Rohwein wird Nachfolger/"Grober Mängel in methodischer Arbeit": Gefeuert: Aus für Skisprung-Cheftrainer Steiert
zuletzt aktualisiert: 08.10.2004 - 15:28Leipzig (rpo). Überraschend hat sich der Deutsche Skiverband (DSV) von seinem Skisprung-Cheftrainer Wolfgang Steiert getrennt. Steiert falle es schwer, diese Entscheidung zu akzeptieren. Ein Nachfolger ist bereits zur Stelle.
Der DSV hat Steiert wegen "grober Mängel in der methodischen Arbeit" zu diesem Zeitpunkt überraschend abgelöst und durch seinen bisherigen Co-Trainer Peter Rohwein ersetzt. Der 42-Jährige soll gemeinsam mit dem neuen Assistenten Jürgen Wolf und Wissenschaftsexperte Horst Mroß die Krise der deutschen Skispringer beenden und bei der Heim-WM im Februar 2005 in Oberstdorf und den Olympischen Winterspielen 2006 in Turin Medaillen garantieren. Die Meinung des im Nachwuchsbereich tätigen Ex-Cheftrainers Reinhard Heß soll zudem wieder mehr gehört und ein weiterer Sprung-Trainer benannt werden.
"Natürlich ist der Zeitpunkt ungünstig, aber wir konnten keine Stunde mehr warten", sagte DSV-Generalsekretär Thomas Pfüller dem sid und fällte ein vernichtendes Urteil über Steiert: "Die Analysearbeit war gelinde gesagt lückenhaft, ein längerfristiger Erfolg ist da gar nicht möglich. Steiert hat aus dem Bauch heraus gearbeitet. Mit Leuten, die er lange kennt, wäre so vielleicht noch ein gutes Zufallsergebnis möglich gewesen, aber eine Funktion direkt am Mann ist eben etwas anderes, als wenn man als Cheftrainer selbst Pläne zu erstellen und umzusetzen hat."
Der nach eigener Aussage "von der Entwicklung überfahrene" Rohwein warnte vor der Erwartung, man könne ganz schnell Seriensieger wie einst Martin Schmitt und Sven Hannawald produzieren. "Wir wollen die jungen Leute Schritt für Schritt weiter zur Spitze hin entwickeln", sagte Rohwein: "Es ist ja nicht alles verkehrt gewesen. Einiges müssen wir jetzt wieder ins Laufen bringen." Die Athleten erhielten die Botschaft im Trainingscamp im WM-Ort Oberstdorf sieben Wochen vor dem Weltcup-Auftakt im finnischen Kuusamo.
Heß will sich nicht verweigern
Der einstige Erfolgsstrainer Heß versprach, sich nicht zu verweigern, "wenn meine Meinung eingeholt wird. Aber auch Wolfgang hat mich gefragt." Offenbar hörte der Nachfolger aber zu wenig auf den einst von ihm selbst und seinen Musterschülern Hannawald und Schmitt gestürzten Lehrmeister. Steiert, der eigentlich bis Turin 2006 die Verantwortung tragen sollte, wird künftig am Stützpunkt in Hinterzarten arbeiten, hat somit Schmitt unter seinen Fittichen und wird möglicherweise auch bald wieder mit dem am "Burnout-Syndrom" leidenden Hannawald arbeiten.
"Die Ergebnisse des Sommer-Grand-Prix lassen sich sicher nicht schönreden", so Steiert: "Allerdings war meine Trainingskonzeption von Anfang an auf den Winter ausgerichtet. Deshalb fällt es mir auch sehr schwer, diese Entscheidung zu akzeptieren." Er sei nun für alles offen, liebäugelt aber wohl mit einem Chefposten im Ausland: "Wenn es offenbar immer mehr zugeht wie im Fußball, dann wird sicher rasch irgendwo wieder eine Stelle frei."
Laut Pfüller wird es in der kommenden Woche Gespräche bezüglich der weiteren Vorgehensweise mit Rohwein geben, der seine Vorstellungen darlegen soll. Der Ex-Skispringer aus Isny im Westallgäu hatte von 2001 bis 2003 die Kombinierer als Sprungtrainer maßgeblich mit zurück in die Weltspitze geführt. Wolf war bisher für die Kondition verantwortlich. Mroß, Experte vom Institut für Angewandte Trainingswissenschaften (IAT) in Leipzig, war unter Steiert nicht ausreichend eingebunden worden.
"Das kostet uns eine Menge Geld"
Bezüglich der Ablösung von Steiert sagte Pfüller: "Das kostet uns eine Menge Geld, aber diese Entscheidung wollten wir treffen, koste es, was es wolle." Beschlossen wurde auch, dass Rudi Tusch, Sportwart Nordisch im DSV, zur Entlastung von Rohwein zeitweise als Teamchef fungieren wird.
Team-Olympiasieger und RTL-Experte Dieter Thoma bezeichnete die Ablösung als überfällig. Der Verband hätte nach Ansicht des ehemaligen Tourneesiegers bereits früher reagieren können. Die neue Situation werde bei den Springern sicher neue Motivation freisetzen. Der dreimalige Olympiasieger Jens Weißflog meinte: "Steierts Problem war, dass er sich als Chef nicht mehr wie unter Heß 24 Stunden lang um seine Leute wie Schmitt kümmern konnte."
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