Kiezklub vor Bundesliga-Aufstieg: St. Pauli kaum noch zu stoppen
VON BERND JOLITZ - zuletzt aktualisiert: 14.04.2010 - 14:40Hamburg/Düsseldorf (RP). Nach dem 3:0 über Konkurrent Augsburg ist der Sprung in die Erste Liga für den Kiezklub greifbar nah. Die Fans feiern Marius Ebbers als "Fußballgott" – und Sportchef Helmut Schulte empfiehlt den Torjäger für die WM.
Am 15. Mai wird der FC St. Pauli 100 Jahre alt. Grund genug für ein paar handfeste Partys bei dem Kiezklub, der ohnehin nie im Verdacht stand, Gelegenheiten zum Feiern leichtfertig verstreichen zu lassen. Spätestens seit Montagabend sieht es jedoch ganz so aus, als sollte ein anderer Anlass den runden Geburtstag bei weitem überlagern: Nach dem 3:0-Erfolg über den Konkurrenten FC Augsburg scheint St. Paulis direkter Aufstieg in die Erste Fußball-Bundesliga nur noch Formsache zu sein.
Da hilft es auch nicht viel, dass Sportchef Helmut Schulte mit aller Macht abwiegelt. "Wir haben jetzt vier Punkte Vorsprung auf Platz drei, okay. Aber mehr ist nicht passiert", mahnt der frühere Trainer fast schon verzweifelt. "Es sind schließlich noch zwölf Zähler zu vergeben." Stimmt schon – nur präsentiert sich Pauli derzeit in bedeutend besserer Form als die Augsburger und weist zudem das deutlich leichtere Restprogramm auf.
Während es die Hamburger in den verbleibenden vier Saisonpartien mit Teams aus dem Tabellenmittelfeld sowie mit den abstiegsgefährdeten Koblenzern zu tun haben, muss Augsburg noch zum designierten Meister Kaiserslautern und erwartet am Freitag den auswärtsstarken MSV Duisburg, der unversehens selbst wieder Chancen auf Rang drei wittert.
"Ganz ehrlich: Das dürfen wir uns nicht mehr nehmen lassen", sagt dann auch St. Paulis Mittelfeldspieler Florian Bruns. Es gibt schließlich keinen Grund zur Tiefstapelei. Gegen Augsburg vertrieben die Braun-Weißen die Mär, nach der sie regelmäßig in Spielen gegen die Konkurrenz versagen würden. Die blasse Vorstellung beim 0:1 in Düsseldorf schien dieser Theorie Nahrung zu geben, und auch in der ersten Hälfte am Montag stotterte der Motor der Hamburger. Matthias Lehmanns 1:0 und der folgende Doppelpack von Marius Ebbers aber brachten das Millerntor zum Erbeben.
"Marius Ebbers, Fußballgott? Das habe ich noch nie gehört" – so kommentierte der 32-Jährige nach seinen Saisontreffern 16 und 17 entsprechende Sprechchöre der Fans. In Sachen Ebbers stand jedoch selbst Schulte der Sinn nach Erhöhung: "Wie er das gemacht hat, das war so genial, dass Bundestrainer Löw noch mal über seinen WM-Kader nachdenken sollte."
Dass Ebbers den Zug nach Südafrika noch erwischt, ist allerdings bei weitem zweifelhafter als der dritte Erstliga-Aufstieg des Torjägers. 2005 schaffte er dieses Kunststück mit Köln, ein Jahr später mit Aachen.
Der Blondschopf weiß also, wie ein Aufstiegs-Bierchen schmeckt, und doch hegt er besondere Erwartungen an seinen dritten Coup: "Was hier los sein wird, wenn wir tatsächlich aufsteigen, kann sich niemand ausmalen." Für das Millerntor-Stadion käme der große Sprung fast ein bisschen früh, denn der aufwändige Umbau wird frühestens 2014 fertig. Aber das Spielen auf einer Baustelle passt ja wunderbar zu St. Paulis Underdog-Image – gerade in der Ersten Liga.
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