Popp, Prinosil, Schüttler und Marlene Weingärtner weiter: Haas gewinnt Duell gegen Kiefer
zuletzt aktualisiert: 28.06.2000 - 15:47London (dpa). Thomas Haas(Foto unten) hat in einem kuriosen Duell zweier "Fußkranker" gegen Daviscup-Rückkehrer Nicolas Kiefer (Foto) die Oberhand behalten. Mit lädiertem rechten Fuß feierte der Hamburger in dem deutschen Erstrunden-Schlager auf einem kleinen Nebenplatz in Wimbledon in 2:50 Stunden einen 5:7, 6:4, 6:2, 6:3-Erfolg über Kiefer.
Kiefer, der sich im dritten Satz einen grünen Verband anlegen lassen musste, kündigte an, in den nächsten Jahren "ohne wenn und aber" wieder im Daviscup-Team spielen zu wollen. Haas, der Ende des ersten Satzes behandelt und mit einem stützenden Verband versorgt wurde, freute sich nach dem ersten Erfolg über den ungeliebten Rivalen überschwänglich: "Ich hatte zwar Schmerzen, aber ich habe endlich wieder mal gut gespielt."
Auf noch kleineren Plätzen schlugen sich auch Rainer Schüttler (Bad Homburg), Alexander Popp (München) und Qualifikant David Prinosil (Amberg) am zweiten Tag der 114. All England Championships jeweils mit Viersatz-Siegen in die zweite Runde. Von den Damen des Deutschen Tennis Bundes (DTB) schafften Anke Huber (Karlsdorf), Jana Kandarr (Heidelberg) und Marlene Weingärtner (Berlin) dieses Kunststück. Barbara Rittner (Leverkusen) und Qualifikantin Greta Arn (Düsseldorf) dagegen scheiterten.
Prinosil schaffte neun Tage nach seinem Turnier-Erfolg in Halle/ Westfalen ein 2:6, 6:1, 6:2, 6:4 über den Armenier Sargis Sargsian, klagte aber über Oberschenkel-Probleme. Debütant Popp feierte durch ein 0:6, 7:5, 7:6 (12:10), 6:2 über den bereits 35 Jahre alten Ronald Agenor (Haiti) sein erstes Erfolgserlebnis bei einem Grand-Slam-Turnier. Schüttler ("Ich habe sehr solide gespielt") besiegte Carlos Moya (Spanien) mit 6:3, 6:7 (5:7), 6:3, 6:2. Am Vortag war Christian Vinck (Halle/Westfalen) als erster DTB-Profis bei dem mit 12,5 Millionen Dollar dotierten Turnier durchgekommen.
Ein Jahr nach der Abreibung durch Boris Becker, die Kiefer auf dem berühmtesten Center Court der Welt über sich hatte ergehen lassen müssen, erwischte es den Weltranglisten-20. im nächsten Prestigeduell im Tennis-Mekka erneut. Acht Tage vor seinem 24. Geburtstag war Kiefer zunächst der dominierende Spieler, doch dann baute er überraschend ab. "Ich brauche einfach noch Matchpraxis", sagte er und verwies auf seine Verletzungspause.
Haas hatte sich hin und wieder mit Stuhlschiedsrichter Kim Craven angelegt. "Das sind so Geschichten mit dem Schiedrichter, da dreht man innerlich durch", gab er hinterher zu. In einem über weite Strecke von der Grundlinie geführten Duell spielte zwar keiner gut, doch Haas war konstanter. In dem Match mit vielen Aufschlagverlusten war er nervenstärker. "Wenn der Aufschlag nicht kommt, dann ist es auf Rasen doppelt schwer", klagte Kiefer.
Während Haas nun auf den Schweden Andreas Vinciguerra trifft, muss Kiefer den Weg zurück zur alten Stärke finden. Die neunwöchige Verletzungspause, als der rechte Fuß Probleme machte, steckt ihm noch immer in den Beinen. "Aber wenigstens hält der Fuß wieder", freute er sich. Zudem steht in den nächsten Tagen ein Gespräch mit DTB-Chef Georg von Waldenfels an, bei dem es neben dem Daviscup auch um die Olympia-Nominierung geht. "Ich freue mich darauf", sagte Kiefer.
Vinck bekommt es an diesem Mittwoch, an dem Anke Huber und Jana Kandarr wieder ins Geschehen eingreifen, in einem Duell zweier Qualifikanten mit Harel Levy (Israel) zu tun. Einen prominenten Gegenspieler hat Popp: "Auch gegen Michael Chang bin ich nicht chancenlos", sagte der 23-Jährige. Schüttler hofft gegen Nicolas Escude (Frankreich) auf ein Weiterkommen: "Schwer, aber machbar." Prinosil trifft auf Stephane Huet, der Franzose ist ebenfalls ein Qualifikant.
Für die früheren Wimbledon-Helden John McEnroe und Björn Borg öffnet sogar die Queen ihren Palast. Englands Königin Elisabeth II. hat den früheren Tennisflegel aus den USA und dessen ehemaligen Dauerrivalen aus Schweden zu einem Tennis-Match für einen guten Zweckgeladen. "Big Mac" und der "Eisborg" spielen an diesem Sonntag vor der königlichen Familie und ihren 750 Gästen auf. BBC 2 überträgt das Spektakel am traditionell spielfreien Wimbledon-Sonntag auf dem Palastrasen für einen guten Zweck live.
Ansonsten gab es beim dritten Grand-Slam-Turnier der Saison eine weitere Überraschung: Mitfavorit Lleyton Hewitt (Australien, Foto rechts) scheiterte an Jan-Michael Gambill (USA). Mit Titelverteidigerin Lindsay Davenport (USA), Arantxa Sanchez-Vicario (Spanien), Monica Seles (USA), Vorjahres-Finalist Andre Agassi (USA, Foto oben), Becker-Schützling Mark Philippoussis (Australien), Patrick Rafter (Australien), Magnus Norman (Schweden), Gustavo Kuerten (Brasilien) setzten sich die weiteren Favoriten aber durch.
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