten.
In puncto Druck aber lässt der Kiez-Klub nie nach, und so erzwang er schließlich auch die Entscheidung durch den eingewechselten Rouwen Hennings. Wenige Sekunden zuvor vergan Andreas Lambertz die große Chance zur Fortuna-Führung, im Gegenzug traf Hennings freistehend aus elf Metern.
Fortuna aber enttäuschte keineswegs, bot dem Favoriten lange Paroli. Und 20 gewonnene Punkte sind für einen Aufsteiger auch nach zwölf Partien noch eine glänzende Bilanz.
FC St. Pauli - Fortuna 2:1
St. Pauli: Hain - Rothenbach, Morena, Gunesch, Lechner - Lehmann, Boll - Bruns (81. Schultz), Takyi (62. Hennings), Kruse - Ebbers (88. Sako). - Trainer: Stanislawski
Düsseldorf: Ratajczak - Weber, Anderson, Langeneke, Cakir (81. Caillas) - Costa (84. Gaus), Lambertz, Fink, Christ (75. Zoundi) - Harnik, Jovanovic. - Trainer: Meier
Schiedsrichter: Tobias Stieler (Obertshausen)
Tore: 1:0 Kruse (4.), 1:1 Langeneke (22., Foulelfmeter), 2:1 Hennings (72.)
Zuschauer: 23.254 (ausverkauft)
Beste Spieler: Lechner, Kruse - Lambertz, Christ
Gelbe Karten: Hain, Gunesch, Boll - Christ (2), Cakir (3), Jovanovic, Zoundi
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