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deniz naki FC St. Pauli panorama 2010
  Foto: ddp, ddp
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St. Pauli zurück im Oberhaus: "Jetzt feiern wir 14 Wochen durch"

zuletzt aktualisiert: 03.05.2010 - 11:11

Hamburg (RPO). Nach dem Abpfiff brachen alle Dämme. Die mitgereisten St. Pauli-Fans fluteten den Rasen und erdrückten ihre Lieblinge fast vor Begeisterung. Die Rückkehr in die Bundesliga ist den Hamburgern zwar rechnerisch noch zu nehmen, doch daran glaubt niemand mehr.

Da angesichts von drei Punkten und 16 Toren Vorsprung auf den FC Augsburg Skepsis nun wirklich nicht mehr angebracht ist, schnappte sich Stürmer Deniz Naki eine Vereinsfahne, kletterte auf das Dach der Auswechselbank und dirigierte die Jubelgesänge der Anhänger. Präsident Corny Littmann stand mittendrin und war sichtlich gerührt. Stürmer Marius Ebbers kündigte auf Sport1 einen Partymarathon an: "Jetzt feiern wir 14 Wochen durch." Typisch St. Pauli.

"Freuen uns auf den HSV"

Coach Stanislawski flüchtete derweil schnell in die Kabine und freute sich mehr im Stillen: "Die Spieler sind heute die Hauptpersonen. Ich bin wahnsinnig stolz, dass sie den Aufstieg geschafft haben. Jetzt dürfen wir uns mit den besten Mannschaften Europas messen. Hamburg kann durchaus zwei Lokalderbys in der Bundesliga vertragen. Wir freuen uns schon auf den HSV."

Maximal drei Jahre konnten sich die Hamburger in der Vergangenheit im Fußball-Oberhaus halten, nun soll das Stück für Stück zu erneuernde Millerntorstadion auf Dauer Erstliga-Fußball beherbergen.

Es ist der fünfte Aufstieg nach 1977, 1988, 1995 und 2001 und es soll der Letzte sein. "Wir haben die Vereinsstukturen professionalisiert ohne dabei die Seele des Klubs zu beschädigen", sagt Sportdirektor Helmut Schulte. Der etwas andere Verein hat sich anpassen müssen, lässt nun auch Logen errichten, die millieu-kompatibel "Separees" genannt werden. Auch wenn es Fans gibt, die dies als Verrat an den proletarischen Wurzeln des vor exakt 100 Jahren gegründeten Arbeitervereins ansehen.

Stanislawskis Aufstieg

Schulte und auch der schrill-exzentrische Präsident Littmann, im Hauptberuf Theaterdirektor an der Reeperbahn, sind umstrittene Figuren bei diesen Hardcore-Anhängern, ungeteilter Beliebtheit hingegen erfreut sich Holger Stanislawski. Der Kult-Coach hat die Kiez-Kicker binnen vier Jahren von der dritten in die erste Liga geführt und nebenbei in Köln seine Trainerlizenz gemacht – als Jahrgangsbester und ohne währenddessen vom Klub beurlaubt zu werden, wie viele seiner kickenden Studienkollegen.

Der 39-Jährige, der in der letzten Bundesliga-Saison der Hanseaten 2001/2002 als einziger Feldspieler keine Minute versäumte, will seinen Job auch eine Etage höher fortsetzen, weiß aber, dass er auf Dankbarkeit im Profigeschäft nicht zählen darf. "Stani" emotionslos: "Irgendwann werde auch ich hier gehen müssen, so geht das im Profifußball."

Einen neuen Job wird der einst eisenharte Vorstopper problemlos bekommen, denn er gilt als Protagonist einer neuen Trainergeneration. Als sein Team im Frühjahr kurzzeitig schwächelte, brachte Stanislawski es souverän und unaufgeregt wieder auf Aufstiegskurs. Und er kann Spieler besser machen: Mit ihm steigen mehrere Akteure wie Kapitän Fabio Morena, Carsten Rothenbach, Fabian Boll und Timo Schultz auf, die er 2006 in der Regionalliga übernahm.

Die Bayern kommen wieder

Seinerzeit hatte der FC St. Pauli gerade - wieder einmal - eine schwere finanzielle Krisensituation überstanden. Die Fans kauften braune T-Shirts mit dem Aufdruck "Retter" und halfen ihrem geliebten Verein damit ebenso wie der lange am Millerntor als Münchner Fußball-Großkapitalist verhasste Uli Hoeneß, der mit Bayern München zu einem Benefizspiel in die Hansestadt kam.

Und nun wird der Rekordmeister sogar wieder zu einem regulären Punktspiel in Hamburg antreten. Gute Gelegenheit für die Bajuwaren, eine sportliche Scharte auszuwetzen. Denn das letzte Bundesliga-Gastspiel auf St. Pauli ging am 6. Februar 2002 mit 1:2 verloren. Auch zu diesem Anlass wurden T-Shirts produziert, die mittlerweile wie kostbare Antiquitäten gehandelt werden. Aufschrift: "Weltpokalsiegerbesieger". Typisch St. Pauli.

Quelle: SID/can

 
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