Huber fürchtet auch Pierce nicht / Schüttler flüchtete "sauer" aus New York: Geduldiger Kiefer zermürbte Schalken
zuletzt aktualisiert: 03.09.2000 - 19:59New York (dpa). Nicolas Kiefer lässt Anke Huber nicht allein in New York. Mit einer Engelsgeduld rieb der derzeit beste deutsche Tennisspieler am Sonntag im heißen New York den Niederländer Sjeng Schalken in einem zermürbenden und kräftezehrenden Grundlinien-Duell erfolgreich auf und folgte der Karlsdorferin mit einem glatten 7:5, 6:3, 6:4-Sieg ins Achtelfinale der US Open. Anke Huber war bereits am Samstag mit einem 6:2, 6:3 gegen die Russin Elena Lichowtsewa ohne Satzverlust in die zweite Woche des mit 15 Millionen Dollar dotierten Grand-Slam-Turniers eingezogen.
Das deutsche Trio wurde nur von Rainer Schüttler gesprengt. Der Daviscup-Spieler aus Bad Homburg verpasste mit einem 2:6, 6:3, 4:6, 4:6 gegen den unbekannten Südkoreaner Hyung-Taik Lee den erstmaligen Einzug ins Achtelfinale eines Grand Slams und war "total sauer".
Nicolas Kiefer scheint nach einer langen Durststrecke mit viel Verletzungspech, frühen Niederlagen und dem Trainerwechsel von Bob Brett zu Sven Groeneveld endlich wieder der "Alte" zu werden. "Es geht bergauf - langsam", sagte er in New York. Gegen Schalken ließ er sich zwei Stunden lang in gähnend langen Ballwechseln nicht aus der Reserve locken und agierte darüber hinaus sehr stabil beim eigenen Service. Den Grundstein zum Sieg legte Kiefer im 51 Minuten langen ersten Satz, als er beim ersten Satzball endlich die achte Breakchance verwerten konnte. Ein Doppelfehler von Schalken zum 4:2 für Kiefer entschied Durchgang zwei, und auch im dritten Satz genügte Kiefer ein Break zum 5:4. In seinem ersten US-Open-Achtelfinale wird es sich gegen Magnus Norman aus Schweden oder den Weißrussen Max Mirnyi dennoch steigern müssen.
Anke Huber sieht nach "drei angenehmen Runden" auch der Aufgabe gegen Angstgegnerin Mary Pierce ohne Ehrfurcht entgegen. "Ich muss aggressiv spielen und sie zum Laufen bringen. Das ist ihre Schwäche", sagte die beste deutsche Tennisspielerin. Die schwarze Serie von zuletzt fünf Niederlagen gegen die 25-jährige French-Open-Siegerin kann sie vor dem insgesamt elften Duell an diesem Montag nicht schrecken. "Diesmal bin ich besser drauf", sagte sie selbstbewusst.
Huber und Kiefer wollen in New York mehr - Rainer Schüttler dagegen wollte am Samstag nur noch weg. "Ich fliege noch heute Abend nach Hause", grummelte der 24-Jährige, der einer "sehr, sehr großen Chance" nachtrauerte. "Gegen Pete Sampras bei den US Open auf dem Center Court zu spielen, ist schließlich ein Traum", bemerkte er.
Dem Titelfavoriten aus den USA reichte gegen Augustin Calleri aus Argentinien ein Break im gesamten Match, um mit 7:6 (7:5), 7:6 (7:3), 6:3 zu gewinnen. Einige prominente Namen patzten dagegen unerwartet früh, neben Jewgeni Kafelnikow (Russland) und Mark Philippoussis (Australien) erwischte es auch den Briten Tim Henman, der um 1:30 in der Nacht zum Sonntag nach 3:24 Stunden gegen Richard Krajicek (Niederlande) im fünften Satz mit 5:7 verlor.
Anke Huber konnte sich nicht erinnern, wann sie zuletzt ohne Satzverlust ins Achtelfinale eines Grand-Slam-Turniers eingezogen ist. Nach der Rückkehr zu ihrem einstigem Entdecker Boris Breskvar, mit dem sie auch nach den US Open weiter arbeiten wird, hat sie den Spaß und den Erfolg auf dem Tennisplatz wiedergefunden. Sogar ihr Nervenkostüm hat sie offenbar endlich besser im Griff als früher, auch wenn sie scherzte: "Es wird bestimmt immer wieder die Anke- Huber-Spiele geben, bei denen ich durchdrehen werde." Ein Sieg gegen die an Nummer vier gesetzte Mary Pierce würde Huber glänzende Aussichten eröffnen. Denn dann würde sie im Viertelfinale in Elena Dementjewa (Russland) oder Lilia Osterloh (USA) auf eine große Außenseiterin treffen.
Tennis-Darling Anna Kurnikowa mag für viele (männliche) Fans die Nummer eins sein, als Spielerin muss die 19-Jährige weiterhin auf ihren ersten Turniersieg warten. Vier Jahre nachdem die Russin im zarten Alter von 15 Jahren bei den US Open '96 als Qualifikantin bis ins Achtelfinale vorstieß, die Zuschauer verzauberte und erst an der späteren Turniersiegerin Steffi Graf scheiterte, unterlag sie schon in Runde drei gegen die ein Jahr jüngere Justine Henin aus Beligien mit 4:6, 6:7 (5:7). "Ich habe nicht aggressiv genug gespielt", sagte Kurnikowa und schmollte. Ihre Bezwingerin gab ihr indirekt einen Rat, worauf es im Sport tatsächlich ankommt: "Ich bin nicht hier, um Kino zu machen", bemerkte Henin: "Ich bin hier, um Tennis zu spielen."
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