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Ryder Cup
Als es drauf ankam, war Kaymer da

Fragen und Antworten zu 41. Ryder Cup
Fragen und Antworten zu 41. Ryder Cup
Chaska/Minnesota. Der Düsseldorfer Martin Kaymer will beim Ryder Cup den Titel gegen die USA verteidigen. Von Heiko Oldörp

Der Begriff Ryder Cup hat für Martin Kaymer auch vor seiner vierten Teilnahme nichts an Magie verloren. Wenn der 31-Jährige über das alle zwei Jahre ausgetragene, prestigeträchtige Kräftemessen der Kontinente zwischen den USA und Europa spricht, leuchten seine Augen. Dann schwelgt er in Erinnerungen, denkt an Emotionen und Erfolge.

Als Kind und Jugendlicher habe er zwar immer davon geträumt, einmal beim Ryder Cup dabei sein können, sagte Kaymer gestern vor seiner Trainingsrunde im Hazeltine National Golf Club. So recht daran geglaubt, es tatsächlich schaffen zu können, habe er jedoch "nicht wirklich". Doch dann stand der Düsseldorfer 2010 im walisischen Newport tatsächlich neben dem Engländer Lee Westwood am ersten Abschlag, trug den Pullover von Team Europe und hatte erstmals dieses "schwer zu beschreibende" Gefühl, dieses Kribbeln.

Bei der 41. Auflage gehört Kaymer nun zu den Etablierten und Erfahrenen im Team Europe. Sechs seiner zwölf Mitspieler indes sind Ryder Cup-Neulinge, kennen weder die Umgebung noch die besondere Anspannung. Die amerikanischen Medien deuteten dies als Schwäche. Kaymer empfindet derartige Ansichten "teilweise ein bisschen respektlos". Schließlich seien die Neulinge im Team, weil sie alle sehr gutes Golf gespielt hätten.

Die Europäer treten rund 30 Autominuten westlich von Minneapolis als Titelverteidiger an, sie haben die vergangenen drei Duelle gewonnen. Die Mannschaft sei sehr gut vorbereitet und die Stimmung super, so Kaymer. Er war bei den vergangenen drei Siegen dabei und spielte am 30. September 2012 sogar die Hauptrolle. Im Medinah Country Club, etwas außerhalb von Chicago, lagen die Gäste vor der Schlussrunde 6:10 hinten. Einen solchen Rückstand hatten zuvor in der Ryder-Cup-Geschichte nur die Amerikaner aufgeholt - 1999, allerdings daheim.

Europa hingegen musste an diesem sonnigen Bilderbuch-Herbsttag gegen zwölf motivierte US-Profis sowie mehr als 40.000 frenetische - und teilweise stark alkoholisierte - Fans bestehen, und in den Einzeln mindestens acht von zwölf Punkten holen. Das glich einer "Mission impossible". Doch die Gäste kämpften sich Zähler um Zähler heran. Kaymer spielte im elften Paar gegen Steve Stricker. Er hatte einen Schlag Vorsprung, als beide zur 18. und letzten Bahn kamen. "Martin, wir brauchen deinen Punkt", hatte Team-Kapitän Jose-Maria Olazabal ihm kurz vorher flehend zugerufen.

Um jenen entscheidenden Zähler zu holen, durfte Kaymer das letzte Loch nicht verlieren. Die Fans, darunter Michael Jordan, Michael Phelps und Pep Guardiola, drängten sich am Fairway entlang und rund um das Putting-Grün. Sie sahen, wie Kaymers kleiner weißer Ball beim ersten Putt knapp zwei Meter zu weit rollte. Es blieb noch ein Versuch, doch der musste sitzen.

Als es drauf ankam, alle auf ihn schauten, bewies Kaymer schließlich Nervenstärke, hatte beim wichtigsten Mannschaftswettbewerb seiner Sportart einen kühlen Kopf und ein ruhiges Händchen. Kontrolliert spielte er den Ball ins Loch, ballte umgehend beide Fäuste, riss den Mund weit auf - und wurde Sekunden später von Mitspielern, Team-Angehörigen und Bruder Philip überrannt.

In der Kabine knallten die Champagner-Korken, seine Teamkollegen - jeweils ein Spanier, Schwede, Italiener, Belgier und Schotte, zwei Nordiren sowie vier Engländer - grölten gemeinsam: "One Martin Kaymer, there's only one Martin Kaymer." Und die britische Presse witzelte tags darauf: "Die Deutschen verschießen nie einen Elfmeter, warum also sollten wir überrascht sein, dass Kaymer diesen Putt gemacht hat?"

Das alles ist jetzt vier Jahre her, doch jene entscheidenden Sekunden prägen Martin Kaymer bis heute sehr. "Ich weiß, dass ich in meiner Karriere keinen größeren Putt mehr haben werde. Mehr Druck geht nicht." Er hat 2010 die PGA Championship gewonnen und 2014 mit acht Schlägen Vorsprung bei den US Open triumphiert. Doch bei vielen, sagt Kaymer, sei er eben für diesen Putt mehr anerkannt als für seine beiden Major-Siege.

Fast wöchentlich laden Freunde oder Fans immer noch die Szenen auf sozialen Netzwerken hoch und schicken sie ihm mit Begeisterung. Obwohl er alles unzählige Male gesehen hat, ist die Reaktion bei Kaymer stets gleich. "Von innen heraus bekomme ich immer wieder ein ganz besonderes Gefühl. Das ist einfach so ein Ding, mit dem hundert Prozent Positives verbunden ist. Da kannste nichts dran verlieren. Das bleibt."

Quelle: RP
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