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Teuflisch stark: Kaiserslautern ist für die Aufstiegsfeier bereit

VON BENJAMIN TONN - zuletzt aktualisiert: 22.04.2010 - 11:52

Düsseldorf (RPO). Der Sekt im Südwesten der Republik ist schon länger kaltgestellt. Nun soll das Blubberwasser endlich zum Vorschein kommen. Bei acht Zählern Vorsprung und noch drei ausstehenden Partien fehlt dem 1. FC Kaiserslautern nur noch ein Dreier, um nach vierjähriger Abstinenz ins Oberhaus des deutschen Fußballs zurückzukehren.

Nächster Sieg: Die Lauterer besiegten Paderborn.  Foto: Janning
Nächster Sieg: Die Lauterer besiegten Paderborn. Foto: Janning

Die Aufstiegssause soll wenn möglich schon am Freitag ab 18.00 Uhr (Live-Ticker) beginnen, wenn Abstiegskandidat Hansa Rostock im heimischen Fritz-Walter-Stadion gastiert. "Wir werden eine geile Unterstützung kriegen und dann das Ding meistern", meint Shootingstar Sidney Sam, der in dieser Saison auf seiner linken Seite zu den Besten seines Fachs gehört.

Extra für die möglichen Aufstiegsspiele gegen Rostock und Augsburg am 9. Mai wurde die Kapazität des Fritz-Walter-Stadions um 1500 auf 50.000 Plätze erweitert. Zusätzliche Sitze auf der Osttribüne mit Sichteinschränkungen gingen in den Verkauf. Und selbst diese waren im Nu vergriffen. Das Stadion ist für beide Spiele ausverkauft, noch viel mehr Tickets hätten abgesetzt werden kennen. Die ganze Region fiebert der Bundesligarückkehr entgegen.

Info

Pfälzer fürchten Platzsturm

Zweitligist 1. FC Kaiserslautern will beim Heimspiel am Freitag gegen Hansa Rostock (Live-Ticker) vor der Rekordkulisse von 50.000 Zuschauern den Aufstieg perfekt machen, fürchtet aber gleichzeitig einen Platzsturm der Fans. "Wir müssen verhindern, dass die Fans den Platz stürmen. Darauf haben wir den Ordnungsdienst extra hingewiesen. Wir haben auch nicht vor, die Tore zu öffnen", sagte FCK-Pressesprecher Christian Gruber.

Stammgast ganz oben

Aus heiterem Himmel käme der Aufstieg nicht. Nur nach dem ersten und dem vierten Spieltag belegte Kaiserslautern keinen der ersten drei Ränge, seit dem 13. Spieltag sind die Roten Teufel auf dem Platz an der Sonne der 2. Bundesliga manifestiert. Auswärts holte keine Mannschaft mehr Punkte als der FCK und nur Fortuna Düsseldorf gelang es mit einem 2:0-Auswärtssieg die Festung Betzenberg zu stürmen.

Doch noch vor zwei Jahren stand der Traditionsverein aus der Pfalz vor einem Scherbenhaufen. Finanziell arg gebeutelt drohte bei acht Punkten Rückstand sechs Spieltage vor Saisonende der Fall ins Bodenlose. Der Abstieg wäre der Genickbruch für den ganzen Verein gewesen, man hätte möglicherweise nicht einmal mehr die Lizenz für die 3. Liga beantragen können. Doch mit 13 Punkten und viel Herzblut der Mannschaft und der treuen Anhänger gelang dem Gespann um Ex-Trainer Milan Sasic und dem Vorstandsvorsitzenden und Lautern-Idol Stefan Kuntz der fast nicht mehr für möglich gehaltene Klassenverbleib.

Knapp zwei Jahre später fährt der Fahrstuhl wohl in die andere Richtung. Doch von verfrühten Feierlichkeiten will Kuntz nichts wissen. "Wir konnten 1991 im Heimspiel gegen Gladbach Meister werden. Das haben wir 2:3 verloren, so dass wir in Köln gewinnen mussten", warnte die Lauterer Identifikationsfigur. "Ich werde diese Woche also mal den Märchenonkel machen und davon erzählen." Sidney Sam hat die Tabellenkonstellation von acht Punkten und zehn Toren wohl gründlicher studiert. "Das wäre sehr, sehr schlimm, wenn da noch etwas passieren würde."

Spieleretat würde fast verdoppelt

Der Bundesliga-Aufstieg allein wird die angespannte finanzielle Situation der Pfälzer aber nicht lösen. Zur wirtschaftlichen Konsolidierung seien, laut Kuntz, zwei weitere Jahre in der Bel Etage zwingend nötig. Bei einer fälligen Steuernachzahlung von über drei Millionen Euro und einem nur geringen Nachlass bei der Zahlung der Stadionmiete kann sich der 1. FC Kaiserslautern auch in naher Zukunft keine großen Sprünge erlauben. Der Spieleretat soll immerhin von 8,5 Millionen Euro auf voraussichtlich 15 Millionen Euro angehoben werden. 

Statt auf mehr oder weniger abgehalfterte Internationale setzt der FCK wie schon vor dieser Saison auf junge, hungrige und vor allem deutschsprachige Spieler. Teamgeist statt Söldnermentalität. Günstige Leihspieler statt langfristig an den Klub gebundene Abzocker. Alle Verpflichtungen des FCK in dieser Saison, ob sie Rodnei (Hertha BSC), Adam Nemec (Erzgebirge Aue) oder Bastian Schulz (Hannover 96) heißen, haben bereits in den höchsten deutschen Spielklassen ihr Können mehr oder weniger unter Beweis gestellt. Keine Blindkäufe aus Finnland oder Zypern mehr. Und auch auf der Trainerposition setzte man vor der Saison statt auf einen namhaften Coach in Marco Kurz auf ein vergleichsweise unbeschriebenes Blatt. Der aktuelle Erfolg gibt der Vereinsführung recht.

Tiffert kommt, Kirch wohl auch

Den Weg will Kaiserslautern weitergehen. Nach Angaben des „WDR-Text“ steht der vielseitige Oliver Kirch von Arminia Bielefeld kurz vor der Unterschrift. Der Wechsel von Mittelfeldspieler Christian Tiffert vom MSV Duisburg ist bereits perfekt. Für 450.000 Euro wurde auch Rodnei, Leihgabe und Korsettstange in der Lauterer Defensive, bereits von seinem bisherigen Arbeitgeber Hertha BSC Berlin losgeeist. Auch Flügelflitzer Sam, der noch bis 2011 beim Hamburger SV unter Vertrag steht, soll möglichst weiter im Lautern-Trikot wirbeln. Die Verhandlungen sollen anlaufen, sobald der Aufstieg feststeht.

Kaiserslauterns erstes Zweitliga-Intermezzo in den Neunzigern dauerte übrigens nur ein Jahr. In der Saison 1996/97 machten die Pfälzer den Aufstieg bereits am 30. Spieltag mit einem 7:0-Heimsieg gegen den VfB Lübeck ebenfalls sehr früh perfekt und wurde in der Folgesaison als Aufsteiger in Deutschland erstmals deutscher Meister. So vermessen dürften die Roten Teufel anno 2010 nicht sein...


 
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