| 05.00 Uhr

Golf als Hobby
Das Geschäft mit dem Schwung

Golf als Hobby: Das Geschäft mit dem Schwung
Im Behandlungszimmer: Axel André Richter bei der Arbeit. FOTO: Guru
Mönchengladbach. Hobby-Golfer greifen für Physiotherapie tief in die Tasche – in der Hoffnung auf bessere Leistungen. Durch eine neue Behandlungsmethode aus Mönchengladbach sollen sie deutlich weiter schlagen können.  Von Gianni Costa

Es gibt für Freizeitsportler keine Aussicht auf große Siegprämien, Ruhm, Autogrammjäger und TV-Auftritte. Trotzdem wollen viele von ihnen immer besser werden und versuchen, die Grenzen auszureizen. Es ist ein gigantisches Geschäft und besonders da lukrativ, wo es ein zahlungskräftiges Klientel gibt, das bereit ist, in den eigenen Körper zu investieren.

In der Golfbranche gibt es besonders viele Angebote, das eigene Spiel zu perfektionieren. Mentalcoaches wollen einen zu mehr innerer Stärke führen, Trainer versprechen mit wenigen Einheiten den perfekten Schwung, Hersteller beschwören, nur mit ihren neu entwickelten Schlägern könne man erfolgreich sein.

Axel André Richter ist ebenfalls der Meinung, etwas anzubieten, das den Golfsport mindestens revolutioniert. Der Physiotherapeut aus Mönchengladbach hat ein Behandlungskonzept für Sportler mit dem Namen "EvoSwing" entwickelt. Er verspricht seinen Kunden, bereits nach einer Einheit einen messbaren Effekt in der so genannten Carry-Länge, der Entfernung vom Abschlag bis Aufprall des Balles, Präzision und Schlagweite (so weit, wie der Ball rollt).

Richter behandelte schon Götze, Kehl, Xhaka

Für viele Golfer ist die Weite des Schlages eine Art Statussymbol. "EvoSwing steht für die Evolution im Golfschwung. Während sich die Industrie mit der Verbesserung des Equipments beschäftigt, habe ich mich entschieden, den Golfer selbst zu optimieren – seine körperlichen Voraussetzungen", sagt der 48-jährige Richter. "Ich bin seit 25 Jahren in der Physiotherapie und genauso lange im Leistungssport unterwegs und habe dadurch viel Erfahrung sammeln können, was Sportler brauchen."

Er hat gesehen, dass neue Ansätze nicht immer erwünscht sind. Über einige Monate betreute er den verletzungsanfälligen Fußballnationalspieler Mario Götze. Als der von Borussia Dortmund zu Bayern München wechselte, brach der Kontakt zu dem Offensivspieler ab, weil man in München nicht die Einmischung eines Physiotherapeuten von außen wünschte. "Es ist schade, dass man vielleicht bei Problemen hätte helfen können, es aber speziell im Fußballbereich noch zu viele gedankliche Schranken gibt", erklärt Richter, der unter anderem Ex-BVB-Kapitän Sebastian Kehl und Granit Xhaka (Arsenal London) behandelte.

Kostspieliges Programm

Auf das Programm für Golfer ist er gekommen, weil er immer wieder Sportler in seiner Praxis hatte, die von Problemen beim Spiel erzählt haben. "Mir ist die massive Werbung der Schlägerhersteller aufgefallen. Ich dachte, was nützt aber das beste Equipment, wenn der Golfer sich nicht frei bewegen kann", sagt Richter. "Ich habe mich gefragt, welche Strukturen wirken im Golfschwung bremsend? Je nachdem, ob Rechts- oder Linkshänder, werden spezielle Druckpunkte gelockert." Was er macht, will er nicht verraten: "Betriebsgeheimnis".

Das Programm ist eine Privatleistung und mit 950 Euro kostspielig. Die Teilnehmer bekommen Übungen als Video mit, eine Wiederholung beim Therapeuten sei deshalb nicht zwingend nötig. In einer Testphase hat er seine Dienste sogar für 1250 Euro angeboten, und auch da gab es Interessenten. Seit der "Preissenkung" sei die Nachfrage, sagt Richter, deutlich gestiegen: "Im Vergleich zu vielen anderen Investitionen im Golf ist unser Preis absolut angemessen." Aufgrund der vielen Anfragen ist er derzeit dabei, landesweit Kollegen zu schulen.

Von 180 auf 210 Meter gesteigert

Dirk Maria Verbrüggen, Handicap 19, hat auf einer Messe von der Methode erfahren. Mit einem Holz 3 schlug er früher 180 Meter, nach den Einheiten bei Richter, berichtet der 50-jährige Versicherungsmakler, komme er 210 Meter weit. Carolyn Matherly, Unternehmerin aus Köln, hat nach eigenem Bekunden seit der Behandlung ihr Spiel deutlich verbessert. "Ich fühle mich lockerer auf dem Platz", sagt die 66-Jährige. "Ich golfe gerne und will mich ständig verbessern. Bei mir hat die Methode jedenfalls geholfen."

Richter ist überzeugt, dass sich seine Methode durchsetzt – und auch abgewandelt bei anderen Sportarten zum Einsatz kommt. "Wir sammeln mit jeder Behandlung Erfahrung, die versuchen wir umzusetzen. Egal ob Triathlet oder Rennfahrer: Am Ende geht es darum, mit einem entspannten Körper mehr Leistung zu erzielen."

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Golf als Hobby: Das Geschäft mit dem Schwung


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.