2. Fußball-Bundesliga: "Nobody" Finck soll Rostock retten
zuletzt aktualisiert: 23.02.2010 - 11:25Rostock (RPO). Er tritt ein schweres Erbe an: "Nobody" Thomas Finck soll als Nachfolger des im Klub so beliebten Andreas Zachhuber die schlingernde Hansa-Kogge wieder in ruhige Gewässer führen. Ausgerechnet das Ost-Derby der 2. Fußball-Bundesliga am Mittwoch zwischen Hansa Rostock und Union Berlin (18.30 Uhr im Live-Ticker) wird zur Feuertaufe für den Neuling.
"Es ist ein ganz entscheidendes Spiel für uns. Wir wollen bei den Fans und im Umfeld den Kredit zurückgewinnen und eine positive Stimmung für alle schaffen", sagt Finck vor seinem Einstand. Die Mannschaft habe zuletzt den Ansprüchen nicht mehr genügt, die Hansa Rostock an sie stelle, erklärte Finck. Nun wolle er das Steuer schnell wieder herumreißen.
Gegen Union soll die Negativserie von zuletzt fünf Spielen ohne Sieg in Folge ein Ende finden. Die Chancen dazu stehen nicht schlecht, zählt der Aufsteiger aus der Hauptstadt im Moment doch zu den auswärtsschwächeren Mannschaften der Liga. In den vergangenen fünf Spielen vor fremder Kulisse holten die "Eisernen" gerade mal einen Punkt.
Vor allem an der Einstellung seiner Profis will Finck arbeiten: "Es geht darum, die Spieler in der kurzen Zeit stark zu reden. Man muss ihnen im Training Erfolgserlebnisse verschaffen." Die Mannschaft sei zuletzt verunsichert gewesen. Man dürfe aber keine Wunderdinge erwarten. "Es sind kleine Schritte nötig, um Erfolg zu bekommen", sagt Finck, der zunächst allen Spielern aus dem aktuellen Kader eine Chance geben will.
Der 40-Jährige hatte zuletzt als Co-Trainer von Zachhuber gearbeitet. Der ehemalige Jugend- und Amateurcoach hinterließ dabei offenbar einen so guten Eindruck, dass die sportlichen Leitung ihn jetzt zum "Chef" beförderte. "Er ist keine Interimslösung. Er hat einen Vertrag bis 2011 und soll diesen auch erfüllen", sagte Rostocks Manager Rene Rydlewicz, der betonte: "Es war nie angedacht, jemand von außen zu holen."
Kein Problem für den Klub war die Tatsache, dass Finck nur in Besitz einer A-Lizenz ist und keinen Fußball-Lehrerschein vorweisen kann. "Wir haben eine Sondergenehmigung bei der Deutschen Fußball Liga erwirkt", sagte Rydlewicz. Co-Trainer wird der bisherige Torwarttrainer Marco Kostmann.
Finck sieht sich weniger als Visionär des Fußballs. "Jetzt über Spielphilosophie zu reden, bringt nichts. Wir brauchen Siege", sagte Finck, der schon lange zum Klub gehört. Bereits mit sechs Jahren meldete ihn sein Vater bei Hansa an. Der gelernte Bankkaufmann und Vater dreier Töchter absolvierte insgesamt 18 Jugendländerspiele für die DDR und belegte 1986 mit der U16-Nationalmannschaft den vierten Platz bei der Europameisterschaft. Damit ist Finck ein ähnliches Hansa-Urgestein wie Vorgänger Zachhuber, der "Retter", von dem man sich angeblich in Freundschaft getrennt hat. Rydlewicz: "Er hat uns in der vergangenen Saison vor dem Abstieg bewahrt. Das werden wir ihm nie vergessen."
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