Heike Drechsler stellte Autobiografie vor: Geständnisse einer "Jahrhundert-Athletin"
zuletzt aktualisiert: 16.10.2001 - 13:31Leipzig (rpo). Heike Drechsler will mit ihrer Autobiografie "Absprung" vor allem mit Vorurteilen gegenüber dem DDR-Sportsystem aufräumen: "Ich möchte zeigen, dass wir trotz des Leistungsdrucks unseren Spaß hatten." Und die gute Zusammenarbeit zwischen Vereinen, Schulen und Trainingszentren vermisse sie heutzutage oft.
Auf 261 Seiten schildert die zweimalige Olympiasiegerin und vierfache Weltmeisterin ihre fast 25-jährige Zeit im Hochleistungssport - von der Kinder- und Jugendsportschule in Bad Blankenburg über das Training mit Schwiegervater Erich Drechsler bis zum neuen Coach Dan Vladescu. Der Sport sei natürlich prägend gewesen, sagte die 36-Jährige. Aber nicht nur.
Den Titel "Absprung" habe der Lektor vorgeschlagen, erklärte die blonde Weitspringerin, während sie sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht streicht. Sie finde ihn jedoch passend, weil er die vielen Brüche in ihrem Leben gut beschreibe. Zum Beispiel die Geburt ihres Sohns Tony im Jahr 1989, die Trennung von Ehemann Andreas und ihre neue Liebe zu dem früheren französischen Zehnkampf-Europameister Stabhochspringer Alain Blondel. "Es ist ein sehr persönliches und natürlich geschriebenes Buch - eins mit Seele", erklärte die Co- Autorin und langjährige Freundin Esther Zschieschow, die selbst vier Jahre die Sportschule besuchte und die Erinnerungen Drechslers niederschrieb.
Nach Drechslers Worten will das Buch nicht nur Memoiren erzählen: "Der Leser soll verstehen, weshalb ich in bestimmten Situationen so gehandelt habe, wie ich gehandelt habe." Sie wollte die eigene Karriere und das Leben in der ehemaligen DDR reflektieren - und das durchaus kritisch.
Vor allem wenn es um Doping-Vorwürfe und Stasi-Verdächtigungen gegen sie und andere Sportler aus dem Osten geht. In diesen Buchkapiteln richtet sie hart über Ärzte, Trainer, SED-Funktionäre und Journalisten. Man müsse das gesamte System sehen, anstatt einzelne Sportler herauszugreifen, schreibt die 2000 zur "Leichtathletin des Jahrhunderts" gekürte Sportlerin.
Seit 1995 liefen die Planungen für die Biografie, "weil im In- und Ausland immer wieder danach gefragt wurde", so die gebürtige Geraerin. Über zwei Jahre hat sie mit Zschieschow daran geschrieben - im Urlaub, neben Training und Wettkämpfen. Am Sonntag wurde "Absprung" auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellt. "Mit guter Resonanz", sagte Drechsler und schrieb ihren Namen auf ein weiteres Buch. "Absprung" ist mit einer Auflage von 10 000 Exemplaren im Sportverlag Berlin erschienen und kostet 20 Euro (39,00 Mark).
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