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Martin Kaymer enttäuscht in Zandvoort
Golf am Meer

Martin Kaymer enttäuscht in Zandvoort
Martin Kaymer spielte sportlich keine große Rolle. FOTO: dpa, thm sam jai
Zandvoort. Bei den Dutch Open in Zandvoort hat der gebürtige Düsseldorfer Martin Kaymer sportlich keine große Rolle gespielt. Von Gianni Costa

Johnny Miller war einmal einer der besten Golfprofis. Mittlerweile ist er als Kommentator eine der großen Kapazitäten in der Branche. Von eben jenem Miller ist folgende bahnbrechende Erkenntnis überliefert: "Schlage den Ball so, dass du ihn nicht suchen musst - das ist der beste Ratschlag für jeden Spieler." Die Brutalität von Golf besteht unter anderem darin, dass ein Fehlschlag nicht mal eben so zu korrigieren ist.

Für Martin Kaymer sollte sich das schnell bei den Dutch Open in Zandvoort bewahrheiten. Der gebürtige Düsseldorfer spielte sportlich keine große Rolle, weil es ihm bei der mit 1,8 Millionen Euro dotierten Veranstaltung nicht gelang, Konstanz in sein Spiel zu bekommen. Der zweimalige Major-Gewinner benötigte auf dem Par-70-Platz gestern 74 Schläge und fiel mit insgesamt 276 Schlägen von Rang 25 auf Platz 52 zurück. 2010 hatte Kaymer das Turnier als dritter Deutscher nach Bernhard Langer (1984, 1992 und 2001) und Sven Strüver (1997) gewonnen. Der aus Bergisch Gladbach kommende Maximillian Kieffer erwischte einen deutlich besseren Gang über den Platz an der stürmischen Nordseeküste. Er wurde Zwölfter.

Es gab andere Dinge zu besprechen. Zum Beispiel Kaymers Turnierplanung. Die Top-Spieler haben in einer Saison ein anspruchsvolles Programm abzuspulen. Das resultiert unter anderem aus den beiden konkurrierenden Wettkampfserien aus der PGA European Tour und der PGA Tour, die nur auf dem nordamerikanischen Markt Turniere veranstaltet. Vor allem aus vermarktungstechnischen Gründen ist es wichtig, möglichst in beiden Serien eine gewichtige Rolle zu spielen. Das ist indes kein leichtes Unterfangen bei einer Fülle von Veranstaltungen, die im Jahreskalender mittlerweile als Pflichttermine stehen.

Unlängst hat Kaymer die volle Spielberechtigung für die US-Tour verloren. Ein Umstand, der ihn allerdings nur mittelmäßig beschäftigt. "Ehrlich gesagt bin ich sogar ein bisschen erleichtert", sagt er. "Der Turnierkalender 2016 ist ohnehin schon super voll und der Fakt, dass ich 2016 nur zwölf statt 15 Turniere auf der PGA Tour spielen muss, nimmt mir viel Druck von den Schultern." Die Aktiven müssen eine Anzahl von Pflichtterminen einhalten. In den USA muss man mindestens 15 Turniere spielen, wenn man auf dem europäischen Format als Heimat-Serie gemeldet ist. Um das nur annähernd erfüllen zu können, ist ein kräftezehrender Ritt durch die Zeitzonen nötig. Förderlich für die sportliche Entwicklung ist das in den seltensten Fällen.

Kaymer ist noch immer auf der Suche nach dem perfekten Spiel. Und auch auf der Suche nach den optimalen Plätzen, wo er es spielen kann. Nach seiner eher bescheidenen Leistung in Zandvoort geht es weiter zu den Open d'Italia, danach Alfred Dunhill Links Championship Anfang Oktober in Schottland. Bad Griesbach wird er, obwohl eines der wenigen Turniere in Deutschland, nicht spielen. "Wir haben uns im Team Gedanken gemacht, aber ich habe mich für Italien und die Alfred Dunhill entschieden", sagt er der "Golfpost". "Es hat einfach nicht reingepasst." Das ist vor allem bedauerlich für die heimische Golfszene, die so dringend einen Botschafter wie Kaymer benötigen.

Kaymer hat sich mehr Ruhe verordnet. Es gab viele Momente in den vergangenen Jahren, in denen er an sich und seinem Spiel gezweifelt hat. 2010 war er zu den Großen der Branche aufgestiegen. Er triumphierte bei der US-PGA-Championship, einem von vier Major-Turnieren, vergleichbar mit den Grand Slams beim Tennis. Als zweiter Deutscher nach Bernhard Langer (bei der Premiere im Jahr 1986) führte er 2011 die Weltrangliste an. Er blieb acht Wochen Branchenführer. Den Zeitraum beschreibt er rückblickend mit "nur acht Wochen". 2014 hat ihn der Triumph bei den US Open vom Image des "One-Hit-Wonders" befreit.

Kaymer wird seinen Weg gehen. Kleinere Rückschläge wie in Zandvoort inbegriffen. Immerhin waren es ein paar schöne Tage am Meer.

Quelle: RP
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