"Arminia ist noch nicht tot": Gerry Weber will Bielefeld retten
zuletzt aktualisiert: 31.05.2010 - 13:35Bielefeld (RPO). Arminia Bielefeld darf dank einer Millionenspritze in letzter Minute auf eine Zukunft in der 2. Fußball-Bundesliga hoffen. Nach SID-Informationen will eine Gruppe von lokalen Großunternehmen um Gerry Weber (Mode), Schüco (Fenster) und Dr. Oetker (u.a. Lebensmittel, Schifffahrt) den Traditionsklub vor dem Lizenzentzug und dem Zwangsabstieg bewahren.
"Es gibt einen Kreis von großen Unternehmen, die helfen wollen", sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Norbert Leopoldseder zwischen zwei Krisensitzungen am Montagnachmittag dem SID. "Gerry Weber ist als alleiniger Retter angeführt worden - dies ist falsch. Aber das Ganze steht. Wir müssen es schaffen, und wir werden es auch schaffen. Aber es wird eine ganz, ganz heiße Schlussphase."
Doch die Zeit rast, es ist fünf Minuten vor Zwölf. 2,85 Millionen Euro muss die Arminia bis Mittwochnachmittag um 15.30 Uhr auftreiben, um nicht mit sofortigem Lizenzentzug und Zwangsabstieg bestraft zu werden. Aber es geht anscheinend nicht mehr um die Summe - Formalia sind das größere Problem.
"Alle Unterlagen müssen auch noch geprüft und der Deutschen Fußball Liga vorgelegt werden. Das nur spannend zu nennen, wäre untertrieben", sagte Leopoldseder. Allerdings wäre er für diese Situation 48 Stunden zuvor dankbar gewesen: "Zu diesem Zeitpunkt habe ich nicht viel auf die Lizenz von Arminia gegeben", berichtete der Chef des Aufsichtsrates.
Mit dem prägnanten Satz "Arminia ist noch nicht tot" hatte Modemacher Weber sich in der Neuen Westfälischen zitieren lassen, danach kündigte er eine Ausweitung seines Sponsoren-Engagements an: "Es wird weitere Unterstützung aus dem Hause Weber geben."
Weber erklärte, das fehlende Geld müsse "halt kommen", und forderte die Bielefelder Wirtschaftsgrößen auf, ebenfalls zu helfen: "Jetzt sind wir alle nochmal gefordert." Die Entscheidung des Rates der Stadt Bielefeld, dem Klub 500.000 Euro zur Verfügung zu stellen, bezeichnete er schlicht als "lachhaft".
Bei der Arminia reiht sich am Montag eine Sitzung an die nächste. Um 19 Uhr kommen Aufsichtsrat, Verwaltungsrat und der designierte Präsident Wolfgang Brinkmann zusammen, um den letzten Stand der Rettungsaktion zu besprechen.
"Es ist eine Jetzt-erst-recht-Stimmung zu spüren", sagte Brinkmann, der im Juni Hans-Hermann Schwick an der Vereinsspitze ablösen wird. Doch der starke Mann im Klub wäre im Falle der Rettung wohl ein Mann aus der Wirtschaft. Bereits im vergangenen Jahr hatten die lokalen Großunternehmer Hilfe in Aussicht gestellt, dafür aber umfassende personelle Umstrukturierungen gefordert.
7,1 Millionen der ursprünglich fehlenden 10,2 Millionen Euro hat die Arminia durch Etatkürzungen, Stundungen der Tilgungsraten für den Stadionbau und Sponsorengelder aufgebracht. 250.000 Euro stammen zudem aus einem alten städtischen Kredit - es fehlen "nur" noch die 2,85 Millionen.
Der neue Trainer und Sportdirektor Christian Ziege treibt unbeirrt seine Planungen für die kommende Zweitliga-Saison voran. "Ich habe ein positives Gefühl, dass es mit Zweitliga-Fußball in Bielefeld klappt", sagte der Europameister von 1996: "Der Verein darf die Hoffnung nicht aufgeben. Ich führe Gespräche mit potenziellen Neuzugängen."
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