Quiring giftet gegen die Hertha: "Wenn die Wessis jubeln, krieg ich das Kotzen"
zuletzt aktualisiert: 04.09.2012 - 12:52Berlin (RPO). Ein unrühmlicher Ausraster von Union-Profi Christopher Quiring sorgte beim Berliner Stadtderby gegen Hertha BSC (1:2) in der zweiten Bundesliga am Montagabend für Misstöne.
Der peinliche Wutausbruch eines unverbesserlichen Union-Profis hat den Prestigeerfolg von Hertha BSC im Berliner Stadtderby in den Schatten gestellt. "Die jubeln in unserem Stadion – das kotzt mich an! Das muss man erst mal verdauen. Mein Tor ist mir scheißegal. Wenn die Wessis in unserem Stadion jubeln, krieg' ich das Kotzen", sagte Christopher Quiring dem TV-Sender Sport1.
Nach der bitteren Pleite im Hauptstadtduell gegen Hertha BSC (1:2) lagen bei dem Mittelfeldspieler die Nerven blank. Der 21-Jährige schoss unverständlich scharf gegen den Stadtrivalen und ließ die alte Ost-West-Rivalität wieder aufleben. Die Entgleisung verwundert umso mehr, da das Union-Eigengewächs erst am 23. November 1990 auf die Welt kam und vom "Eisernen Vorhang" aus eigener Erfahrung überhaupt nichts mitbekam.
Zum Spielende stand Quiring, der als Einwechselspieler den zwischenzeitlichen Ausgleich erzielt hatte (69.), ein weiteres Mal im Fokus: Nach einem Bierbecherwurf auf Hertha-Mittelfeldspieler Peer Kluge ging er auf seinen Kontrahenten los und diskutierte wild. Wenig später bekamen auch Herthas Fans den Frust des Hitzkopfes zu spüren, indem er sie verbal attackierte.
"Das war doch bestimmt ein Spaß"
Trainer Uwe Neuhaus nahm den Jung-Profi dennoch in Schutz: "Christopher ist ein Ur-Unioner. Das war doch bestimmt ein Spaß." Der Coach der Köpenicker hat ohnehin ganz andere Sorgen: Platz 16, ein Punkt aus vier Spielen, Fehlstart. Eigentlich hieß das Saisonziel Platz fünf bis sieben. "Wir fangen jetzt nicht an, unsere Vorgabe zu korrigieren", sagte Neuhaus. "Zurzeit wird jeder Fehler, den wir begehen, brutal bestraft. Im Angriff brechen wir uns den Finger in der Nase ab, anstatt den Ball reinzulegen."
Grund zur Panik sieht der Union-Trainer trotzdem nicht. Er, erklärte Neuhaus, werde nicht auf die Mannschaft einschlagen, sondern an den Zusammenhalt appellieren. "Das hat uns in der Vergangenheit immer ausgezeichnet." Vor zwei Jahren mussten die Eisernen sogar bis zum siebten Spieltag auf den ersten Sieg warten.
Ein Beispiel für Geschlossenheit lieferte ausgerechnet der Erzrivale aus dem Westen der Metropole. Die Hertha, die durch Treffer von Sandro Wagner (30.) und Ronny (73.) gewann, entdeckte im Stadtderby den Kampf für sich, agierte als Einheit. "Wir standen 90 Minuten als Team auf dem Platz, haben uns gegenseitig unterstützt. So stelle ich mir das vor", lobte Trainer Jos Luhukay. Für den 49-Jährigen war es der erste "Big Point", nachdem der Bundesliga-Absteiger in den ersten Wochen der neuen Saison viele Schwächen offenbart hatte.
Erst vor wenigen Wochen hatte er das Amt beim Bundesliga-Absteiger von Otto Rehhagel übernommen. Der Sieg im Stadtderby verschaffte ihm bei Fans und Kritikern Anerkennung - und vor allem Luft zum Durchatmen. Denn die "Alte Dame" kletterte in der Tabelle von Rang 13 auf Position sechs. "Unsere Brust ist nun deutlich breiter", sagte der Niederländer.
Kapitän Peter Niemeyer sprach sogar von einem Befreiungsschlag: "Wir können nun deutlich entspannter in die Länderspielpause gehen, an den Automatismen arbeiten und daran anknüpfen, wo wir heute aufgehört haben."





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