| 07.19 Uhr

New York
Gehirnzellen am Anschlag

New York. Die Schach-WM zwischen Magnus Carlsen und Sergei Karjakin kann sich heute in der letzten regulären Partie entscheiden. Ansonsten gibt es eine Verlängerung. Von Dominik Kortus

Vor dem Showdown um die Schach-Krone gibt sich Titelverteidiger Magnus Carlsen demonstrativ selbstbewusst. Die Psychospielchen vor der womöglich entscheidenden WM-Partie zwischen dem Norweger und seinem Herausforderer Sergei Karjakin haben längst begonnen. "Das Match läuft inzwischen in meine Richtung. Definitiv", sagte Carlsen nach dem Remis in der vorletzten regulären Partie am Samstagabend - und wiederholte seine Einschätzung wenig später vorsichtshalber gleich ein zweites Mal. "Ich freue mich auf den Rest der WM. Ich gehe optimistisch in die Partie. Ich habe mich viel entspannter gefühlt als in den vorherigen Runden."

5,5 Punkte haben beide Kontrahenten bisher erreicht, sollte Duell Nummer zwölf einen Sieger finden - er wäre auf jeden Fall Weltmeister. Andernfalls kommt es am Mittwoch, Carlsens 26. Geburtstag, zum Tie-Break. Schon jetzt wird daher über den mentalen Anteil am Ausgang des WM-Kampfs spekuliert. In den norwegischen Medien wurde Karjakins Aussage, 80 Prozent sei nun Psychologie, bereits als Zeichen der Schwäche ausgelegt. Zumal sich Carlsen unbeeindruckt gab: "Entscheidend sind nur die Züge auf dem Brett. Darauf konzentriere ich mich."

Es scheint, als habe Carlsen nach seinem enorm wichtigen Sieg in der zehnten Partie einen Teil seines Selbstvertrauens zurückgewonnen. Zumindest will sein Lager genau diesen Eindruck vermitteln. "Magnus war vor der Begegnung sehr ruhig und konzentriert", sagte sein Vater Henrik: "Das Remis war sehr gut vor der letzten Runde."

Am heutigen Montag hat Carlsen zudem den Vorteil der weißen Steine. Doch: Karjakins einzige beiden Siege in seiner Karriere gegen den Norweger gelangen ihm jeweils mit Schwarz. "Da ich Weiß habe, denke ich, dass ich es zumindest in den Tie-Break schaffe", betonte Carlsen dennoch.

Sollte die letzte reguläre Begegnung am Montag ebenfalls mit einem Remis enden, käme es zum Stechen - und zu einem spektakulären Mittwoch. Dann gibt es zunächst vier Partien mit auf 25 Minuten verkürzter Bedenkzeit. Steht auch danach kein Sieger fest, duellieren sich die beiden Kontrahenten im Blitzschach mit nur fünf Minuten Bedenkzeit.

Maximal fünf mal zwei Blitzpartien sind möglich, sollte es jeweils 1:1 stehen. Anschließend käme es zu einer "Armageddon"-Partie. Dabei hat der Spieler mit den weißen Figuren fünf, sein Gegner vier Minuten Bedenkzeit. Bei einem Remis ist der Spieler mit Schwarz Weltmeister.

Für die meisten Experten ist Carlsen auch im Tie-Break Favorit. 2015 verteidigte er seinen WM-Titel im Schnellschach in Berlin erfolgreich. Allerdings bewies Karjakin mit seinem bisherigen Auftreten in New York, dass er sich in der Rolle des Außenseiters durchaus wohl fühlt.

(sid)
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