Leichtathletik: Junioren-WM in Santiago de Chile: Goldene Staffel-Mädchen sichern Platz eins der Nationenwertung
zuletzt aktualisiert: 23.10.2000 - 15:00Santiago de Chile (dpa). Der deutsche Leichtathletik-Nachwuchs hat sich bei den 8. Junioren-Weltmeisterschaften in Santiago de Chile selbst übertroffen. "Zwölf Medaillen, damit haben wir sogar unseren Traum von zehn Medaillen übertroffen", zog Junioren-Bundestrainer Wolfram Ruth am Sonntagabend ein positives Fazit. Drei Gold-, sechs Silber- und drei Bronzemedaillen sowie neun weitere Finalplätze sicherten dem Nachwuchs des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) mit einem Punkt Vorsprung vor Russland den Sieg in der Nationenwertung.
Ruth lobte vor allem ein überglückliches Geburtstagskind: "Ketchi Habel war für mich die größte Überraschung." An ihrem 18. Geburtstag sicherte die Tochter eines Deutschen und einer Nigerianerin, die bereits Silber über 100 m gewonnen hatte, mit verblüffender Nervenstärke den Sieg der deutschen Sprinterinnenstaffel in hervorragenden 43,91 Sekunden. "Ich war überhaupt nicht nervös, als ich den Stab mit Rückstand hinter Jamaika erhielt. Ich dachte an nichts, nur ans Laufen. Als ich an der Schlussläuferin Jamaikas vorbeirannte, habe ich vor Freude fast das Laufen aufgehört", schilderte das Super-Talent von Olympia Dortmund die Empfindungen auf der Zielgerade.
Die außerdem mit Christa Kaufmann (Leverkusen), der 200-m-Zweiten Sina Schielke (Dortmund) und Kerstin Grötzinger (Sindelfingen) besetzte deutsche Staffel schrieb Sportgeschichte. Da die Mutter von Christa Kaufmann aus Korea und die Mutter von Katchi Habel aus Nigeria stammt, hatte die deutsche Staffel Wurzeln in drei Erdteilen. "In 67 Tagen mit 14 Kadermaßnahmen haben sich die vier Mädchen und die vorbildliche Ersatzläuferin Katrin Wilts aus Rumeln diesen Erfolg verdient. Es gab nicht einen Misston zwischen ihnen", lobte der am tollen Erfolg über den Favoriten Jamaika stark beteiligte Trainer Thomas Kremer.
Vor dem Staffelsieg hatte Wolfram Müller, die große Mittel- und Langstreckenhoffnung aus Pirna, mit 3:39,37 Minuten über 1500 m dem auf dem Papier um vier Sekunden schnelleren Kenia-Jüngling Cornelius Chirchir (3:38,80 Minuten) einen großen Kampf geliefert. Er lag um fünf Sekunden vor dem zweitschnellsten Europäer. Vor ihm hatte nur einmal ein Europäer bei Junioren-Weltmeisterschaften eine Silbermedaille auf der längeren Mittelstrecke erkämpft: Andre Bucher, der Schweizer Weltranglistenerste 2000 über 800 m. Der stilistisch hervorragende Schüler des Herder-Gymnasiums in Pirna traut sich zu, im kommenden Jahr die Normen für die WM in Edmonton (3:36 über 1500 m und 13:25 über 5000 m) zu bringen: "Ich will mir dann aussuchen, auf welcher Strecke ich starten kann."
Dem aus dem Honorartraineramt beim DLV scheidenden früheren 400-m- Hürdenläufer Carsten Köhrbrück bereitete die 4 x 400-m-Staffel mit Sebastian Gatzka (Rotenburg/Hessen), dem 400-m-Hürden-Vierten Christian Duma (Friedberg), Steffen Hönig (Lauda) und Bastian Swillims (Dortmund) mit dem überraschenden Gewinn der Silbermedaille ein überraschendes Abschiedsgeschenk. Die überraschend gute Zeit (3:06,79 Minuten) sicherte dem deutschen Team nicht nur die zwölfte Medaille den Sieg in der Nationenwertung mit 115 Punkten vor Russland (114) sowie und dem mit siebenmal Gold, viermal Silber und dreimal Bronze überragenden Läufernachwuchs aus Kenia (110). 22 Länder gewannen mindestens eine Goldmedaille, die USA kamen über eine Stabhochsprung-Bronzemedaille nicht hinaus.
Ergebnisse vom Schlusstag der Junioren-WM
Frauen:
3 000 m: 1. Beatrice Jepchumba (Kenia) 9:08,80 Minuten; 2. Jane Chepkoech (Kenia) 9:10,05; 3. Etalemahu Kidane (Äthiopien) 9:11,55
4 x 100 m: 1. Deutschland (Christa Kaufmann/Leverkusen, Sina Schielke/Dortmund, Kerstin Grötzinger/Sindelfingen, Katchi Habel/Dortmund) 43,91 Sekunden; 2. Jamaika 44,05; 3. Schweden 44,78
4 x 400 m: 1. Großbritannien 3:33,82 Minuten; 2. Jamaika 3:33,99; 3. Rumänien 3:34,49; ... 5. Deutschland (Eileen Müller/Halderslebern, Claudia Hoffman/Potsdam, Nadine Balkow/Berlin, Larissa Kettenis/Elm) 3:36,70
Männer:
1 500 m: 1. Cornelius Chirchir (Kenia) 3:38,80 Minuten; 2. Wolfram Müller (Pirna) 3:39,37; 3. Philemon Kibet (Kenia) 3:40,77
4 x 100 m: 1. Großbritannien 39,05 Sekunden; 2. Frankreich 39,33; 3. Japan 39,47; ... 6. Deutschland (Tobias Pfennig/Treuen, Jan Mörsch/Hildesheim, Sebastian Gatzka/Rotenburg/Bebra, Rasgawa Pinnock/Bonn/Troisdorf) 40,42
4 x 400 m: 1. Jamaika 3:06,06 Minuten; 2. Deutschland (Sebastian Gatzka/Rotenburg/Bebra, Christian Duma/Friedberg-Feuerbach, Steffen Hönig/Lauda, Bastian Swillims/Dortmund) 3:06,79; 3. Polen 3:07,05
Stabhochsprung: 1. Alexsej Khanafin (Russland) 5,30 m; 2. Oleksandr Korchmyd (Ukraine) 5,30; 3. Rocky Danners (USA) 5,20; Ricco Tepper (Cottbus) ohne gültigen Versuch
Weitsprung: 1. Peng Cai (China) 7,88 m; 2. Wolodimir Zyuskow (Ukraine) 7,84; 3. Yoelmis Pacheco (Kuba) 7,71
Speer: 1. Gerhardus Pienaar (Südafrika) 78,11 m; 2. Andreas Thorkildsen (Norwegen) 76,34; 3. Jae-Myong Park (Südkorea) 72,36; ... 9. Stefan Wenk (Tübingen) 65,68
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