2. Fußball-Bundesliga: In Aachen schrillen die Alarmglocken
zuletzt aktualisiert: 28.10.2009 - 13:24Aachen (RPO). Sie sind bis ganz tief in den Keller abgestürzt – und eine Besserung scheint nur bedingt in Sicht. Nach der beängstigenden Talfahrt der Fußballer von Alemannia Aachen bis auf Rang 15 der 2. Bundesliga fühlt sich der noch sieglose Trainer Michael Krüger wie im falschen Film.
Krüger, erst vor wenigen Wochen verpflichtet, spricht von "versteckter Kamera", appelliert an den Charakter seiner Spieler und hat aufgrund seiner schlechten Laune bereits Mitleid mit Frau und Tochter. Mit Aufstiegsträumen und euphorisiert vom Bau des neuen Tivoli wollte der Pokalfinalist von 2004 in eine neue Ära starten. Nach zehn Spielen ist die Alemannia 15., nur einen Punkt vom Relegationsplatz entfernt – von dem zum Abstieg in die dritte Liga wohlgemerkt.
"Anscheinend haben einige, nur weil hier ein neues Stadion entstanden ist, die Realität verkannt. Die zweite Liga ist kreuzgefährlich", meinte Krüger, der in fünf Pflichtspielen erst zwei Punkte eingefahren hat und mahnte: "So geil dieser Verein ist, für Tradition kann ich mir nichts kaufen. Jetzt ist Maloche ohne Ende gefragt." Nicht um den Aufstiegstraum zu verwirklichen, sondern um den GAU, sprich Abstieg, zu verhindern. "Die Wahrheit ist grausam und nicht jeder will sie hören", meinte Krüger: "Der Abstiegskampf hat für uns begonnen."
Dies sah nach der zermürbenden 1:4-Heimniederlage gegen Aufsteiger Union Berlin auch Sportdirektor Andreas Bornemann so: "Abstiegskampf ist das Stichwort", sagte er: "Nämlich Kampf - nicht nur Harmonie, Wohlfühlen und ein bisschen kicken wollen. Das muss die Mannschaft schnell begreifen, sonst hat sie keine Chance."
Dem ungeliebten Trainer Jürgen Seeberger, unter dem die Alemannia im Vorjahr nur knapp den Aufstieg verpasst hatte, haben sich die Profis durch ihr Veto bei der Vereinsführung entledigt. Nun stehen sie eigentlich in der Verantwortung. Bis zum Debakel gegen Berlin, das die Aachener Zeitung als "Beerdigung erster Klasse" beschrieb, verwiesen die Spieler trotz schwacher Ergebnisse aber gerne darauf, dass nun ansehnlicher Fußball gespielt werde und die Formkurve nach oben zeige. Es folgte jedoch ein Spiel wie aus dem Kuriositätenkabinett.
"Als ich das Tor gesehen habe, dachte ich zuerst, ich bin in 'Versteckte Kamera' oder 'Verstehen Sie Spaß?' gelandet", meinte Krüger mit Blick auf das 1:4 von John Jairo Mosquera in der Schlussminute. Der Ball hatte klar die Torauslinie überschritten, was der Schiedsrichter nicht sah. Während Torhüter Thorsten Stuckmann sich vom Balljungen einen neuen Ball geben ließ, schossen ihn die Berliner gemütlich ins Tor.
Der Mannschaft versprach der Coach eine harte Woche. Leid tun ihm dabei nur seine Frau und die Tochter: "Nach Niederlagen bin ich wirklich unausstehlich". Doch der 55-Jährige, der sich schon bei seinem Amtsantritt Vorbehalte als Not- oder Billiglösung gefallen lassen und als "Mike Krüger" titulieren lassen musste, will seine Chance bei einem Traditionsverein nutzen. Im Schmuckstück Tivoli, das im nächsten Jahr Austragungsort eines Länderspiels sein wird, soll schließlich in absehbarer Zeit nicht der 1. FC Heidenheim, sondern Bayern München empfangen werden.
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