2. Bundesliga: Ingolstadt testet "Wunderkind" Adu
zuletzt aktualisiert: 07.01.2011 - 11:27Belek/München (RPO). Freddy Adu wirkt kräftig, Spötter würden füllig sagen. Der erste Eindruck bestätigt das Vorurteil, dass sich da ein einst viel zu früh hochgejubeltes Talent hat gehen lassen. Bei seinem ersten Einsatz auf Probe für den Zweitligisten FC Ingolstadt im türkischen Belek ließ der Amerikaner sein Talent erkennen. Mehr aber auch nicht. Und dennoch: Freddy Adu in Ingolstadt - das klingt ein bisschen wie der Papst in Wanne-Eickel.
Freddy Adu galt einst als der künftige Michael Jordan des amerikanischen Fußballs. Er war 14 Jahre alt, als er seinen ersten Profivertrag unterschrieb, er kassierte (zu) früh Millionen. Der gebürtige Ghanaer, der seit 2003 die amerikanische Staatsbürgerschaft besitzt, ist ein Versprechen, das seit Jahren nicht eingelöst wird.
In der Nacht zum Donnerstag landete der 21 Jahre alte vermeintliche Superstar auf seiner Odyssee durch halb Europa in Belek. Im Trainingslager des FCI will Adu sich beweisen - doch selbst der abstiegsgefährdete Zweitligist ist skeptisch. "Wir kannten seine Vorgeschichte. Aber wir wussten auch, dass die letzten Jahre nicht das bestätigt haben, was man von ihm erwartet hat, als er 15, 16 Jahre alt war", sagt Trainer Benno Möhlmann.
Eigentlich würde der Deal passen: Adu will sich einen Platz im Kader für die Rückrunde erkämpfen - die Ingolstädter wiederum suchen einen Angreifer, der sie aus dem Keller schießt. "Ich freue mich auf die Zeit in der Türkei und möchte mich bei Ingolstadt mit guten Leistungen anbieten", sagte Adu nach der Ankunft.
Möhlmann dämpfte die Erwartungen: "Ich habe eigentlich gesagt, dass wir im Winter nicht die Zeit haben, um junge, entwicklungsfähige Spieler aufzubauen, vielmehr brauchen wir für die Rückrunde fertige Spieler, die uns sofort helfen", sagte er. Ob Adu diese Anforderung erfüllt, müsse er in Belek zeigen: "Wenn nicht, werden wir ihn auch nicht verpflichten", stellte Möhlmann klar.
Am Donnerstag kam es zu einem ersten Schaulaufen. Möhlmann schickte Adu in der zweiten Halbzeit des Testspiels gegen den Drittligisten Kickers Offenbach (1:0) aufs Feld. Groß aufgefallen ist er nicht. "Er hat sich bemüht, einige gute Aktionen gehabt", sagte Möhlmann. Jetzt müsse man bis Sonntag beobachten, "wie robust er mit seinen 21 Jahren und wie effektiv seine Spielweise ist".
In den vergangenen sieben Jahren hat Adu nur selten bis gar nicht unter Beweis stellen können, dass er die Fußball-Welt auch nur ansatzweise aus den Angeln heben wird. Zuletzt unterschrieb er am 6. Januar 2010 einen Leihvertrag beim griechischen Erstligisten Aris Saloniki - zum damaligen Zeitpunkt gehörte er noch dem portugiesischen Rekordmeister Benfica Lissabon, der 2007 immerhin noch zwei Millionen Dollar gezahlt hatte, um ihn beim US-Profiklub Real Salt Lake auszulösen. Seit Beginn dieser Saison hat Adu kein Spiel bestritten.
Das hatte sich ganz anders angelassen. Noch vor seinem 15. Geburtstag war Adu am 4. April 2004 als jüngster Spieler in der Geschichte der Major League Soccer (MLS) zum Einsatz gekommen, nur zwei Wochen später avancierte er zum jüngsten Torschützen der nordamerikanischen Profiliga. Im Alter von lediglich 16 Jahren und 234 Tagen gab Adu 2006 sein Debüt in der Nationalmannschaft. Die großen Klubs wollten ihn angeblich verpflichten - doch die Träume wurden nicht wahr.
In den vergangenen sieben Jahren hat Adu für sechs Klubs gespielt, bei Benfica stand er nur elfmal auf dem Platz, dann wurde er ausgeliehen an den AS Monaco, an Belenenses Lissabon und zuletzt an Saloniki. Durchsetzen konnte er sich nirgendwo. Dass auch Ingolstadt, das eigentlich jede Hilfe brauchen kann, erst mal abwarten will, sagt einiges über Freddy Adu, das einstige Wunderkind.
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