| 09.58 Uhr

Rio De Janeiro
Goldmedaille ohne Sattel

Rio De Janeiro. Sprinterin Kristina Vogel kam bei ihrem ersten Olympiasieg ohne Sattel ins Ziel.

Es war ein Olympiasieg ohne Sattel und mit enormer Willenskraft. Kristina Vogel ist die Sprintkönigin auf der Bahn. Gold ohne Sattel, in der Königsdisziplin. Es war eine verrückte Szene, über die sicher noch lange gesprochen werden dürfte. "Ich habe gedacht: verdammt, verloren, jetzt muss ich in den Entscheidungslauf", sagte Vogel über das ungewöhnliche Missgeschick. Beim sogenannten Tigersprung, bei dem die 25-Jährige ihr Rad um vier Tausendstel vorbei an der Britin Rebecca James zum zweiten Finalsieg nach vorn wuchtete, krachte der Aufsitzer herunter. Vogel vermied mit Mühe einen Sturz, und erst, als sie Bundestrainer Detlef Uibel jubeln sah, dämmerte es ihr. "Ich bin die Olympiasiegerin ohne Sattel", sagte Vogel lachend.

Zuvor weinte die 25-Jährige Tränen der Freude, die Gefühle übermannten sie auch während der Nationalhymne. Später wurde dann aber ausgelassen gefeiert. Die Magnumflasche Champagner überragte das 1,60 Meter kleine Kraftpaket fast. Ihre Goldmedaille hatte sich Vogel umgehängt, genauso die Bronzene, die sie mit ihrer Teamsprint-Partnerin Miriam Welte am vergangenen Freitag gewonnen hatte. Auch die lange Partynacht überstand Kristina Vogel, als wäre nichts gewesen. Bestens gelaunt plauderte Vogel 15 Stunden später über den größten Moment ihres Sportlerlebens, und zum x-ten Mal stand dabei ihr Sattel im Mittelpunkt. "Das ist wohl eine typische Olympia-Geschichte", sagte sie am Mittwoch im Deutschen Haus.

Ganz nebenbei hat Vogel die Olympia-Bilanz des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) aufpoliert, die beinahe verheerend schlecht ausgefallen wäre. "Kristina ist ein Glücksfall für uns. Kristina ist mein bester Mann", sagte Bundestrainer Uibel. Obwohl sie also allenthalben für Erleichterung gesorgt hatte, dachte Vogel schon wieder an mehr. "Mehr geht immer, oder?", sagte sie und lächelte verschmitzt. Vogel hat ein hehres Ziel, sie möchte als erfolgreichste Bahnradsprinterin überhaupt in Erinnerung bleiben. Drei Olympiamedaillen besitzt die gebürtige Kirgisin inzwischen, es sollen noch einige hinzukommen. Dabei lässt sie sich auch von einem verlorenen Sattel nicht aufhalten.

(kron/sid)
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Rio De Janeiro: Goldmedaille ohne Sattel


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.