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"Traurig, schrecklich, inakzeptabel, schockierend"
Der tiefe Fall des Tiger Woods

Der tiefe Fall des Tiger Woods
FOTO: rtr, TB
Jupiter/Köln. Wegen des Verdachts auf Alkohol- oder Drogeneinfluss am Steuer wurde Tiger Woods vorübergehend festgenommen. Immer mehr stellt sich die Frage: Kehrt der einst weltbeste Golfer noch einmal auf den Platz zurück?

Für den blutleeren Blick auf dem Verhaftungsfoto von Tiger Woods blieben der Zeitung "USA Today" nur noch markante Worte übrig. "Traurig, schrecklich, inakzeptabel, schockierend", beschrieb das renommierte Blatt das Bild des Golf-Superstars mit leblosen, verquollenen Augen.

Wegen des Verdachts auf Fahren unter Alkohol- oder Drogeneinfluss war der 41-Jährige am frühen Montagmorgen in der Nähe seines Restaurants "The Woods" von der Polizei in Palm Beach County im Bundesstaat Florida festgenommen worden. Nach dreieinhalb Stunden im Gefängnis wurde er auf freien Fuß gesetzt.

Woods: "Kein Alkohol im Spiel"

"Ich verstehe die Schwere meines Vergehens und übernehme die Verantwortung für mein Handeln", teilte der langjährige Weltranglistenerste in einem Statement mit, das er USA Today übermittelt hatte. "Ich möchte, dass die Öffentlichkeit erfährt, dass kein Alkohol im Spiel war", beteuerte Woods, "es war eine Nebenwirkung von verschriebenen Medikamenten. Ich habe nicht gemerkt, wie stark mich der Medikamenten-Mix beeinträchtigte."

Der 14-malige Major-Gewinner bat "aus tiefstem Herzen um Entschuldigung, bei meiner Familie, meinen Freunden und meinen Fans". Er sagte: "Ich erwarte mehr von mir." Eine Alkoholkontrolle soll Woods Medienberichten zufolge verweigert haben. Er befand sich offenbar alleine im Auto.

Einem Polizeibericht vom Dienstag zufolge sei Woods "am Steuer eingeschlafen und musste aufgeweckt werden". Der Motor seines Wagens sei gelaufen, die Bremslichter hätten genauso wie der rechte Blinker geleuchtet. Auf Nachfrage der Polizisten vor Ort habe Woods "kooperativ, aber verwirrt" reagiert. "Woods sagte, er sei aus Los Angeles zurückgekehrt, wo er Golf gespielt habe. Er wusste nicht, wo er ist und änderte seine Angaben bezüglich Start und Ziel seiner Fahrt", hieß es in dem Bericht weiter.

Der Zwischenfall wirft neben den Fragen nach den Hintergründen vor allem eine weitere auf: Wird der Tiger jemals auf den Golfplatz zurückkehren? Die ohnehin schon große Schar der Zweifler dürfte nach dem jüngsten Fehltritt sicher weiter anwachsen.

Das jüngste Vergehen ist ein weiterer Schritt der eigenen Demontage eines Superstars, der alles zu besitzen schien, sich aber stets auf der Suche nach dem Sinn befand. Unvergessen sind die Ereignisse vom November 2009, als er kurz hinter der Auffahrt seines Anwesens in Jupiter mit seinem Cadillac gegen einen Hydranten fuhr.

Es begann die öffentliche Demaskierung. Mehrere Frauen outeten ihre Liebschaften mit dem Tiger. Wegen seiner vermeintlichen Sexsucht begab er sich in eine Therapie, die Ehe mit der Schwedin Elin Nordegren wurde geschieden, die beiden gemeinsamen Kinder leben bei der Mutter. In der Presse wurde er als "Schniedel-Woods" verhöhnt.

Doch Woods schien die Kurve bekommen zu haben. Im März 2013 wurde die Beziehung zu Skistar Lindsey Vonn öffentlich, sie hielt mehr als zwei Jahre, dann trennte sich das Paar. Ein knappes halbes Jahr später meldete sich erstmals der Rücken und quält ihn bis heute.

Im September und Oktober 2015 wurde er operiert, konnte seiner geliebten Jagd nach Birdies nicht mehr nachgehen. Sein seelischer Zustand offenbarte sich damals als genauso erschreckend wie sein körperlicher. "Ich habe nichts mehr, auf das ich mich freuen kann", sagte Woods und gab eine innere Leere preis. Die meiste Zeit verbrachte er mit seiner Playstation.

Bis heute hat der erste Sport-Milliardär offenbar nicht aus seinem mentalen Loch gefunden, dazu trugen auch die anhaltenden körperlichen Zwangspausen bei. Inzwischen hat er vier Rückenoperationen hinter sich, zuletzt spielte er Anfang Februar bei einem Turnier. Sein letzter Sieg liegt vier Jahre zurück, sein letzter Major-Triumph schon neun Jahre (US Open 2008). 2017 wird er wohl nicht wieder auf die Tour zurückkommen.

Gleichwohl versprühte er noch vergangene Woche Hoffnung auf ein Comeback. "Ich habe mich seit Jahren nicht mehr so gut gefühlt", schrieb er in seinem Blog (tigerwoods.com). Alles Makulatur: Das Verhaftungsfoto zeigt einen anderen Menschen.

(sid)
 
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