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Unspektakuläre Saison
Kaymer schwankt zwischen Welt- und Kreisklasse

Kaymer scheitert schon am Cut
Kaymer scheitert schon am Cut FOTO: afp, sh
Mettmann. Sein Golfjahr 2015 hat sich Martin Kaymer anders vorgestellt. Statt weiterer Siege dümpelt der Majorsieger derzeit zwischen Welt- und Kreisklasse herum.

Es gab Jahre im Leben des Martin Kaymer, da hätte man den aufstrebenden Profigolfer aus dem beschaulichen Mettmann getrost als Musterschüler bezeichnen können. Es war die Zeit zwischen 2008 und 2011, als er mit dem Major-Triumph bei der US PGA Championship und neun weiteren Turniersiegen an die Spitze der Weltrangliste stürmte. Dieser Höhenflug scheint inzwischen eine Ewigkeit her, derzeit herrscht Ernüchterung bei Martin Kaymer.

Seit seinem US-Open-Sieg 2014 wartet der Rheinländer auf ein Erfolgserlebnis. Seine Note für eine unspektakuläre Saison fällt daher entsprechend bescheiden aus. "Ich würde mir hierfür eine 3+ geben", sagte Kaymer dem Sport-Informations-Dienst (SID) am Mittwoch am Rande eines von ihm und der Deutschen Sporthilfe durchgeführten Charity-Turniers in seinem Heimatklub in Mettmann.

Für eine 2 oder gar eine 1 reicht es derzeit einfach nicht. Während sich an der Spitze der Weltrangliste das Trio Rory McIlroy (Nordirland), Jordan Spieth (USA) und Jason Day (Australien) einen packenden Dreikampf liefert, ist Kaymer außen vor. Das soll nicht so bleiben, und zumindest an Selbstvertrauen mangelt es ihm nicht.

"Die Konkurrenz ist derzeit extrem stark, so stark habe ich sie noch nie gehabt. Ich muss mein eigenes Ding durchziehen. Und ich bin mir ziemlich sicher, wenn die Dinge einigermaßen zusammenlaufen, werde ich da auch problemlos mitspielen können. Es läuft auch nicht sehr viel falsch", sagte Kaymer.

Manchmal steht sich Deutschlands bester Golfer in seinem Bemühen auch selbst im Weg. Druck ja, aber nicht zu viel, Lockerheit ja, aber auch nicht zu relaxed. Es ist die Suche nach dem goldenen Mittelweg. "Den Sieg kannst du nicht erzwingen. Dann musst du dich zurücknehmen. Das ist dann so ein Spiel, das man mit sich selber spielt", führte Kaymer aus und wünscht sich: "Hoffentlich platzt bald der kleine Knoten."

Davon ist der sechsmalige Major-Gewinner Nick Faldo überzeugt, der Engländer sagte spox.com: "Bei Martin sieht man einfach auch, wie im Golf immer alles auf des Messers Schneide steht. Aber Martin ist und bleibt ein großartiger Spieler, der jederzeit jedes Turnier auf der Welt gewinnen kann."

Und wenn es Kaymer in diesem Jahr nicht mehr schafft, dann soll es eben 2016 sein. Das Jahr, in dem er sein persönliches Highlight zelebrieren will. Welchen Sieg er sich wünschen würde, beantwortete er mit strahlenden Augen. Nicht der Ryder Cup, nicht das US Masters oder die British Open - "Olympia" soll es sein, sagte Kaymer, "da habe ich nur ein oder zweimal in meinem Leben die Chance".

Das Wort Chance hat für Martin Kaymer in diesen Tagen eine besondere Bedeutung. Mit seiner im Dezember 2014 gegründeten Helianthus Stiftung will er benachteiligten Kindern helfen. "Und zwar von Beginn an bis zum Ende", sagte Kaymer: "Von der Kita bis zum Studium."

Er habe sehr viel Glück gehabt, nun wolle er etwas zurückgeben. Dass derzeit hundertausende Flüchtlingskinder nach Deutschland kommen, beschäftige ihn, "und vielleicht werden wir auch bald ein solches Kind begleiten", sagte Kaymer.

(sid)
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