Gegen Wimbledonfinalisten Nalbandian: German Open: Schüttler draußen
zuletzt aktualisiert: 16.05.2003 - 09:33Hamburg (rpo). Ohne einen deutschen Profi findet die entscheidende Phase der German Open in Hamburg statt. Rainer Schüttler hat den erhofften Viertelfinaleinzug beim bedeutendsten deutschen Turnier verpasst.
Es war ein "schwarzer Donnerstag" für Boris Becker und Co. Alle großen und in Deutschland populären Namen ausgeschieden - die Rettungsaktion für den Hamburger Rothenbaum wird am Wochenende nicht leichter. "Es hätte besser laufen können", sagte Turnierdirektor Walter Knapper mit gequältem Lächeln nach dem Aus des letzten deutschen Hoffnungsträgers Rainer Schüttler. Mit 6: 7 (3:7), 2:6 nach einer enttäuschenden Leistung blieb der Korbacher gegen den Argentinier David Nalbandian auf der Strecke. "Ich habe meine Chancen nicht genutzt, ich kann nicht zufrieden sein", sagte Deutschlands Nummer eins.
Doch damit nicht genug: Nachdem sich schon am Mittag Publikumsliebling Gustavo Kuerten aus Brasilien, der Sieger von 2000, mit einem 6:7 (4:7), 4:6 gegen den Südafrikaner Wayne Ferreira verabschiedete hatte, traf es in der letzten Partie des Abends Roger Federer. Die Schweizer Nummer eins unterlag dem Australier Mark Philippoussis 3:6, 6:2, 3:6.
Zuvor war bereits der neue spanische Teenie-Star Rafael Nadal mit 2:6, 2:6 gegen den Argentinier Gaston Gaudio ausgeschieden. Und zu allem Überfluss scheiterte auch noch der Weltranglisten-Erste Lleyton Hewitt 1:6, 6:3, 0:6 am Chilenen Fernando Gonzalez. Der ist am Freitag nun der Viertelfinalgegner von Nalbandian - ein südamerikanisches Duell statt der Wunschpartie Hewitt gegen Schüttler, die echte Chancen auf bundesweite TV-Präsenz gehabt hätte.
Doch der Traum platzte frühzeitig. Coach Dirk Hordorff rauchte eine Zigarette nach der anderen vor Nervosität, die rund 11.000 Zuschauer halfen bei jeder Gelegenheit mit rhythmischem Klatschen. Aber Schüttler konnte sich nie aus seiner Verkrampfung befreien. Ein verschämtes Winken noch, als er den Platz verließ, dann war Hamburg 2003 für ihn beendet. "Ich gehe aber davon aus, dass ich im nächsten Jahr wieder komme", sagte der Nordhesse, "ich hoffe, dass Hamburger Turnier wird es noch lange geben. Alles andere wäre eine Katastrophe."
Turnierchairman Becker war erst Mitte des ersten Satzes im Spielertunnel zum Centre Court erschienen, um Schüttlers Match zu verfolgen. Er hatte große Hoffnungen auf einen Hamburger Höhenflug des Nordhessen gesetzt. Zuletzt gelang Tommy Haas 1999 der Viertelfinaleinzug beim wichtigsten deutschen Turnier. Letzter deutscher Sieger war Michael Stich 1993. "Ich habe von außen keinen Druck wegen des Turniers verspürt", sagte Schüttler, "den Druck habe ich mir selbst gemacht, weil ich eigentlich gut gespielt habe in dieser Sandplatzsaison. Deshalb bin ich so entäuscht."
Doch er wirkte während des gesamten Matches verkrampft und leistete sich zahlreiche unerzwungene Fehler. Vor allem seine Vorhand segelte ein ums andere Mal unbedrängt ins Netz oder Aus. Nalbandian "nervte" den Deutschen außerdem immer wieder mit gelungenen Stoppbällen. Der Weltranglisten-Elfte konnte zudem seine wenigen Chancen nicht nutzen. Im ersten Satz führte er im Tiebreak bereits mit 2:0 und machte danach nur noch einen Punkt. Im zweiten Durchgang vergab er bei 2:2 drei Breakbälle. Nalbandian nutzte dagegen Schüttlers Fehler gnadenlos aus und schaffte im zweiten Durchgang das vorentscheidende Break zum 4:2. Nach 1:40 Stunden war es vorbei. "Es waren zu viele Fehler dabei, er hat einfach besser gespielt", meinte Schüttler.
Dem 21-Jährigen aus Cordoba gelang damit eine gelungene Revanche für die Viertelfinalniederlage bei den Australian Open. Mit ihm, Guillermo Coria, Augustin Calleri und Gaston Gaudio stehen vier Argentinier unter den letzten Acht. Letzter argentinischer Sieger in Hamburg war 1978 Guillermo Vilas. "Nun hoffe ich natürlich, dass ich das Turnier gewinne", meinte Wimbledon-Finalist Nalbandian.
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