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Golf-Experiment
Vom Anfänger zum Profi: "The Dan Plan" gerät ins Stocken

So funktioniert der "Dan Plan"
So funktioniert der "Dan Plan" FOTO: Screenshot Vimeo/TheDanPlan.com
Düsseldorf. Mit einem ambitionierten Plan war Dan McLaughlin gestartet: Dank 10.000 Trainingsstunden vom blutigen Anfänger zum Profi-Golfer. Doch nun steht  "The Dan Plan" vor dem Scheitern. Denn McLaughlins Körper macht ihm einen Strich durch die Rechnung. Von Antje Rehse

Das Projekt beginnt offiziell am 5. April 2010. Der US-Amerikaner McLaughlin beendet mit gerade einmal 30 Jahren seine Laufbahn als Fotograf – in dem Job ist er ohnehin nicht sonderlich glücklich – und widmet sich von nun an dem Golfsport.

Sein Ziel: Bis zum Oktober 2016 will er seine Fähigkeiten mit dem Schläger soweit verbessert haben, dass es für einen Start auf der Profi-Tour reicht. 30 Stunden pro Woche will er trainieren, nach 10.000 Trainingsstunden soll das Ziel erreicht sein. McLaughlin schreibt in einem Blog über seine Fortschritte, finanziert wird das Projekt durch Sponsoren, seine eigenen Ersparnisse und Spenden.

Inspiriert wurde er durch eine Studie des Psychologen K. Anders Ericsson. Der Schwede, der als Dozent an der Florida State University tätig ist, hat die These aufgestellt, dass 10.000 Stunden bewusstes Training nötig sind, um auf einem bestimmten Gebiet zum Experten zu werden. "Ich möchte sehen, wie weit man es schaffen kann, wenn man sich einer Sache mit voller Hingabe widmet", sagt McLaughlin. "Und zwar nicht als Kind oder Jugendlicher, sondern als Erwachsener."

Mehr als fünf Jahre später ist Ernüchterung eingekehrt. In einer Tabelle, in der McLaughlin sein Golf-Handicap dokumentiert, stammt der letzte Eintrag vom 1. April 2015. 5,5 heißt es dort schwarz auf grau. Es ist ein Rückschlag, denn McLaughlin hatte sich durch das intensive Training schon auf ein Handicap von 2,6 verbessert. Diese Bestmarke stammt aus dem Juni 2014. Sie ist durchaus bemerkenswert für einen, der zu diesem Zeitpunkt erst seit vier Jahren Golf spielt. Für die Profi-Tour reicht es aber noch lange nicht.

Immerhin kann sich McLaughlin damit trösten, dass die Gründe für den Rückschlag den Problemen ähneln, mit denen sich seit geraumer Zeit der bekannteste Golfer der Historie herumschlägt. McLaughlins Rücken macht nicht mehr mit. Genau wie bei Superstar Tiger Woods. Der ehemalige Weltranglisten-Erste musste sich im Oktober schon seiner zweiten Rücken-Operation unterziehen. In der Weltrangliste findet sich der 14-malige Major-Sieger nicht mal mehr in den Top 300.

"Es gab eine Woche, in der ich drei Runden Golf mit minimalen Schmerzen spielen konnte", schreibt McLaughlin am 16. Oktober 2015 über seine Verletzung. "Dann gibt es Tage, an denen ich den Schläger ein einziges Mal schwinge und mich fühle, als sei ich in meiner Genesung drei oder vier Wochen zurückgeworfen worden."

Weil er nicht mehr regelmäßig trainieren kann, tritt McLaughlin aus seinem Golf-Klub aus. Die Gebühr, die er dort zahlen muss, steht in keinem Verhältnis zu der Zeit, die er tatsächlich auf dem Platz verbringt. Er befinde sich in einer "Existenzkrise", sagt er. Nach langem Hin und Her entscheidet er sich, für einige Monate komplett zu pausieren und nächstes Jahr im April einen neuen Angriff zu starten – falls der Rücken mitspielt.

Pause bedeute nicht den "Tod" des Projekts

Die Pause, die, wie er betont, nicht den "Tod" des Projekts bedeutet, will der Möchtegern-Profi ohne Profi-Gehalt dafür nutzen, um zu arbeiten und sein Konto wieder zu füllen. Das, sagt er, werde nach all den Trainerstunden, Reisen und Startgeldern nur noch durch einen Faden und Klebeband zusammengehalten. Um das Taschengeld aufzubessern, hält McLaughlin unter anderem Seminarvorträge.

"Ich bin zu 100 Prozent davon überzeugt, dass dieses Projekt mich zu einem besseren und glücklicheren Menschen gemacht hat", schreibt der US-Amerikaner. "Vielleicht ist es deshalb so schwer, einzusehen, dass ich eine Weile kürzer treten muss."

Sein Leidensgenosse hat für seine Rückehr übrigens keinen Zeitplan festgelegt. "Ich habe ein herausragendes Ärzteteam, ich komme zurück, so schnell ich kann", sagte Woods nach seiner OP. Dass er und Dan McLaughlin eines Tages als Konkurrenten bei ein und demselben Turnier gegeneinander antreten, wird indes immer unwahrscheinlicher.

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