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Auffällige Wettbewegungen bei RWO - 1860: Zweitliga-Spiel unter Manipulationsverdacht

zuletzt aktualisiert: 06.12.2009 - 19:59

Oberhausen (RPO). Der Wettskandal hat den Fußball fest im Griff. Am Sonntagabend wurde die 2. Bundesliga durch die Meldung erschüttert, dass das am Nachmittag ausgetragene Spiel zwischen Rot-Weiß Oberhausen und 1860 München (0:1) unter Manipulationsverdacht stehe. Dass diese Begegnung durch ein Eigentor entschieden wurde, gab den Spekulationen noch zusätzlich Nahrung.

Vor dem Match zwischen RWO und 1860 hat es anscheinend verdächtige Wettbewegungen gegeben. "Der vierte Schiedsrichter kam vor dem Spiel in unsere Kabine und erwähnte, dass das Spiel unter Manipulationsverdacht stehe", sagte Oberhausens Pressesprecher Daniel Mucha dem Sport-Informations-Dienst (SID) und bestätigte damit eine Meldung der ARD-Sportschau, wonach die Partie unter Manipulationsverdacht stehe.

1860-Pressesprecher Robert Hettich sagte dem SID: "20 Minuten vor dem Spiel hat uns der frühere Bundesliga-Schiedrichter Hellmut Krug darüber informiert, dass das Frühwarnsystem Betradar auffällige Werte gemeldet habe und deshalb das Spiel unter besonderer Beobachtung stehe."

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Hettich berichtete weiter, dass Fifa-Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer aus Herne auf der Tribüne als Beobachter eingesetzt worden war und natürlich auch die Leistung von Referee Christian Fischer aus Hemer genau unter die Lupe genommen habe.

Nach Angaben von Mucha sei RWO bislang nicht mehr bekannt, auch "der Schiedsrichter wusste von offizieller Seite ebenfalls noch nichts". Das Spiel wurde dann auch noch durch ein Eigentor entschieden. In der 63. Minute verlängerte RWO-Abwehrspieler Marinko Miletic einen Freistoß von Alexander Ludwig ins eigene Tor.

"Da waren keine Auffälligkeiten zu beobachten, das war einfach Pech", kommentierte Hettich die entscheidende Szene. Auch ansonsten wäre es ein "ganz normales Spiel mit Chancen auf beiden Seiten" gewesen.

Bereits zuvor hatte die Ermittlungsakte "Flankengott" immer brisantere Details über die dunklen Machenschaften der Wettmafia zutage gebracht. Neben schwerwiegenden Anschuldigungen gegen die gesamte Mannschaft des Bremer Regionalligisten FC Oberneuland könnte ebenfalls die Bundesliga betroffen sein. Von Ermittlungen gegen einen früheren Bundesligaprofi ist die Rede, und am Wochenende wurde im Zuge der Erkenntnisse der Staatanwaltschaft Bochum erstmals der Schiedsrichter-Betrieb in Deutschland beeinflusst.

Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins Der Spiegel soll einer der Hauptbeschuldigten im Ermittlungsverfahren der Bochumer Staatsanwaltschaft gegen eine Bande mutmaßlicher Wettbetrüger bis kurz vor seiner Verhaftung am 19. November eine enge Verbindung zu einem Profi aus Osteuropa gehabt haben, der jahrelang in der Bundesliga spielte. Der Profi, der immer noch aktiv ist, soll bei dem Betreiber mehrerer Wettbüros 30.000 Euro Schulden gehabt haben.

Der Fußballprofi und der Beschuldigte tauchten nach Spiegel-Angaben bereits in einem anderen Ermittlungsverfahren der süddeutschen Staatsanwaltschaft aus dem Jahr 2006 auf. Damals war ein Spieler aus Osteuropa ins Visier der Ermittler geraten, der noch heute bei einem deutschen Erstligisten unter Vertrag steht. Das Verfahren wurde allerdings 2006.

Wurde bislang nur über mutmaßliche Manipulationen von einzelnen Spielern berichtet, könnte nun eine gesamte Mannschaft in die Machenschaften verstrickt sein. Es handelt sich um den Bremer Regionalliga-Verein Oberneuland. Dessen gesamte Mannschaft soll vor dem Spiel gegen FC St. Pauli II (0:2) am 19. September Wetten auf den Gegner platziert haben. Das berichtet Der Spiegel unter Berufung auf die Akten der Bochumer Staatsanwaltschaft.

Karen Micheli, die Geschäftsführerin des FC Oberneuland, zeigte sich von den Ermittlungen wenig überrascht. Sie habe während des Spiels einen anonymen Anruf erhalten, dass die Partie verschoben sei, sagte sie dem Spiegel. Zwei Tage später meldete sie den Verdacht beim Deutschen Fußball-Bund (DFB). Dort hatte das Frühwarnsystem der Wettüberwacher keine Auffälligkeiten registriert. Daraufhin ließ sie jeden Spieler eine strafbewehrte eidesstattliche Versicherung unterschreiben, nicht auf diese Partie gewettet zu haben.

Erstmals hatte der Skandal auch Einfluss auf den Schiedsrichterbetrieb im deutschen Fußball. Thorben Siewer wurde vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) kurzfristig als Assistent vom Spiel der 3. Liga am Samstag zwischen dem VfL Osnabrück und Wacker Burghausen abgezogen. Der 22-Jährige aus Drolshagen soll nach DFB-Informationen namentlich in den Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaft Bochum zu möglichen Spielmanipulationen auftauchen.

"Es handelt sich dabei um eine rein vorsorgliche Maßnahme des Verbandes auch zum Schutze des Schiedsrichters", sagte DFB-Vizepräsident Rainer Koch: "Derzeit haben wir nur unsere eigenen Ermittlungsergebnisse. Wir erwarten zeitnah Akteneinsicht bei der Staatsanwaltschaft in Bochum, dann werden wir den Sachverhalt lückenlos aufklären und exakt bewerten können. Solange dies nicht geschehen ist, gilt für Herrn Siewer natürlich die Unschuldsvermutung."

Siewer wurde durch Christof Günsch (Battenberg/Eder) ersetzt. Koch ordnete die kurzfristige Umbesetzung nach Abstimmung mit Jörg Englisch, dem Leiter der Task Force "Spielmanipulation", und mit Zustimmung des DFB-Präsidenten Theo Zwanziger an.

Quelle: SID/can

 
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