2. Bundesliga 16/17 2. Bundesliga
| 13.30 Uhr

Puppe mit 96-Fanschal aufgehangen
Hassbotschaft vor brisantem Niedersachsen-Derby

Hannover. Ungeachtet der sportlichen Brisanz könnten Ausschreitungen rivalisierender Fangruppen das 149. Niedersachsen-Derby zwischen Eintracht Braunschweig und Hannover 96 überlagern. Einen Vorgeschmack gab eine Widerwärtigkeit am Freitag.

Alle Vorkehrungen waren eigentlich getroffen, doch eine erneute Geschmacklosigkeit ließ sich nicht verhindern: Vor dem 149. Niedersachsen-Derby zwischen Eintracht Braunschweig und Hannover 96 am Sonntag (13.30 Uhr/Live-Ticker) hing am Freitag eine Puppe mit 96-Vereinsschal am Zaun der Fußball-Akademie des Bundesliga-Absteigers – wie an einem Galgen. Eine Hassbotschaft, die rechtfertigt, dass das hochemotionale wieder einmal von starken Polizeikräften begleitet werden muss.

Jahrzehntealte sportliche Rivalitäten haben sich mittlerweile derart hochgeschaukelt, dass man bei den Sicherheitsbehörden rund um das längst ausverkaufte Eintracht-Stadion an der Hamburger Straße mit bis zu 750 krawallbereiten Anhängern rechnet. Die Zahl der Ordner in der Arena wurde daraufhin von 400 auf 550 erhöht.

96-Präsident Martin Kind fehlt für diese extrem ausgeprägte Spannungen das Verständnis. "Ich kann mit diesen vergangenheitsgeprägten Verhaltensmustern wenig anfangen. Aber sie sind nun einmal da", sagte der Klubboss vor der emotional aufgeladenen Partie, die indes auch sportliche Brisanz in sich birgt: Tabellenführer Braunschweig könnte im Kampf um den Bundesliga-Aufstieg mit einem Sieg acht Punkte Differenz zwischen sich und die Gäste legen.

Doch bei der Polizei konzentriert man sich ganz auf die Sicherheit der knapp 23.000 Zuschauer. Einsatzleiter Roger Fladung will aus polizeitaktischen Gründen die genaue Zahl der Einsatzkräfte nicht nennen, sieht sich aber gut gewappnet: "Es sind mehr Beamte im Einsatz als sonst, denn es ist ganz klar ein Spiel mit erhöhtem Risiko."

Erinnerungen an totes Lamm

Mehr als unschön sind auch die Erinnerungen an das letzte direkte Aufeinandertreffen im April 2014 in Hannover, seinerzeit noch in der ersten Liga. Unbekannte hatten ein totes Lamm am Zaun des 96-Trainingsplatzes aufgehängt, flankiert von der widerlichen Botschaft: "Am Sonntag geht euch Mistviechern die Luft aus."

Die historischen Spannungen zwischen Braunschweig und Hannover existieren seit dem Mittelalter. Die ausgeprägte Fußball-Rivalität kam 1963 hinzu, als überraschenderweise nicht "96", sondern die Eintracht Niedersachsens Vertreter in der damals neuen Bundesliga wurde.

Doch damit mag sich Daniel Stendel gar nicht beschäftigen, für den 96-Coach geht es darum, im Rennen um die sofortige Bundesliga-Rückkehr Anschluss zu halten. "Ich weiß, wie wichtig dieses Spiel für den Verein ist. Aber ich sehe uns auch auf Augenhöhe mit der Eintracht", erklärte der 42-Jährige.

Die Platzherren sehen die Begegnung als gute Gelegenheit, den Rivalen in der Tabelle weiter zu distanzieren. Eintracht-Trainer Torsten Lieberknecht: "Wir haben die Chance, unseren Vorsprung auszubauen. Das ist unser Ansporn."

(seeg/sid)
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