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Ausschreitungen überschatten Pauli-Sieg: Hansa Rostock entlässt Trainer Dieter Eilts

zuletzt aktualisiert: 06.03.2009 - 21:03

Hamburg (RPO). Die Rostocker Chaoswochen haben ihren vorläufigen Tiefpunkt erreicht. Unmittelbar nach der bitteren 2:3 (2:0)-Pleite beim FC St. Pauli im Nord-Derby zog der Hansa-Vorstand die Reißlinie und trennte sich nach nur 104 Tagen von Trainer Dieter Eilts. Neben Eilts musste auch Co-Trainer Mike Barten gehen.

Fin Bartels traf für Hansa Rostock.  Foto: AP, AP
Fin Bartels traf für Hansa Rostock. Foto: AP, AP

Das gab Manager Rene Rydlewicz, der dem Europameister vor der Partie ein Ultimatum gesetzt hatte ("Siegen oder Fliegen"), nach dem Spiel bekannt. "Wir werden uns am Samstag zusammensetzen und die weitere Vorgehensweise beraten", sagte Rydlewicz. Ein Nachfolger ist noch nicht bekannt, Torwart-Trainer Perry Bräutigam wird vorerst das Training übernehmen.

"Das ist eine Geschichte, die ich erst noch verarbeiten muss", sagte Eilts nach seiner Entlassung: "Das ist äußerst bitter. Wir haben gute Arbeit geleistet, aber das Wichtigste nicht geschafft. Wir haben die Punkte nicht gemacht."

Nur einen Sieg in zehn Spielen konnten die Rostocker unter Eilts verbuchen und stürzten damit auf den vorletzten Platz der zweiten Liga ab. Mit nur 19 Punkten beträgt der Rückstand auf das rettende Ufer bereits vier Punkte.

Inwieweit das Ultimatum Einfluss auf die Leistung der Spieler hatte, wollte Eilts nicht beurteilen. "Ich erwarte, dass die Spieler mit Druck umgehen können", sagte der frühere Coach der deutschen U21-Junioren, der das Ultimatum als wenig hilfreich wertete: "Das ist keine Aussage mit der man dem Trainer den Rücken stärkt."

Info

Statistik:

St. Pauli: Hain - Rothenbach, Eger, Gunesch, Drobo-Ampem - Boll, Schultz (46. Brunnemann) - Ludwig (46. Bruns), Trojan (46. Hennings), Hoilett - Sako. - Trainer: Stanislawski

Rostock: Hahnel - Schöneberg, Gledson, Orestes, Oczipka - Retov, Svärd - Schindler, Fillinger (81. Kroos) - Bartels (70. Kern), Myntti. - Trainer: Eilts

Schiedsrichter: Markus Wingenbach (Diez)

Tore: 0:1 Myntti (2.), 0:2 Bartels (5.), 1:2 Sako (53., Foulelfmeter), 2:2 Hoilett (72.), 3:2 Hoilett (84.)

Zuschauer: 22.138 (ausverkauft)

Beste Spieler: Hoilett, Sako - Retov

Gelb-Rote Karte: Sako wegen wiederholten Foulspiels (90.+2)

Gelbe Karten: Rothenbach (4), Boll (5) - Oczipka (2), Svärd (2), Kern

Dabei hatte im Spiel bei St. Pauli, das von Ausschreitungen überschattet worden war, zunächst alles nach der erhofften Wende ausgesehen. Henri Myntti (2.) und Fin Bartels (5.) schossen vor 22. 138 Zuschauern am Hamburger Millerntor die Rostocker bereits früh auf die Siegerstraße, doch Morike Sako per Foulelfmeter (53.) und zweimal David Hoilett (72. und 84.) schafften für St. Pauli noch die Wende. Sako sah in der Nachspielzeit wegen wiederholten Foulspiels noch die Gelb-Rote Karte.

Die Rostocker legten einen Start nach Maß hin und lagen bereits nach fünf Minuten mit 2:0 in Führung. Von dem frühen Rückstand erholte sich St. Pauli bis zur Pause nicht mehr. Nach dem Seitenwechsel änderte sich das Blatt. Nach einem Foul von Kevin Schöneberg an Björn Brunnemann entschieds Schiedsrichter Markus Wingenbach (Dietz) auf Elfmeter, den Sako verwandelte. Doch es kam noch schlimmer, als Hoilett per Doppelschlag erfolgreich war.

Bei den Gastgebern verdienten sich Sako und Hoilett die Bestnoten, bei Rostock wusste Martin Retov zu gefallen.

Schwere Ausschreitungen

Vor und nach der Partie ist es zu den befürchteten Ausschreitungen gekommen. Dabei wurden drei Beamte verletzt. Insgesamt nahm die Polizei rund ein halbes Dutzend Randalierer fest. Die Rostocker Kollegen hatten außerdem vor der Abreise des Sonderzuges vier Hansa-Fans aus dem Verkehr gezogen.

"Es herrschte eine sehr aggressive Stimmung zwischen den beiden Fanlagern. Es war sinnvoll, mit einem so großen Aufgebot an Einsatzkräften vorzugehen", sagte ein Polizeisprecher auf sid-Anfrage. Eine endgültige Bilanz konnte die Hamburger Polizei am Freitagabend noch nicht ziehen. Insgesamt waren 1000 Polizisten im Einsatz, dem höchsten Aufgebot für ein Zweitligaspiel in Hamburg.

Am U-Bahnhof Feldstraße, in der Nähe des Millerntor-Stadions, mussten die Beamten zunächst zweimal vor der Partie Wasserwerfer einsetzen, nachdem Rostocker Fans Flaschen und Feuwerkskörper geworfen hatten. Das gleiche Bild ergab sich nach dem Spiel, als beim Abmarsch der Hansa-Fans diesmal Hamburger Randalierer mit Feuerwerkskörpern und Flaschen Unruhe stifteten. Erneut wurde die Lage mit dem Wasserwerfer beruhigt.

Höchste Alarmstufe herrschte auch vor dem Stadion. Rund 200 Rostocker Anhänger, die nicht im Besitz einer Eintrittskarte waren, zettelten vor dem Eingang zum Gäste-Block Krawalle an. Nachdem die Polizei erneut mit dem Einsatz des Wasserwerfers drohte, entspannte sich die Lage ein wenig. Zudem wurde ein Hamburger Anhänger verhaftet, nachdem er ein Rostocker mit einer Gaswaffe bedroht hatte.

Ruhig blieb es auch nicht im Stadion. Nachdem aus dem Rostocker Block Rauchbomben gezündet worden waren, wurde die zweite Halbzeit mit fünfminütiger Verspätung angepfiffen.

Die Partie war bereits im Vorfeld als "Spiel mit erhöhtem Risiko" eingestuft worden. Im Hinspiel Ende September waren bei Auschreitungen zwischen den beiden verfeindeten Fanlagern 15 Personen verletzt und 52 Randalierer festgenommen worden.

Insgesamt 1500 Rostocker Fans befanden sich am Freitagabend im Stadion, dazu die 200 Anhänger ohne Karten.


 
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