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Charmonix 1924
Die "Wintersportwoche" in den französischen Alpen dauerte zwölf Tage und erlebte 14 Entscheidungen. Unbestrittener König der Spiele war der Norweger Thorleif Haug als Sieger in der Nordischen Kombination, damals das Maß aller Dinge im Wintersport. Deutschland durfte sechs Jahre nach Ende des I. Weltkrieges noch nicht starten.
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St. Moritz 1928
Hanns Killian aus Garmisch-Partenkirchen steuerte seinen Fünfer-Bob zu Bronze und damit zur ersten deutschen Medaille bei Winterspielen. Den Sieger-Schlitten lenkte der erst 16-jährige US-Boy William Fiske. Noch ein Teenager löste Erstaunen aus: Die 15-jährige Norwegerin Sonja Henie gewann ihr erstes Eiskunstlauf-Gold. Die Berliner tauften sie "Häseken".
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Lake Placid 1932
Sonja Henie und Bill Fiske (auf seiner Heimbahn) feierten das Double. Mit im US-Bob (nun ein Vierer) saß Edward Eagan, 1920 schon Box-Olympiasieger (im Halbschwergewicht). Nur er holte bis heute Gold im Sommer und im Winter - wenn auch 1932 als reiner Passagier, denn Anschieben der Bobs war noch verboten. Gegen die Massenstarts beim Eisschnelllauf protestierten Skandinaviens Stars vergeblich, fühlten sich im falschen Film und verließen vorzeitig das Theater.
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Garmisch-Partenkirchen 1936
Die Alpinen gaben mit der Kombination ihr Debüt, von den Nordischen noch etwas belächelt. Nicht ganz zu Unrecht, denn die sportliche Klasse war schmal: Die Allgäuerin Christl Cranz büßte durch Sturz auf der Abfahrt zwar 19 Sekunden ein, machte das im Slalom aber locker wett. Sonja Henie verabschiedete sich mit 24 Jahren und ihrem dritten Gold zur Eisrevue und nach Hollywood, wo sie Millionen scheffelte. Deutschlands erstes Traumpaar Herber/Baier lief zu Gold.
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St. Moritz 1948
Knapp drei Jahre nach dem II. Weltkrieg blieben die Deutschen wieder draußen vor der Tür. Dafür reisten gleich zwei US-Eishockey-Teams an und sorgten für einen Familienkrach. Das eine marschierte zur Eröffnung ein, das andere durfte spielen, wurde Vierter und dann aus der Wertung genommen. Der Schwede Mora-Nisse Karlsson, durch neun Siege beim Wasa-Lauf eine Ski-Legende, gewann die 50 km - für ihn eher eine Kurzstrecke. US-Boy Dick Button (18) sprang mit dem ersten Doppelaxel zum Gold.
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Oslo 1952
Die ersten Spiele in der Heimat des Wintersports erlebten die Langlauf-Premiere der Frauen. Eine gesamtdeutsche Mannschaft scheiterte an der Politik, nur die Bundesrepublik durfte starten. Anderl Ostler, ein Bayer wie aus dem Bilderbuch, steuerte seine Bobs mit superschwerer Besatzung zu zwei Siegen. Anschließend wurde ein Gewichtslimit eingeführt. Das zweite deutsche Traumpaar Faran/Balk erlief das dritte Gold. Dick Button sprang mit dem ersten dreifachen Toelopp zu seinem zweiten.
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Cortina d'Ampezzo 1956
Erstmals stellten die Alpinen den Superstar. Der Österreicher Toni Sailer fuhr in einer anderen Welt und zu allen drei Goldmedaillen. Im Riesenslalom (nur ein Lauf) trennten ihn über sechs Sekunden vom Zweiten. Erstmals betrat die UdSSR die olympische Winter-Arena und gewann gleich die Nationenwertung. Für die erste gesamtdeutsche Mannschaft holte der Klingenthaler Harry Glaß am Schlusstag im Springen Bronze und damit die erste olympische Medaille für einen Sportler aus der "DDR".
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Squaw Valley 1960
In den kalifornischen Bergen entstand der erste Wintersportort aus der Retorte. Nur eine Bobbahn war den Investoren zu teuer. Dafür gab es erstmals Eisschnelllauf für Frauen, und Biathlon - natürlich nur für Männer. Die Skandinavier erlebten den Fall von zwei Bastionen. Der Thüringer Helmut Recknagel gewann das Springen, Georg Thoma die Nordische Kombination. Der "Jörgli", ein Postbote aus dem Schwarzwald, wurde daraufhin 1960 Deutschlands Sportler des Jahres - nicht etwa Armin Hary, der Weltrekordler (10,0) und Olympiasieger über 100m.
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Innsbruck 1964
Das Weltmeister-Traumpaar Kilius/Bäumler holte nur Silber - welche Enttäuschung in Deutschlands Wohnstuben. Für mehr Freude sorgten im Nachbarland die französischen Schwestern Goitschel: Christine (1. im Slalom) und Marielle (1. Riesenslalom) teilten Gold und Silber jeweils unter sich auf. Die DDR sahnte beim Rodel-Debüt kräftig ab, im Springen gab es erstmals zwei Schanzen. Mit dem Schweden Sixten Jernberg trat der erfolgreichste Langläufer der "klassischen" Ära (4-3-2) mit dem Sieg im Skimarathon ab.
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Grenoble 1968
Der olympische Geist ging in den Savoyer Alpen verloren, weil die Schauplätze zu weit verstreut lagen. Die Folge waren Spiele ohne Flair. Nur Gastgeber Frankreich platzte fast vor Stolz, denn Jean-Claude Killy (vorne, 3. v.l.) gewann wie Toni Sailer 1956 alle drei alpinen Rennen. Die DDR gab ihr Olympiadebüt als eigene Mannschaft. Ihre drei Rodlerinnen (Plätze 1-2-4) wurden disqualifiziert, weil sie ihre Kufen angewärmt hatten - das sorgte für heiße Schlagzeilen im Kalten Krieg.
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Sapporo 1972
Die ersten Winterspiele in Asien begannen mit einem Riesenskandal. Kurz vor dem Auftakt schloss das IOC den Österreicher Karl Schranz als alpinen Profi aus. IOC-Präsident Avery Brundage wurde zum "Staatsfeind" in Wien erklärt, wo sich 100.000 zur Heimkehr des Märtyrers versammelt hatten. Für Japan waren die Spiele gerettet, als seine Springer die Plätze 1-2-3 belegten. Die DDR-Rodler tilgten die Schmach von Grenoble mit einer Goldschwemme. Der Münchner Erhard Keller gewann wie 1968 den Eissprint, den Rest beherrschte der Holländer Ard Schenk nach Belieben. Kanada boykottierte erstmals das Eishockeyturnier, weil es keine Profis einsetzen durfte.
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Innsbruck 1976
Vorausgegangen war der nächste Skandal: Denver gab Ende 1972 die Spiele nach Protesten der Umweltschützer und wegen zu hoher Kosten zurück. So sprang Innsbruck ein, zumeist mit den Anlagen von 1964. Es wurden die Spiele der Rosi Mittermaier von der Winklmoosalm: Gold in Abfahrt und Slalom, Silber im Riesenslalom und ein Lächeln, das um die Welt ging. Österreich stellte nur zwei Sieger, aber mit Franz Klammer (Foto rechts) den in der Abfahrt. Da ließ sich alles andere verschmerzen. Das bundesdeutsche Eishockeyteam gewann mit 4:6 Punkten Bronze. Weshalb, konnte kein Regelexperte so richtig erklären.
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Lake Placid 1980
Wieder lagen dunkle Wolken über dem Olymp: US-Präsident Carter (Foto) hatte wegen des Einmarsches der UdSSR in Afghanistan bereits den Boykott der Sommerspiele von Moskau 1980 angedroht. Doch noch sorgte der Sport für die Schlagzeilen - und wie: Im Eishockey schlug eine US-Studententruppe die sowjetischen Seriensieger mit 4: 3. Das war wirklich einmal eine "Sensation". Olympia-Geschichte schrieben der 21-jährige Eric Heiden (USA), der alle fünf Eisschnelllauf-Strecken gewann, sowie mit ihrem dritten Gold in Serie die Russin Irina Rodnina im Paarlauf und Ulrich Wehling aus Oberwiesenthal in der Nordischen Kombination.
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Sarajevo 1984
Die britischen Eistänzer Torvill/Dean verzauberten Publikum und Kampfrichter. Für ihren "Bolero" von Ravel erhielten sie neunmal die 6,0. Bei den Damen bestieg die 19-jährige Sächsin Katarina Witt (Foto) den Thron: das "schönste Gesicht des Sozialismus". Erstmals übertrumpfte der kleine Bruder DDR im Medaillenspiegel die große UdSSR. Auch dank Wolfgang Hoppe, der beide Bobs zu Gold steuerte. Noch ahnte keiner die Schrecken, die der kommende Balkan-Krieg auch über Sarajevo bringen würde.
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Calgary 1988
Noch wusste niemand, dass es die letzten Winterspiele für die beiden Sportgiganten UdSSR und DDR waren. Katarina Witt verabschiedete sich mit "Carmen" und ihrem zweiten Gold schon einmal zur Eisrevue. Im Mittelpunkt der Alpinen standen der schrille Italiener Alberto Tomba und die stille Schweizerin Vreni Schneider; zum Überflieger der Springer wurde der Finne Matti Nykänen mit dreimal Gold. Sandstürme aus der Prärie wirbelten die Zeitpläne gehörig durcheinander. Pech für ABC, das 309 Millionen Dollar für die TV-Rechte gezahlt hatte, mehr als Konkurrent NBC (300 Millionen) für die Sommerspiele von Seoul.
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Albertville 1992
Wieder waren es kalte Spiele, ganz nach dem Muster von 1968. Das IOC hatte sich selbst ausgetrickst, um Frankreich zu besänftigen. Die Sommerspiele sollten nicht an Paris gehen, sondern an Barcelona, Heimatstadt von IOC-Chef Samaranch; so führte an Albertville kein Weg vorbei. Die Fernsehzuschauer wurden durch die Premieren von Trickski, Shorttrack und Damen-Biathlon entschädigt. Deutschland, gerade wiedervereinigt, holte die meisten Medaillen; zu ihren ersten aus Gold kamen Gunda Niemann und Georg Hackl (Foto). Die fünf Teams aus der ehemaligen UdSSR zogen hinter der Fahne mit den fünf Ringen ein.
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Lillehammer 1994
Das neue olympische Zeitalter nach der Trennung von Winter- und Sommerspielen begann als Wintermärchen. Ein Dorf in Norwegen wurde zum Schauplatz der vielleicht schönsten Spiele. Bei strahlender Sonne und klirrender Kälte säumten täglich Zehntausende die Loipen und Hänge. Sie feierten selbst dann noch, als ihnen Italien den Sieg in der Langlaufstaffel auf dem Zielstrich entriss. Das deutsche Kapitel im Märchen schrieb Markus Wasmeier, der mit 30 Jahren völlig unerwartet zwei alpine Goldmedaillen gewann.
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Nagano 1998
Nach Lillehammer hätte es jeder schwer gehabt, aber die Japaner hielten sich achtbar. Verdienter Lohn war zum Abschluss ihr Sieg im Mannschaftsspringen. Österreich trumpfte mit Hermann Maier auf, Deutschland mit Frauen-Power, angeführt von Katja Seizinger und Gunda Niemann. Georg Hackl rodelte zum dritten Gold in Serie. Der Norweger Björn Dählie wurde mit seinem achten Sieg in der Loipe zum erfolgreichsten Wintersportler der Geschichte. Erstmals gab es Curling, Snowboard und Frauen-Eishockey. Die NHL-Profis aus Kanada und den USA sahen sich bei ihrer Olympiapremiere vom tschechischen Torwartwunder Dominik Hasek gestoppt.
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Salt Lake City 2002
Erst hatten zehn Mitglieder das IOC nach dem Bestechungsskandal um die Wahl der Mormonen-Metropole verlassen müssen, dann erschütterten am 11. September 2001 die Terroranschläge auf die USA die Welt. Doch das IOC hielt an den Spielen fest, und sie wurden vor 1,6 Millionen Zuschauern ein großer Erfolg. Neu im Programm waren Frauen-Bob und "Langlauf-Sprints", für Skeleton (bereits 1928/48 dabei) gab es ein Comeback. Kurz vor der Schlussfeier wurden drei Langläufer des Blutdopings überführt: der Deutsch-Spanier Johann Mühlegg sowie die Russinnen Larissa Lasutina und Olga Danilowa. Stars der Spiele waren die Kroatin Janica Kostelic (Alpin/3 Gold) und der Norweger Ole Einar Björndalen (Biathlon/4, Foto). Claudia Pechstein siegte zum dritten Mal in Serie im 5000-m-Eisschnelllauf und wurde zur erfolgreichsten deutschen Winter-Olympionikin (4-1-2).
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Turin 2006
Deutschland wurde dank Biathleten (5 Gold, vier Silber, zwei Bronze) und Bob (3 Siege) erfolgreichstes Team mit 29 Medaillen - nur vier Jahre zuvor in Salt Lake City (36) hatte es mehr gegeben. Dreimal Gold holte allein Biathlet Michael Greis, Claudia Pechstein wurde durch ein fünftes Eisschnellauf-Gold die erfolgreichste Deutsche bei Winter-Olympia. Neu im Programm waren Snowboard-Cross, Langlauf-Teamsprints und Mannschaftsverfolgung im Eisschnelllauf. Rekorde gab es mit insgesamt 84 Entscheidungen, 80 Teilnehmerländern und 1219 Dopingtests. Als Medaillengewinnerin wurde die Russin Olga Pylewa nach Platz zwei im 15-km-Skilanglauf (Carphedon) zwei Jahre gesperrt, ebenso fünf österreichische Skilangläufer und Biathleten wegen Blutdopings. Das IOC schloss sie lebenslang aus, verpasste Österreichs NOK eine Rekordstrafe von einer Million Dollar.
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Vancouver 2010
Mit 86 Entscheidungen wird in Vancouver der Rekord von Turin (84) weiter nach oben geschraubt. Neu dazu kommen Freestyle-Cross bei Männern und Frauen. Auch die Höchstzahl von 80 Teilnehmer-Ländern 2006 dürfte überboten werden. 2500 Dopingtests sind angekündigt, mehr als doppelt so viele wie 2006 (1219). Alle Proben werden bis 2018 eingefroren.