Daviscup-Kapitän Carl-Uwe Steeb vor Problem:: Haas, Kiefer, Prinosil möchten Doppel spielen
zuletzt aktualisiert: 14.03.2001 - 13:57Indian Wells (rpo). Weil seine besten Einzelspieler eine neue "Liebe" entdeckt haben, bekommt Daviscup-Kapitän Carl-Uwe Steeb ein ernsthaftes Problem. Zwar war das Comeback von Thomas Haas (Foto) und Nicolas Kiefer im Doppel am Dienstag in der ersten Runde beim Masters-Turnier in Indian Wells nicht von Erfolg gekrönt. Aber beide haben gezeigt, dass sie trotz 29-monatiger Trennung ein starkes Duo sind.
Für das Daviscup-Viertelfinale gegen die Niederlande (6. bis 8. April) sind sie auch "der festen Absicht, das zu tun" - wäre da nicht David Prinosil. "Jeder weiß, dass ich unser bester Doppelspieler bin", konterte der Amberger, der seinen von Steeb zugewiesenen Platz in der Mannschaft "nicht in Gefahr sieht". Wie gut er sein Team-Handwerk versteht, zeigte er im Duett mit dem Niederländer Paul Haarhuis. Denn sie besiegten pikanterweise Haas/Kiefer mit 6:0, 6:7 (2:7), 6:4. Die beiden einstigen Erzfeinde, die in der Nacht zum Donnerstag im Einzel um den Einzug ins Achtelfinale spielten, werden in zwölf Tagen beim Masters in Key Biscayne noch einmal gemeinsam ihr Glück versuchen. Dann wird auch Steeb, der von der Liaison bislang nichts wusste, vor Ort sein und mit allen Beteiligten die notwendigen Gespräche führen.
"Wir wollen das Beste für Deutschland und dazu gehört, dass wir auch Doppel spielen", lautete die Hauptmotivation von Haas und Kiefer für ihr plötzliches Aufeinander-Zugehen. Kiefer hatte dazu die Initiative ergriffen. Er wollte in der kalifornischen Wüste ursprünglich mit Marat Safin ein Duo bilden. Der Russe sagte aber wegen seiner Rückenverletzung ab. Der Zufall wollte es schließlich, dass Haas zum gleichen Zeitpunkt am Flughafen eintraf wie Kiefer, woraufhin er ihn kurzerhand fragte, ob sie es nicht noch einmal miteinander versuchen wollen. Zuletzt hatten sie im Oktober 1998 in Stuttgart im Viertelfinale zusammen gespielt.
Mit Indian Wells kommen sie nunmehr auf vier Turnier-Einsätze, wobei ihre Bilanz mit vier Niederlagen und zwei Siegen allerdings negativ ausfällt. Ihre Vorstellung am Dienstag absolvierten Haas/Kiefer aus dem Kalten. Zusammen trainiert hatten sie vorher nicht. Die Quittung folgte im ersten Satz. "Da haben sie gar nicht gewusst, was los ist", bemerkte Prinosil mit bissigem Unterton. Die Zweckgemeinschaft kam danach jedoch erstaunlich gut ins Spiel und besaß sogar die Chance zum Sieg.
"Das Experiment hat sich gelohnt", befand Kiefer, mit dem Prinosil gern in Key Biscayne gespielt hätte. Da aber Kiefer in der Doppel- Weltrangliste zu schlecht platziert ist und Prinosil für die Veranstalter kein Zugpferd darstellt, bekommen sie auch keine Wildcard. So wie Kiefer und Haas jetzt in Indian Wells. Prinosil wird deshalb in Florida mit Michael Kohlmann (Hagen) auf den Court gehen, um noch eine Einsatz-Variante für den Daviscup zu testen. Mit wem Prinosil, der beim Daviscup-Auftakt gegen Rumänien mit Marc-Kevin Goellner kläglich in drei Sätzen verloren hatte, am liebsten in s'Hertogenbosch gegen die Niederlande antreten würde, ließ er offen. Derzeit bekäme Haas den Vorzug, "denn mit ihm habe ich schon öfter gespielt". Mit Kiefer harmoniert der Gewinner von acht ATP-Doppel- Turnieren aber auch nicht schlecht. Zumindest waren sie bei ihrem bislang einzigen Auftritt in Ostrava 1998 nicht zu schlagen.
Die Situation sei angenehm und unangenehm zugleich, meinte Prinosil, der keinesfalls "Hurra" geschrien hat, als er von den Ambitionen der beiden Kontrahenten erfuhr. "Das hätten sie auch schon mal früher sagen können", monierte der gebürtige Tscheche. Nicht nur er ahnt, "dass es schwierig wird, für Charly die richtige Entscheidung zu treffen". Hinzu kommt, dass Prinosil nicht nur auf seinen Stammplatz im Doppel pocht, er möchte auch gern Einzel spielen.
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