2. Bundesliga: Lienen startet seine "Mission impossible"
zuletzt aktualisiert: 13.11.2010 - 09:24Bielefeld (RPO). Wenn Ewald Lienen am Samstag bei Arminia Bielefeld seine "Mission impossible" startet, liegt sein letzter Auftritt im Dress der Ostwestfalen als Spieler exakt 10.022 Tage zurück.
Eine lange Zeitspanne, in der sich der einstige Stürmer vom Querdenker zum akribischen Fußball-Fachmann entwickelte, in der er zehn Klubs in drei verschiedenen Ländern trainierte und in der seine einstige Langhaarfrisur einem unauffälligen Kurzhaarschnitt gewwichen ist. Und doch ist es der Name Ewald Lienen, der bei der Arminia wieder so etwas wie Aufbruchstimmung erzeugt.
Lienen, der 18 Kilometer von der Alm entfernt in Schloss Holte Stukenbrock aufwuchs, soll das Unmögliche möglich machen. Mit vier Punkten aus elf Spielen scheint der hochverschuldete Klub ein aussichtsloser Fall zu sein - nur nicht für Lienen. "Mein Traum ist es, bis zur Winterpause noch elf Punkte zu holen", sagt der Coach vor seinem Debüt gegen den VfL Osnabrück (ab 13 Uhr im Live-Ticker).
Selten hatte Lienen in seiner Trainerkarriere eine ausweglosere Situation vorgefunden. Gut, er bewahrte einst Borussia Mönchengladbach und Hannover 96 vor dem Abstieg, doch die Situation in Bielefeld ist da weitaus kniffliger. Und trotzdem demonstriert der 56-Jährige Gelassenheit. "Ich empfinde diese Situation nicht als Druck. Es ist klar, dass wir uns Ziele gesteckt haben. Und Ziele muss man sich immer hart erarbeiten, das geht nur, wenn man sich mit Engagement, Enthusiasmus und Freude dafür einsetzt", predigt er seinen Spielern.
Der Nachfolger des glücklosen Christian Ziege war in seinen ersten Tagen als Psychologe und Motivator gefragt. Dementsprechend trat Lienen auch auf. Hoffnung, Motivation und Mut habe er in den Trainingseinheiten gesehen. "Spieler ohne Selbstvertrauen sehen anders aus", sagt der Coach. Einen Grund für den tiefen Sturz in den Tabellenkeller der 2. Bundesliga konnte oder wollte er freilich nicht nennen.
Dass der Verein angesichts der vielen Abgänge im Sommer und des großen Verletzungspechs nicht konkurrenzfähig ist, dürfte aber auch Lienen nicht entgangen sein. So soll noch nachgebessert werden, so es denn die wirtschaftlichen Gegebenheiten überhaupt ermöglichen. "Wir müssen kurzfristig was tun, wir müssen kurzfristig Punkte holen, also müssen wir uns auch kurzfristig mit Spielern beschäftigen", meint Lienen. So befinden sich derzeit die vereinslosen Christian Müller (zuletzt TuS Koblenz) und Mohamed Ali Gharzoul (CS Sedan) bei den Bielefeldern im Probetraining.
Kurzfristig helfen muss aber vorerst das vorhandene Personal. Und so zählen im Derby gegen Osnabrück nur drei Punkte. "Das eigene Stadion muss wieder eine Festung werden, das müssen wir uns jetzt erarbeiten", sagt der Trainer, wohlwissend dass es zuletzt drei Heimniederlagen in Serie gab.
Die Fans trauen Lienen aber durchaus die Wende zu. Für das Spiel am Samstag sind bereits über 14.000 Karten verkauft worden. Ein Hauch von Euphorie, die auch der Coach im Umfeld spürt. "Ich bin hier sehr herzlich aufgenommen worden, von der Mannschaft, dem Umfeld und den Leuten am Trainingsgelände. Und ich habe eine gewisse Aufbruchstimmung vernommen", sagt Lienen.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum



